Berlin - Wer in den vergangenen drei Jahren einmal über den Mittelstreifen der Tauentzienstraße flaniert ist, wird sich gewundert haben: Dieses 2013 von den Bezirken gepflanzte Friedhofsgrün soll die angemessene Optik für eine der wichtigsten Einkaufsstraßen der Hauptstadt sein? Für Gottfried Kupsch ist die Frage längst beantwortet: Nein, die Gestaltung ist nicht angemessen und soll nächstes Jahr geändert werden, sagt das Vorstandsmitglied der AG City, dem Zusammenschluss von Immobilienbesitzern und Einzelhändlern rund um Tauentzien und Kurfürstendamm. Die Kosten – 8,7 Millionen Euro über fünf Jahre – tragen die Gewerbetreibenden selber.

Blühender Boulevard

Für dieses Geld soll der Mittelstreifen auf Tauentzien und Kudamm zwischen Wittenbergplatz im Osten und Uhlandstraße im Westen umgestaltet und aufgehübscht werden, oder wie Kupsch sagt, „endlich auf ein sehr viel höheres Niveau gehoben werden“. Neben jahreszeitlich wechselnder Bepflanzung sind auch zwei Pavillons mit Außengastronomie geplant. „Der Tauentzien und der Kudamm sollen blühen“, sagt Kupsch.

Die Gestaltung des Einkaufsstraßenzugs ist „in den vergangenen Jahren von den zuständigen Bezirksämtern sehr stiefmütterlich behandelt worden“, sagt Kupsch. Der Tauentzien liegt zu einem Teil in Tempelhof-Schöneberg, der andere Teil sowie der gesamte Kudamm gehört zu Charlottenburg-Wilmersdorf. Er mache den Bezirksämtern jedoch keinen Vorwurf, sie hätten für solche Aufgaben schlicht kein Geld. Dabei sei es wichtig, „gerade auch im internationalen Maßstab etwas darzustellen“, sagt er. Schließlich befinde sich der Einzelhandel und damit die gesamte Stadt im Umbruch. „Die Menschen haben ihre Einkaufsgewohnheiten radikal geändert – vieles läuft online. Also muss man etwas bieten, damit die Leute noch oder wieder in die Einkaufsstraßen kommen“, so Kupsch.

Zu dem Umbaupaket gehört, dass die neue, abwechslungsreiche Bepflanzung gut gepflegt wird. Auch dies ist eine Aufgabe, an der die Bezirksämter zuletzt immer häufiger scheiterten. Ein trauriges Beispiel ist der Viktoria-Luise-Platz in Schöneberg, der dieses Jahr keine Blumen, sondern nur pflegeleichtes Grün bekommen hat. An Kudamm und Tauentzien sollen ab 2017 von privater Hand bezahlte Gärtner die teuren Gewächse betreuen, ebenso soll die Berliner Stadtreinigung – und nicht mehr das Bezirksamt – für die Reinigung zuständig sein.

„Wo ist das KaDeWe?“

Darüber hinaus will die AG City Lotsen auf die Boulevards bringen, die Ansprechpartner für Passanten sein sollen, insbesondere für Touristen. „So häufig wird man am Tauentzien gefragt, wo das KaDeWe ist“, sagt Vorständler Kupsch. Antworten auf solche und viel mehr Fragen sollen künftig Lotsen geben. Die Anforderungen an sie beschreibt Kupsch so: „Sie sollen Fremdsprachen beherrschen sowie freundlich und gut angezogen sein.“ Erste Angebote von Designern für einheitliche Kostüme und Anzüge gebe es schon.

Ein weiterer Effekt ist nach Kupschs Worten der „Lästigkeitsfaktor“. Die Lotsen sollen allein durch ihre Existenz etwa Hütchenspieler verdrängen, die zuletzt wieder vermehrt gesichtet wurden. „Diese Leute wollen unbehelligt sein. Wir wollen dagegen schon durch die Anwesenheit der Lotsen ein Gefühl der Sicherheit vermitteln.“

Die Aufwertungsinitiative ist möglich geworden durch das Berliner Immobilien- und Standortgemeinschafts-Gesetz. Dadurch können Anrainer von Geschäftsstraßen dazu verpflichtet werden, sich an aufwertenden Maßnahmen finanziell zu beteiligen. Das nötige Quorum wurde mit 30 Prozent weit überfüllt. Noch im August soll die Verschönerungsmaßnahme auf dieser Grundlage beim Bezirksamt beantragt werden.

Noch ist unklar, wie viel jeder einzelne aufbringen muss, damit 8,7 Millionen Euro zusammenkommen. Entscheidend ist der sogenannte Einheitswert jedes Grundstücks, ein Faktor, den das zuständige Finanzamt kennt. „Wir bitten da um Mithilfe“, sagt Kupsch.