Taschengeld für Flüchtlinge in Berlin: Czajas neuer Plan sorgt wieder für Verwirrung

Das schien eine gute Nachricht zu sein: Sozialsenator Mario Czaja (CDU) kündigte am Mittwoch an, dass sich Asylsuchende nicht mehr in die Schlangen am Lageso in der Turmstraße einreihen müssen, um sich etwa Taschengeld auszahlen zu lassen. „Wir haben den Einrichtungen bereits mitgeteilt, dass die Kostenübernahmen elektronisch stattfinden und nicht jeder die abholen muss“, sagte er dem RBB.

Die Bezirkskassen sollten jetzt die Auszahlung übernehmen. Die Betreiber der Unterkünfte seien vor gut einer Woche informiert worden, „dass das Taschengeld auch an anderen Standorten ausgezahlt werden kann“, sagte er im Interview.

"Mit Erstaunen zur Kenntnis genommen"

Doch da war er etwas voreilig. Die Betreiber der Unterkünfte wissen jedenfalls von nichts. „Wir sind nicht informiert worden“, sagte Thomas de Vachroi, Heimleiter der vom ASB geführten Notunterkunft im ehemaligen Rathaus Wilmersdorf, am Donnerstag. „Heute morgen hat uns das Lageso noch elektronische Terminkarten geschickt. Die Bewohner sind zur Turmstraße gefahren und wurden dann vom Sicherheitsdienst abgewiesen“, sagte er.

„Ich habe die Worte des Senators im RBB mit Erstaunen zur Kenntnis genommen“, sagte Matthias Nowak vom Malteser Hilfsdienst, der in der Messehalle Geflüchtete versorgt. Überrascht war auch Marie Antonia Kipp von der Firma Tamaja, die die Massenunterkunft am früheren Flughafen Tempelhof betreibt. Es sei nicht das erste Mal, dass der Senator etwas ankündige, was dann nicht realisiert werde.

„Großer Quatsch“

„Er sagte, dass Vivantes in den Hangars die medizinische Versorgung übernimmt.“ Dies sei nicht der Fall. Stattdessen sei jetzt das medizinische Katastrophenhilfswerk vor Ort. Auch Susan Hermenau wartet noch auf Auskünfte. Sie ist Sprecherin des Betreibers Prisod, der die frühere Schmidt-Knobelsdorf-Kaserne übernommen hat. „Vielleicht ist es ja für die Zukunft geplant, dass die Bezirke die Auszahlung übernehmen.“

Dem widerspricht Mittes Bezirksbürgermeister Christian Hanke (SPD): „Das ist alles großer Quatsch“, sagte er. Das Lageso habe sich bereits vor Wochen erkundigt, ob sich die Geflüchteten in den Bezirksämtern Geld abholen könnten. Er hält das für schwierig. „Wir haben nicht genügend Bargeldbestände“, sagte Hanke. „Wir haben dem Lageso aber einen Fragenkatalog geschickt, der allerdings nicht beantwortet wurde.“

Nun wird nachgedacht

Czajas Sprecher Sascha Langenbach rudert nun zurück. „Wir denken über dezentrale Auszahlungsmöglichkeiten nach und prüfen mehrere Optionen, sagte er. „Das ist aber noch nicht spruchreif.“ Zur Aussage des Senators, die Betreiber seien informiert worden, dass Flüchtlinge nicht mehr ins Lageso müssten, merkte er an: „Da müssen wir noch nacharbeiten.“