Berlin - Die Opfer kommen aus Argentinien, Finnland, Mexiko, Frankreich, Belgien und der Schweiz. Sie haben Berlin in schlechter Erinnerung, weil sie von Taxifahrer Talip M. betrogen wurden. Für eine Tour von Tegel nach Moabit wollte er 96 Euro haben, deutlich mehr als erlaubt. Einmal verlangte er sogar 400 Euro für eine Taxifahrt. Wenn Fahrgäste Zweifel anmeldeten, weigerte sich M., das Gepäck aus dem Kofferraum herauszugeben. Jetzt muss sich der 48-Jährige vor der Justiz verantworten. „Meines Wissens ist dies das erste Mal, dass so einer vor Gericht kommt“, sagt Roland Bahr von der Innung des Berliner Taxigewerbes.

Hohe Dunkelziffer

Am kommenden Donnerstag beginnt um 9.15 Uhr im Saal 105 des Amtsgerichts Tiergarten die mündliche Verhandlung. Talip M. wird unter anderem gewerbsmäßiger Betrug und Raub zur Last gelegt. Er habe „zwischen dem 8. März 2012 und dem 17. Mai 2013 in einer Vielzahl von Fällen ein überhöhtes Entgelt von seinen Fahrgästen verlangt“, wirft ihm die Justiz vor. M. habe die Tatsache ausgenutzt, dass seine ortsunkundigen Fahrgäste oft nicht wussten, wie viel Taxifahrten in Berlin regulär kosten.

Um seine Identität zu verschleiern, fuhr er nicht selten mit geöffneter Heckklappe davon – ein beliebter Trick bei Taxibetrügern. Denn die Kofferraumabdeckung versperrt den Blick auf die vierstellige Konzessionsnummer an der Heckscheibe und auf das polizeiliche Kennzeichen.

M. gab auch falsche Quittungen aus, damit die Fahrgäste den Betrug nicht nachweisen können. So quittierte er die 400-Euro-Tour mit 2,96 Euro. Oder er unterzeichnete den Zahlungsbeleg mit einem Daumenabdruck – was später allerdings der Justiz half, M. ausfindig zu machen.

Die Liste der Betrogenen ist lang

Dass er auch wegen Raubes angeklagt wird, hängt mit einem Vorfall vom 11. November 2012 zusammen. Vom Flughafen Tegel, an dem M. viele seiner betrügerischen Touren begann, wollte ein Fahrgast zum Arcotel John F. Doch die Fahrt endete nicht am Werderschen Markt in Mitte, sondern in der Calvinstraße in Moabit. Das sei in der Nähe des Hotels, log Talip M. Er verlangte erst 96, dann 69 und (als der Fahrgast misstrauisch blieb) schließlich 36 Euro – immer noch mehr als das Doppelte des korrekten Tarifs. Der Kunde hielt zwei 20-Euro-Scheine in der Hand. Der Taxifahrer riss sie ihm weg und raste mit offener Beifahrertür und Heckklappe davon.

Die Justiz hat vier weitere Verhandlungstermine im Amtsgericht Tiergarten angesetzt. Denn es handelt sich um einen umfangreichen Fall: Die Staatsanwaltschaft hat nicht weniger als 22 Geschädigte ausfindig gemacht und als Zeugen geladen. Nicht nur Ausländer sind dabei, Talip M. haute auch Berliner, Süd- und Westdeutsche übers Ohr.

Roland Bahr hat sich den Termin am Donnerstag notiert. Der Zweite Vorsitzende der Taxiinnung will dabei sein, wenn endlich einmal einem Taxibetrüger der Prozess gemacht wird. „Wir begrüßen das“, sagt er. Schon seit Langem ärgern sich die Verbände der Taxibranche über die Betrüger, die ihre Opfer meist am Flughafen Tegel suchen.

„Dass solche Täter selten verfolgt werden, hat mit der hohen Dunkelziffer zu tun“, erklärt Bahr. Viele Taten werden nicht angezeigt oder gemeldet. Touristen wüssten oft nicht, dass sie sich bei den Branchenverbänden oder beim Landesamt für Bürger- und Ordnungsangelegenheiten (Puttkamerstraße 16-18, 10 958 Berlin) beschweren können.

Harte Strafen gefordert

Immerhin: „Wir haben den Eindruck, dass die Zahl der Betrügereien in den vergangenen Monaten gesunken ist“, sagt Bahr. Das Landesamt habe Fahrern, die wegen solcher Taten häufig aufgefallen waren, die Konzessionen entzogen. Trotzdem träfen bei der Innung weiter Beschwerden ein: „Im Herbst forderte ein Fahrer für eine Tour von Tegel zum Hotel Adlon 300 Euro.“

„Wir wünschen uns, dass die Richter ein Exempel statuieren und den Täter hart bestrafen“, sagt Stephan Berndt, Vorsitzender des Berliner Landesverbands von Taxi Deutschland. Betrüger müssten aus dem Verkehr gezogen werden, Ämter und Justiz sollten konsequenter gegen sie vorgehen: „Denn das sind Kriminelle, die den guten Ruf unseres Gewerbes kaputt machen.“