Er wächst rasant, erzielt weltweit Milliardenumsätze und plant auch für Berlin neue Angebote. Der Fahrtenvermittler Uber aus den USA macht dem Taxigewerbe in vielen Ländern ernsthaft Konkurrenz. Doch der Kampf lässt sich gewinnen, meint Hermann Waldner, in Berlin Chef einer der größten Taxizentralen Europas und Gründer der Taxiplattform taxi.eu.

„Weltweit hat unsere Branche erkannt, worauf es jetzt ankommt, um Uber und Konsorten Paroli zu bieten“, sagte er der Berliner Zeitung. „Wir haben keine Angst vor Uber. Von Schockstarre kann keine Rede sein.“ Es gebe nur eine Strategie, um im Wettbewerb zu bestehen: mehr Qualität für die Fahrgäste – was allerdings auch zu höheren Fahrpreisen führen müsse.

Einer der härtesten Taxi-Märkte Europas

Waldners Büroräume liegen versteckt in einem kleinen Haus abseits der Persiusstraße in Friedrichshain. In einer großen Vitrine stehen Musikinstrumente. „Die gehören mir“, sagt der 63-Jährige. In seiner Freizeit spielt er Elektrogitarre und Akkordeon. Die Musik gibt ihm die Kraft, sich auf einem der härtesten Taxi-Märkte Europas durchzusetzen.

Die Zahl der Taxis ist in Berlin auf fast 8000 gestiegen, noch nie waren es so viele. Flinkster, car2go und andere Car-Sharing-Anbieter machen Taxis Kundschaft abspenstig. Und viele Geschäftsleute steigen in Tegel lieber in eine Limousine, als sich einem Taxi anzuvertrauen. Die Konkurrenz wird immer härter.

Immerhin: Nachdem Berlin und das Taxigewerbe lange stagnierten, gehe es beiden wieder besser. „Doch die zusätzliche Nachfrage kommt weniger von den Einheimischen. Auch nicht so sehr von den Touristen – ich habe das Gefühl, die fahren lieber Rad oder nehmen an Trabi-Safaris teil“, erzählt Waldner. „Die besten Geschäfte machen wir an den Tagen, an denen der Politikbetrieb im Bundestag in vollem Gang ist, viele Lobbyisten und Wirtschaftsleute in der Stadt sind.“

15 bis 25 Prozent Zuschlag

Als mittelloser Student fing Hermann Waldner 1978 als Aushilfsfahrer an. Drei Jahre später wurde er Unternehmer, zuletzt gehörten ihm rund 430 Taxis. 1990 kaufte er den einstigen Volkseigenen Betrieb Taxi in Ost-Berlin. Nach der Fusion mit der Genossenschaft Taxi Funk entstand die erste Gesamt-Berliner Taxizentrale, später kam der Würfelfunk hinzu. „Heute sind 6400 Taxis Vertragspartner“, sagt Waldner. Rund 200 Menschen arbeiten für ihn, die meisten im Callcenter.

Aber auch dieser Bereich ändere sich. „Künftig werden auch in Berlin 80 bis 90 Prozent der Taxi-Bestellungen über automatische Systeme abgewickelt, vor allem über Apps.“

Eine App in zwölf Ländern

Vor fünf Jahren gründete Waldner Taxi.eu, wozu eine App gehört, die es mittlerweile in zwölf Ländern gibt. Sein Netzwerk umfasst zirka hundert Städte, zum Beispiel Paris, Wien, Brüssel, Amsterdam und Kopenhagen. Rund 70.000 Taxis können bestellt, Fahrten bargeldlos bezahlt werden. Wer will, ordert einen „Fünf-Stern-Fahrer“. Die App ist erfolgreich. „Ich war der Initiator. Inzwischen läuft es von allein, ich muss nicht mehr viel um Partner aus dem internationalen Taxigewerbe werben“, sagt Waldner. Taxifahrer aller Länder, vereinigt Euch!