Berlin -
Ein Taxi reiht sich vor dem Flughafen Schönefeld an das andere. Eine gut 800 Meter lange Warteschlange ist entstanden. Neu ist, dass alle diese Taxis das „LDS“ auf dem Nummernschild haben. „LDS“ steht für den brandenburgischen Landkreis Dahme-Spreewald, zu dem Schönefeld gehört. Und seit Jahresbeginn dürfen nur noch „LDS“-Taxis Gäste am Schönefelder Terminal aufnehmen. Taxis aus Berlin dürfen zwar Fahrgäste bringen, aber keine neuen aufnehmen.

„Die Warteschlange der Taxis ist aber genauso lang wie vorher“, sagt Taxiunternehmer Osman Dinchan. Zwar fehlen die Berliner Taxifahrer. Dafür reihen sich nun die „LDS“-Taxis ein, die früher ihre Dienste in Tegel angeboten haben, erklärt Dinchan. In Tegel dürfen im Gegenzug seit Jahresbeginn die „LDS“-Taxifahrer keine Gäste aufnehmen.

Man kann also sagen: Der Taxi-Konflikt zwischen Berlin und Brandenburg kennt keine Sieger. Für die Taxifahrer ist das Erwerbsleben sogar noch beschwerlicher geworden. Ein Berliner Taxi, das nach Schönefeld fährt, muss künftig leer zurückfahren. Genauso wie ein „LDS“-Taxi, das Fahrgäste nach Berlin gebracht hat. Das empört viele Taxifahrer.„Ich warte hier in Schönefeld derzeit zwei bis drei Stunden, bis ich dran komme“, sagt Mustafa Uzuncan. Und dann dürfe er in Berlin keine weiteren Fahrgäste aufnehmen. „Dabei sollte man schon 150 Euro am Tag einnehmen, denn ich habe ja Unkosten, muss mein Fahrzeug pflegen“, sagt er. Das sei nun schwieriger geworden.

Mustafa Uzuncan, 44, lebt zwar in Berlin, fährt aber seit zwei Jahren ein Taxi mit „LDS“-Kennzeichen. Zunächst wollte er in Berlin den Taxischein machen, bestand die Ortskundeprüfung aber nicht. Darauf machte er erfolgreich den Taxischein in Dahme-Spreewald und spekulierte auf ein auskömmliches Geschäft nach der Eröffnung des neuen Großflughafens BER. Doch das lässt auf sich warten.

Innerhalb von fünf Jahren hat sich die Zahl der Taxis, die im Landkreis Dahme-Spreewald gemeldet sind, mehr als verdreifacht. Derzeit seien es etwa 350 Taxifahrer, wie Michael Firyn von der Taxi Union Königs Wusterhausen zu berichten weiß. Er steht mit seinem Volvo-Taxi ebenfalls in Schönefeld und weist darauf hin, dass 80 Prozent der „LDS“-Taxifahrer eigentlich Berliner seien. Es ist ein hartes Geschäft, Mustafa Uzuncan hat Frau und drei Kinder zu ernähren. Bisher hat er oft am Flughafen Tegel gestanden.

Vielen Reisenden am Flughafen Schönefeld ist die neue Regelung noch unbekannt. Einige wissen aber, dass die Fahrt mit „LDS“-Taxis ins Berliner Stadtzentrum vier, fünf Euro teurer sein kann als mit einem in Berlin gemeldeten Taxi. „Auf den ersten acht Kilometern sind wir aber preiswerter“, sagt Mustafa Uzuncan, der früher im Spandauer Waschmaschinenwerk gearbeitet hat. Doch dann wurde das Werk nach Brandenburg umgesiedelt. „Wenn du schon etwas älter bist, kannst du heutzutage eigentlich nur Bus- oder Taxifahrer werden“, sagt er. Gut bezahlte Arbeit in Fabriken gebe es zu wenig.

„LDS“-Taxifahrer sagen, sie würden jeden Berliner Fahrer anzeigen, der in Schönefeld Fahrgäste aufnehme. Michael Firyn fordert gar einen Konzessionsstopp für Taxis. Es gebe einfach zu viele davon. Mittags nimmt dann ein Taxifahrer mit Berliner Kennzeichen am Easyjet-Terminal unbemerkt doch Fahrgäste auf. Und fährt eilig davon.