Sie werden immer mehr, und ein Ende des Zuwachses ist nicht in Sicht. Noch nie gab es so viele Taxis in Berlin wie heute. „Zurzeit sind 7596 Taxikonzessionen vergeben“, teilte Tatjana Pohl von der Senatsverwaltung für Inneres auf Anfrage mit. „Das ist ein Rekord“, sagte Detlev Freutel, Vorsitzender des Taxi Verbands Berlin Brandenburg.

Ein Rekord, auf den die Branche nicht stolz ist: „Die Konkurrenz wird immer größer, immer mehr Fahrer drängen auf den Markt“, so Freutel. „Dabei hat sich die wirtschaftliche Lage des Berliner Taxigewerbes nicht verbessert.“ Ganz im Gegenteil: Sie ist unverändert schlecht.

Freutel erinnert sich an die Zeiten, in denen ein Taxi seinen Betreiber gut ernährte. 1960 gab es in den Westbezirken Berlins lediglich 1172 Taxen. Auch 1988, als dort bereits 5007 Konzessionen vergeben waren, galt die Arbeit als Chauffeur noch als lukrativ. Vergessen, vorbei.

„Zwar gibt es heute viel mehr Touristen, und Berlin geht es wirtschaftlich besser als früher. Doch anders als früher muss sich die Taxibranche den Kuchen mit anderen teilen“, sagte Uwe Gawehn, Erster Vorsitzender der Innung des Berliner Taxigewerbes. „Nicht nur Limousinenservices, Chauffeurdienste und Mietwagenunternehmen machen uns Konkurrenz. Auch Car-Sharing-Firmen wie Drive Now oder Car 2 Go setzen uns immer stärker zu.“ Wenn Autos am Straßenrand zum Spontanmieten bereit stehen, warum dann noch umständlich ein Taxi organisieren?

20 Stunden hinterm Steuer

Weil sich als Taxifahrer nur noch wenig verdienen lässt, ist der Nachwuchs ein anderer als früher. „Nur noch wenige Deutsche interessieren sich für diese Tätigkeit, der Anteil der Migranten ist gestiegen“, so Gawehn. Für Menschen, die auf dem Arbeitsmarkt kaum Chancen haben, mutet der Job immer noch attraktiv an. „Viele denken: ’Ich bin mein eigener Herr’ – auch wenn sie täglich 20 Stunden hinterm Steuer sitzen müssten, um über die Runden zu kommen“, so der Innungs-Chef. „Der Drang, Taxifahrer zu werden, dauert ungebremst an.“

Ein Drang, der auch noch gefördert werde, wie Freutel klagte. „Die Agentur für Arbeit bezuschusst die Ausbildung zum Taxifahrer“, sagte er. „Ein Skandal. Überspitzt formuliert, sponsert der Staat in vielen Fällen die Ausbildung der nächsten Schwarzarbeiter.“ Denn angesichts der geringen Verdienstchancen sähen viele Neulinge ihr Heil darin, auf die Zahlung von Sozialversicherungsbeiträgen und Steuern zu verzichten. Manche beziehen Hartz IV, berichtete ein Insider der Branche.

Weil zahlreiche Novizen die Unternehmerprüfung bei der Industrie- und Handelskammer nicht bestehen und keine Taxifirma gründen dürfen, verschaffen sie sich auf krummen Wegen Zutritt zum Gewerbe. „Meist läuft es so: Ein Unternehmer besorgt sich mehrere Konzessionen und verpachtet sie für mehrere hundert Euro im Monat“, erklärte Gawehn. „Die meisten Betriebe sind seriös, sie halten sich an die Regeln“, sagte er. Doch sie geraten immer mehr in die Bredouille.

Gawehn und Freutel sehen Hamburg als Vorbild. Dort gehen Ämter, personell aufgestockt, massiv gegen schwarze Schafe vor. Die Taxizahl sank seit 2000 um rund 500 auf 3500. Zudem gibt es Zuschüsse für den Kauf von fälschungssicheren Taxametern, sogenannten Fiskaltaxametern.

„Vom Senat schwer enttäuscht“

Das Hamburger Modell könnte auch in Berlin dazu führen, dass unseriöse Konkurrenten aussortiert werden, meinen die Verbandschefs. Einen anderen Weg, die Zahl der Taxis zu reduzieren, sehen sie nicht. Das Oberverwaltungsgericht hatte eine befristete Beschränkung der Taxikonzessionen, die vom Senat verhängt worden war, im Jahr 2000 als rechtswidrig aufgehoben.

Finanzsenator Ulrich Nußbaum (parteilos, für SPD) hält allerdings nichts von Zuschüssen für Fiskaltaxameter. Sein Sprecher Jens Metzger: „An einer solchen freiwilligen Fördermaßnahme würden sich aller Voraussicht nach nur Unternehmen beteiligen, die ohnehin schon als zuverlässig einzuschätzen sind.“ Gawehn sagte, dass sich die SPD und die CDU in ihrer Koalitionsvereinbarung zum Hamburger Modell bekannt haben: „Wir sind vom Senat schwer enttäuscht.“