Der Rekord liegt bei 390 Euro. So viel Geld hat ein Taxifahrer von einem Fahrgast verlangt, nachdem er ihn vom Flughafen Tegel nach Mahlow südlich von Berlin befördert hatte. 390 Euro – fast das Zehnfache des regulären Tarifs. „Das ist bislang der schlimmste Fall, der mir untergekommen ist“, sagte Christoph Krause vom Landesamt für Bürger- und Ordnungsangelegenheiten am Freitag . Der Fahrgast hatte sich nach der Tour bei der Behörde beschwert. Vielleicht wird schon bald ein anderer Betrüger einen noch höheren Fahrpreis fordern. Denn das Problem spitzt sich zu, klagte Detlev Freutel vom Taxi Verband Berlin Brandenburg (TVB). „Wir haben das Gefühl, dass Fahrgäste immer öfter von diesen Kriminellen abgezockt werden.“

Am Freitag begann eine Aufklärungskampagne, mit der das Amt und die Taxibranche Berlin-Besucher vor Betrügereien schützen möchten. Wer in Tegel nach der Landung auf sein Gepäck wartet, kann sich informieren: An den Förderbändern gibt es auf 15 Plakatflächen Tipps zum Taxifahren in Berlin. Dort ist etwa zu lesen, dass man nur an offiziellen Halteplätzen in ein Taxi steigen und dass der Taxameter eingeschaltet sein sollte. Die Tipps stehen auch auf Zetteln, die am Infoschalter ausliegen – nicht nur auf Deutsch, auch auf Englisch.

Mit gutem Grund, wie Roland Bahr, der zweite Vorsitzende der Innung des Berliner Taxigewerbes, erklärte. „Die Betrüger suchen sich mit Vorliebe ausländische Touristen und Geschäftsleute heraus, weil sie meist zu Recht annehmen, dass die sich in Berlin nicht auskennen.“

Ausländer sind bevorzugte Opfer

Bahr erläuterte, wie die Masche der Betrüger funktioniert. Diese Fahrer stellen sich meist nicht am offiziellen Halteplatz, der sich vor dem Tegeler Hauptterminal an den Flugsteigen 6 bis 9 erstreckt, in die Autoschlange. Stattdessen warten sie an anderen Ausgängen. Werden sie dort erwischt, hat das kaum Folgen– das Bußgeld beträgt 30 Euro.

„Meist stehen sie vor den Gates 12 bis 14“, erzählte Bahr, der bei der Innung Fahrgastbeschwerden auswertet. „Sie sprechen Fluggäste an, die gerade angekommen sind. Wenn auf Deutsch geantwortet wird, sagen sie meist, ihr Taxi sei schon besetzt. Ist klar, dass sie einen Ausländer vor sich haben, lassen sie ihn einsteigen“ – und der Betrug kann beginnen. Meist bleibe der Taxameter aus, in anderen Fällen waren die Fahrpreisanzeiger offenbar manipuliert worden.

Auch Roland Bahr hat eine Liste mit Tarif-Spitzenreitern. „Bei mir liegt der Rekord bei 289 Euro – so viel sollte ein Geschäftsmann aus Indonesien für eine Fahrt vom Flughafen Tegel nach Marienfelde bezahlen“, so der Vize-Innungs-Chef. In einem anderem Fall sollte eine Tour von Tegel nach Tempelhof 220 Euro kosten.

„Nur die Spitze des Eisbergs“

Nicht selten werden die Betrüger handgreiflich, wenn sich die Kunden weigern zu zahlen. „Ein Engländer, der vom Flughafen ins Hotel Adlon wollte, sollte 80 Euro hinlegen – und wurde vom Fahrer massiv bedroht, als er das zurückwies“, berichtete Bahr. Wohlweislich hatte der Betrüger sein Opfer nicht zum Hoteleingang gefahren, sondern es auf der anderen Seite des Brandenburger Tores abgesetzt – damit der Mann nicht gleich zur Rezeption gehen konnte, um Hilfe zu holen.
In diesem und im vergangenen Jahr sind dem Landesamt insgesamt rund hundert Betrugsfälle bekannt geworden, sagte Christoph Krause vom Landesamt. „Doch dies ist nur die Spitze des Eisbergs“, tatsächlich sei die Zahl wohl höher. Denn viele Opfer wenden sich nicht an die Polizei, das Landesamt oder die Taxiverbände, berichtete er.

Manch einer empfindet den geforderten Fahrpreis nicht als zu hoch – in vielen Metropolen können Taxifahrten vom Flughafen in die Stadt teuer sein. In Oslo werden umgerechnet fast 90 Euro fällig, ab London-Heathrow bis zu 80 Euro. Andere Betroffene scheuen den Aufwand. Wieder andere, meist Geschäftsleute, reisen bald wieder ab – mit dem unguten Gefühl, in Berlin übers Ohr gehauen worden zu sein.

Selbst wenn Betrugsopfer eine Anzeige stellen, sei es oft schwer bis unmöglich, die Täter herauszufinden. „Meist haben sich die Betroffenen weder die Konzessionsnummer noch das Kennzeichen notiert. Oder ihre Notizen sind nicht korrekt. Oder die Konzessionsnummer ist gefälscht“, klagte Krause. Außerdem bekommen die Betroffenen oft keine Quittung, oder die Angaben sind falsch oder unleserlich. Das erschwert die Ermittlungen der Amtsanwaltschaft. Angaben darüber, wie viele Taxi-Betrüger verurteilt worden sind, gab es am Freitag nicht.

„Es ist wichtig, die Fahrgäste aufzuklären – über ihre Rechte und die Preise,“ sagte Uwe Gawehn, der erste Innungs-Vorsitzende. Damit sie sich bei einem Betrugsversuch wehren und bei der Aufklärung helfen können. „Wir wollen, dass diesen Kriminellen das Handwerk gelegt wird“, sagte Detlev Freutel. „Im Interesse der Kunden. Und der ehrlichen Taxifahrer, die immer noch die überwiegende Mehrheit sind."