Am Tag der Deutschen Einheit haben in Mitte Rechtsradikale demonstriert. Der Verein „Wir für Deutschland“ hatte dazu bundesweit aufgerufen. Die Polizei zählte etwa 1000 Teilnehmer, die am Nachmittag vom Hauptbahnhof aus durch das Stadtzentrum zogen. Ursprünglich hatten die Veranstalter 5000 Teilnehmer erwartet.  

Unter den Demonstranten waren zahlreiche besorgte „Normalbürger“ verschiedener Altersgruppen, die die Einwanderungspolitik der Bundesregierung kritisieren, aber auch Neonazi-Kameradschaften sowie rechtsextreme Hooligans und Identitäre. Auch die NPD-Jugendorganisation JN entrollte ihre Fahnen. In der Friedrichstraße wurde „Hier marschiert der nationale Widerstand“ skandiert – eine Parole, wie sie bei Neonazi-Aufmärschen in früheren Jahren gerufen wurde.

Eine größere Gruppe gehörte den Aufschriften auf ihren Jacken zufolge der Bürgerwehr „Soldiers of Odin“ an, die unter anderem vom Bayerischen Verfassungsschutz als rechtsextremistische Gruppierung eingestuft ist. Uniformiert trat auch die „Bruderschaft Deutschland“ auf, eine 2017 in Düsseldorf gegründete Gruppe aus Neonazis, Rockern und Hooligans. Vertreten waren auch Mitglieder der „Kameradschaft Havelland“. Die Demonstranten riefen Sprüche wie „Merkel muss weg“, oder „Wer Deutschland nicht liebt, soll Deutschland verlassen“.

Gegen den Aufmarsch protestierten nach Polizei-Zählung rund 600 Menschen. Unter anderem gab es an der Friedrichstraße eine Kundgebung der „Anwohnerinitiative für Zivilcourage – Gegen Rechts“. Dieser hatten sich der Deutsche Gewerkschaftsbund und die Evangelische Kirche angeschlossen.

Entlang der Route kam es zu angemeldeten und spontanen Protestkundgebungen. Die Gegendemonstranten trugen Plakate wie „Deutsche Kartoffeln einstampfen“ und riefen „Nazis raus!“ oder „Hoch die internationale Solidarität“. An der Friedrich-, Ecke Jägerstraße flogen Farbbeutel auf die Polizisten, die beide Seiten voneinander trennten. Es kam zu Rangeleien zwischen Polizisten und Gegendemonstranten. Die Polizei nahm mehrere Personen vorübergehend fest.