Berlin - Hertha Fiedler setzte sich 1958 in Karl-Marx-Stadt in ein Taxi, um nach Berlin zu fahren. Sie wollte ein neues Leben beginnen und eine Kneipe eröffnen. Die kleine Weltlaterne sollte sie heißen. Damals ahnte sie wohl kaum, dass sie 1978 das Bundesverdienstkreuz für Künstlerförderung erhalten würde. Dabei begann die ungewöhnliche Geschichte der kleinen Weltlaterne mit einer harmlosen Aufforderung: „Meine Wände sind so leer, hängt doch mal was auf“, sagte Fiedler 1961 zu einigen Kunststudenten. Fortan tauschten die mittellosen Stammgäste, vielen von ihnen Maler, eine Currywurst und ein paar Bier gegen eines ihrer Werke.

Die gutbürgerliche Kneipe avancierte zum Treffpunkt von Künstlern, Musikern und Autoren. Sie wurde Anlaufpunkt für Persönlichkeiten wie Henry Miller, Curd Jürgens, Friedrich Dürrenmatt, Günter Grass, Hildegard Knef, Friedensreich Hundertwasser, Harald Juhnke, Georg Kreisler oder Rolf Eden.

1975 zog die kleine Weltlaterne in die Nestorstraße in Wilmersdorf. Im vergangenen Jahr feierte die Kneipe ihren fünfzigsten Geburtstag. Anlässlich dieses Jubiläums hat Dietrich Alexander von Plettenberg eine Dokumentation gedreht: In „Der Trampelpfad der Künste – von Kreuzberg nach Wilmersdorf“ schwärmt Rolf Eden von Nächten voller Jazzmusik und Beppo Pohlmann von den Gebrüder Blattschuss hat seinen größten Hit umgeschrieben und behauptet, „Weltlaternen Nächte sind lang“.

Die Dokumentation ist am 16. Mai vorerst zum letzten Mal zu sehen, im Spätsommer wird es eine ergänzte Fassung geben.

Die kleine Weltlaterne, Nestorstr.22, Wilmersdorf, 89 09 36 16, Mo-Sa ab 20 Uhr