Berlin - So viel Preisstabilität gibt es sonst nur selten. Schon seit mehr als vier Jahren sind die Taxitarife in Berlin unverändert. Doch jetzt ist eine Erhöhung der Fahrpreise in Sicht. „Die Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz bereitet derzeit die Senatsvorlage zu den Taxitarifen vor“, sagte Behördensprecherin Dorothee Winden auf Anfrage. „Die nächsten Schritte sind die Mitzeichnung der beteiligten Senatsressorts und ein Senatsbeschluss.“ Noch in diesem Sommer, sagen Beobachter, könnten die neuen Tarife in Kraft treten. Was kommt dann auf die Fahrgäste zu?

Dazu zwei Beispielrechnungen: Eine Fünf-Kilometer-Tour, zum Beispiel vom Alexanderplatz zur Stargarder Straße in Prenzlauer Berg, verteuert sich um 1,50 Euro auf etwas mehr als 15 Euro. Wer zehn Kilometer im Taxi zurücklegt, etwa vom Hardenbergplatz am Zoo zur Puschkinallee in Treptow, legt demnächst 2,55 Euro drauf. Dann werden für so eine Taxifahrt knapp 25 Euro fällig.

Grundpreis für Taxi-Fahrten bleibt stabil

Wer sich den künftigen Preis für seine Strecke schon mal ausrechnen möchte, kann sich anhand des Entwurfs der neuen „Verordnung über Beförderungsentgelte im Taxiverkehr“ orientieren. Der Tarifplan liegt der Berliner Zeitung vor.

Bis sieben Kilometer beträgt der Kilometertarif künftig 2,30 Euro – derzeit sind es zwei Euro. Danach werden statt 1,50 demnächst 1,65 Euro pro Kilometer fällig. Immerhin: Der Grundpreis bleibt in jedem Fall bei 3,90 Euro.

Es bleibt auch beim jetzigen Zuschlag für Taxifahrten, die am Flughafen Tegel beginnen: 50 Cent. Die geplante Erhöhung auf zwei Euro ist vom Tisch. Damit sollte der Bau eines Schrankensystems finanziert werden, mit der die Zufahrt zu den Terminals A und C geregelt, illegale Taxikonkurrenten und "Schwarzlader" ferngehalten werden sollten. Doch das Projekt wurde abgesagt, weil es mit Brand- und Denkmalschutzbestimmungen nicht zu vereinbaren sei.  Auch würden die Schranken in Notfällen die "Entfluchtung" behindern, sagte Hannes Hönemann, Sprecher der Flughafengesellschaft FBB.  

Viel preiswerter als in Hamburg

Angehoben wird jedoch der Pauschaltarif für Kurzstrecken im Taxi – von fünf auf sechs Euro. Dieses Angebot für ganz Berlin ist als „Winkemanntarif“ bekannt: Wer auf der Straße ein fahrendes Taxi herbeiwinkt und maximal zwei Kilometer mitfährt, kann es für diesen Niedrigpreis nutzen.

Wartezeiten von mehr als einer Minute schlagen bald ebenfalls stärker zu Buche. Wer ein Taxi warten lässt (zum Beispiel, weil er nach dem Bestelltermin am Fahrzeug eintrifft), zahlt statt 30 demnächst 33 Euro pro Stunde. Hier wollte die Taxibranche ursprünglich eine Erhöhung auf 36 Euro pro Stunde durchdrücken.

Doch der Gutachter Thomas Krause aus Hamburg, der die Tarifanträge im Auftrag des Senats geprüft hat, setzte ein Stoppzeichen. Schon jetzt liege das Wartezeichenentgelt in Berlin deutlich über dem Niveau andere Großstädte, rechnete er vor – im Durchschnitt sind es 28,80 Euro. Ansonsten aber gehöre Berlin aktuell zu den „eher preiswerten deutschen Taxistädten“, stellte der Gutachter fest.

So sei Taxifahren im Hamburg gut 20 Prozent teurer. Anders gesagt: Berliner Taxifahrer hätten einen größeren Schluck aus der Pulle verdient.

Krause sprach sich während des Genehmigungsverfahrens dafür aus, die Fahrpreise stärker zu erhöhen als die Taxi-Innung und die Berliner Taxivereinigung beantragt hatten. Während die Branchenverbände Tarifanhebungen rund acht Prozent mehr Geld wollten, schlug der Hamburger Taxi-Experte sogar eine Anhebung um 10,7 Prozent vor – zu der es nun offenbar auch kommen soll.

Denn nach Krauses Berechnungen lägen die Gesamtkosten der Taxiunternehmer im kommenden Jahr um rund 10,5 Prozent höher als 2015 – dem Jahr der jüngsten Tariferhöhung. Ein Faktor sei der Mindestlohn, der in diesem Jahr von 8,85 auf 9,19 Euro pro Stunde erhöht wurde und 2020 auf 9,35 Euro steigen soll.

Keine reichen Investoren im Rücken

Leszek Nadolski weiß schon, was jetzt kommt. „Sicher werden sich viele mokieren, dass Taxifahren wieder teurer wird“, sagte der Erste Vorsitzender der Taxi-Innung. Doch während die Fahrpreise unverändert blieben, sei die Kostenbelastung gestiegen. „Auch wir haben mit Teuerungsraten zu kämpfen und müssen, soweit wir uns nicht selbst ausbeuten, Mindestlöhne zahlen“, gab der Taxifahrer zu bedenken.

Generell müsse die Taxibranche andere, zum Teil härtere Regularien einhalten als Fahrdienste wie der Berlkönig der BVG oder Clever Shuttle. So hätten Taxibetriebe immer dann, wenn sie bei der Behörde ihre Konzession verlängern lassen wollen, wirtschaftliches Arbeiten nachzuweisen – während es sich die Konkurrenz lange leisten könne, Verluste zu erwirtschaften. „Wir sind selbstständige kleine Unternehmer, die keine milliardenschweren Investoren im Rücken haben“, so Nadolski.

Was den Innungs-Chef besonders ärgert: Die Senatsverwaltung habe sich „selbst für Berliner Verhältnisse“ ungewöhnlich viel Zeit gelassen. Der Tarifantrag sei bereits vor 15 Monaten bei ihr eingegangen. Doch das Verfahren ging sehr zögerlich voran – unter anderem mit dem Argument, dass erst einmal eine Wirtschaftlichkeitsuntersuchung eingeholt werden müsse. „Dadurch spielte man den neuen Firmen wie Uber, Clever Shuttle und Berlkönig in die Karten“, kritisierte der Innungs-Chef. Auch wenn bald die Fahrpreise steigen: Die Lage der Branche bleibe prekär.