Berlin - Die Stationen sind die bei Staatsbesuchen üblichen: Ankunft am militärischen Teil des Flughafens, Winken auf den Stufen von Schloss Bellevue, Gang durchs Brandenburger Tor, Begrüßung des Bundespräsidenten und der (geschäftsführenden) Bundeskanzlerin. All die Stationen hat die dänische Königin Margrethe am Mittwoch, dem ersten Tag ihres viertägigen Staatsbesuches in Deutschland bereits absolviert.

So weit, so beflissen, und doch ist dieser royale Besuch in der Hauptstadt ein besonderer. Nach langen Corona-Monaten, wo neben vielen anderen Besuchen auch königliche Stippvisiten abgesagt wurden, muss jede Ausnahme genüsslich zelebriert werden – so man denn fürs royale Spektakel etwas übrig hat.

Margrethe II. allerdings machte es den Berlinern und Berlin-Besuchern einfach, ob diese nun am Brandenburger Tor Zaungäste waren oder via Instagram auf dem vorbildlich geführten offiziellen Profil „Det danske kongehus“ dem Programm beiwohnten. Nicht nur passte das taubenblaue Ensemble der 81-jährigen Monarchin perfekt zur Färbung des Berliner Novemberhimmels, die Königin lächelte auch unentwegt herzlich und strahlend.

Hinzu kommt, dass Margrethe mit ihrer eigenwilligen Art ja auch ganz gut zur Stadt passt, in der sie noch bis Freitag und in Begleitung von Kronprinz Frederik zu Gast sein wird. Eine Königin, die bunte Kleidung mag, kein Blatt vor den Mund sondern lieber mal eine Zigarette nimmt, die mit ihrem bisweilen spröden Charme die Dänen als treue Monarchisten bei der Stange hält, die Podcasts macht und die Künste liebt – die sollte doch auch das Herz der Berliner erwärmen können.

Zumindest Angela Merkel, ebenfalls in Blau gewandet, schien sehr angetan. Beim Aufeinandertreffen der beiden Frauen im Bundeskanzleramt kam es zu einer hübschen Begrüßungs-Verwirrungsszene, nicht ganz so schön wie das unbeholfene Ritual mit Frankreichs Präsident Macron vor ein paar Tagen, aber doch sehenswert und sympathisch: Nachdem Margrethe aus dem Auto stieg, schien sie Merkel die Hand geben zu wollen, diese aber streckte ihr die Faust entgegen. Am Ende legten sich dann beide etwas verlegen die Hand aufs Herz. Auch irgendwie innig – und absolut corona-konform.