Kommt der Koffer wirklich an? Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup testete am Montag schon mal das Einchecken am neun Flughafen.
Foto: Berliner Zeitung/Gerd Engelsmann

Berlin-SchönefeldGeld gibt es nicht. Und dafür, dass die Menschen einige Stunden ihrer Zeit gratis opfern sollen, wird ihnen einiges abverlangt – zum Beispiel vier bis fünf Kilometer laufen. Trotzdem scheint es eine Menge Interessentinnen und Interessenten zu geben, die scharf auf den ehrenamtlichen Job sind, den die Flughafengesellschaft FBB jetzt anbietet. Das könnte daran liegen, dass es sich um einen ganz besonderen Arbeitsplatz handelt: den BER in Schönefeld.

Die Website, auf der man sich seit Montagvormittag als Flughafentester melden kann, wird rege genutzt. „Aktuell liegen 9400 Bewerbungen vor“, sagte Flughafensprecher Daniel Tolksdorf am Montagnachmittag gegen 15.15 Uhr.

Noch immer sind am neuen Flughafen nicht alle Bauprobleme abgeräumt. Für die Sicherheitskabel und die Sicherheitsstromversorgung im Terminal, die langwierig überarbeitet werden mussten, sollen die Prüfungen nun im März 2020 abgeschlossen werden, sagte Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup. Auch bei den Dübeln, für die nach einer Rechtsänderung Bauartgenehmigungen erforderlich wurden, ist weiterhin nicht alles im grünen Bereich.

Bloß kein Desaster wie in London

Trotzdem wurde jetzt damit begonnen, den Probebetrieb vorzubereiten. Denn weiterhin peilt Lütke Daldrup den 31. Oktober 2020 als Eröffnungstermin an. Als Erstes wird nun Beschäftigten der Flughafengesellschaft und anderer Firmen der BER gezeigt. Los ging es am 16. Januar. Thema ist die „Topografie“ der Gebäude, erklärte Florian Steinhaus vom Probebetriebsteam. Schließlich müssen die Mitarbeiter wissen, wo sich welche Bereiche befinden – von den Sozialräumen, in denen sie sich umziehen, bis hin zu den Gates, an denen die Passagiere warten.

Das Chaos bei der Eröffnung des Terminals 5 in London-Heathrow ist den Expertinnen und Experten noch in guter Erinnerung. Das Desaster 2008 wurde dadurch verschärft, dass viele Mitarbeiter Probleme hatten, auf die Personalparkplätze zu gelangen, weshalb im Terminal Personal fehlte.

Ticket und Lunchpaket gratis

Einmalige Chance: Einen Flughafen kennenlernen, bevor er eröffnet wird – diese Gelegenheit bekommen interessierte Bürger am BER. Für 30 Probebetriebstage in den Terminals T1 und T2 werden Freiwillige gesucht.

Jetzt bewerben: Ab sofort werden auf der Internetseite www.ber-testen.de Anmeldungen entgegengenommen – für den 29. April und für die Zeit vom 23. Juni bis 15. Oktober. Nur Erwachsene dürfen teilnehmen.

Ehrenamtlich: Lohn wird für die meist sechsstündigen Testläufe nicht gezahlt. Die Tester bekommen aber ein Nahverkehrsticket, oder sie dürfen gratis parken. Ein Lunchpaket und Getränke werden ebenfalls gestellt.

Die Mitarbeiter der FBB, der Bundespolizei, des Zolls, der Luftfahrtgesellschaft und vieler weiterer Unternehmen, die derzeit den Flughafen erkunden, sollen zwischen dem 30. April und 18. Juni  wiederkommen – um Verfahren und Abläufe zu üben. Dann beginnt die erste Stufe des Probebetriebs, den die Fachleute mit ORAT bezeichnen – „Operational Readiness and Airport Transfer“.

Die zweite Stufe, bei der die Komplexität gesteigert wird, soll vom 23. Juni bis zum 20. August dauern. Für diese Phase werden seit Montag auf der Seite www.ber-testen.de Freiwillige gesucht – 20.000 Komparsen, die sich als Tester zur Verfügung stellen. „Sie haben die Möglichkeit, den Flughafen vor der Eröffnung kennenzulernen“, lockte Lütke Daldrup.

Insgesamt 30 Probebetriebstage mit Komparsen sind angesetzt. Davon finden 25 Testläufe dienstags und donnerstags statt, mit jeweils 600 Teilnehmern. Auch an vier Sonnabenden werden Abreisen und Ankünfte simuliert, von tausend freiwilligen Testern. Hinzu kommt eine Sonderübung am 29. April, wenn mit 800 Menschen die Evakuierung des Terminalbahnhofs geprobt wird.

Patrick Muller leitet nicht zum ersten Mal die Inbetriebnahme eines Flughafengebäudes. Der FBB-Manager war auch schon dabei, als in Jeddah, Doha, Dubai und Kairo solche Großaufgaben anstanden. „Es gibt einen Unterschied zum BER: In Deutschland gibt es viel mehr Gesetze, die zu beachten sind“, sagte er. Im arabischen Raum reiche es aus, wenn ein Scheich einen Flughafen freigibt, hier laufe das anders.

Metall soll Detektoren reizen

Einige seiner Mitarbeiter haben sich bereits beim ersten BER-Probebetrieb vor acht Jahren engagiert – der endete, nachdem die damals für den 3. Juni 2012 angesetzte Flughafeneröffnung abgesagt werden musste.

Die Koffer, mit denen die Tester einst das Einchecken üben sollten, haben die Zeit nicht überdauert, weshalb seit 2015 rund 7000 neue Test-Gepäckstücke angeschafft wurden. Ein Dienstleister packte nicht nur Kleidung hinein, sondern in einigen Fällen auch Metall – um Detektoren auf die Probe zu stellen. Skier, Surfbretter, Golftaschen und anderes Großgepäck wurden ebenfalls für die Generalprobe besorgt.

Zumindest etwas aus dem Probebetrieb 2012 kann aber wieder verwendet werden: Die grünen Westen der Flughafentester und die roten Westen des Personals sind dieselben wie vor acht Jahren. Kunststoff hält auch so lange Zeitspannen durch.