ie Tat geschah am 8. März 2012. Doch Petra Maack-Wantzen bebt noch heute vor Ärger, wenn sie daran denkt, was sie in Berlin erlebte. „Ich war stinksauer, verletzt, wütend. Darüber, dass mein Vertrauen von einem Taxifahrer so missbraucht wurde“, sagte die Ärztin am Donnerstag im Amtsgericht Tiergarten. Die Frau aus Gau-Algesheim bei Mainz ist eine der 22 Geschädigten, um die es in einem bemerkenswerten Verfahren geht. Talip M. aus Wedding ist angeklagt, als Taxifahrer Wucherpreise verlangt zu haben. Die höchste Summe, 400 Euro, büßte ein Mexikaner ein – für eine Fahrt, die vom Flughafen Tegel nach Tempelhof führen sollte.
Sehbehinderte um Geld geprellt

Anfangs schöpfte sie keinen Verdacht, sagte Petra Maack-Wantzen, die ebenfalls in Tegel bei Talip M. eingestiegen war. „Wir haben uns absolut nett unterhalten“, erzählte sie vor Gericht. Selbst als der Fahrer am Ziel, einer Pension in der Bleibtreustraße, 67 Euro forderte, kam ihr das noch nicht merkwürdig vor.

„Ich sagte mir: Schön blöd, wenn man in der Hauptstadt Taxi fährt, ohne sich vorher zu informieren.“ Doch kurz darauf schwante der Ärztin, dass etwas falsch lief. Erst habe der Fahrer geschimpft, dass der 50-Euro-Schein, den sie mit einem Zwanziger übergab, in Wahrheit nur eine Fünf-Euro-Note sei (was nicht stimmte). Weiteres Geld wurde ausgetauscht, es gab ein Hin und Her. Später stellte die Frau fest, dass sie nur noch zehn Euro im Portemonnaie hatte. 110 Euro waren daraus verschwunden. Da war das Taxi schon weg. Die Quittung, die sie in der Hand hielt, trug einen falschen Namen. Die Fahrt hätte nur 25 Euro kosten dürfen.

Petra Maack-Wantzen wirkt resolut. Doch ihr Berlin-Erlebnis macht ihr zu schaffen. „In Hamburg war ich als Notärztin oft mit Taxis unterwegs. So etwas wie in Berlin habe ich nicht erlebt“, sagte sie.

Mit offenen Kofferraumdeckel auf und davon

Die Anklage, deren Verlesung über 20 Minuten dauerte, offenbarte ein hohes Maß an krimineller Kreativität. Mal habe M. das Taxameter nicht eingeschaltet, dann habe der 48-Jährige gesagt, es sei Taxistreik, es würden höhere Tarife gelten. Oft habe er seine Fahrgäste weit vor dem Ziel aussteigen lassen und abkassiert, mit den Worten: „Das Hotel ist um die Ecke.“ M. habe falsche Quittungen ausgeteilt und gedroht, das Gepäck nicht herauszugeben. Und wenn es zu brenzlig wurde, sei er mit offenem Kofferraumdeckel davon gerast, sodass Konzessionsnummer und Kennzeichen nicht zu sehen waren. Die Anklage lautet auf gewerbsmäßigen Betrug und Raub.

Talip M. habe Berliner, Argentinier, Finnen, Schweizer und Spanierinnen betrogen. Meist hätten die Fahrten abends in Tegel begonnen. Mal ging es um große Beträge wie im Fall einer Touristin, die für eine Fahrt von Tegel zur Friedrichstraße 196 Euro zahlen sollte. Mal ging es um wenige Euro. Doch für die sehbehinderte Frau aus Wedding, die vom Hauptbahnhof zur Kameruner Straße fuhr, war es viel Geld. Sie hatte die 15 Euro, die für die Tour eingeplant waren, abgezählt dabei. M. habe 19 Euro gefordert, sei dann mit der Frau zum Geldautomaten gefahren und habe ihr dort 40 Euro aus der Börse gezogen, sagte der Staatsanwalt.

Talip M., ein kleiner bärtiger Mann, der nicht allzu gut deutsch spricht, sagte außer seinen Personalien nichts. Der Vater von drei Kindern behielt die Jacke an, als wollte er gleich wieder weg. Doch dieses Verfahren wird länger dauern. Rüdiger Kleingünther, der Vorsitzende Richter, hat fünf Termine angesetzt.

„Tegel-Kutscher, das ist für viele ein Schimpfwort“, sagte einer der Taxifahrer, die im Saal 105 die Zuschauerbänke füllten. Der Flughafen sei dafür bekannt, dass dort betrügerische Taxifahrer auf Touristen lauern, meist vor den Gates 12 bis 15 abseits des Taxistands. „Ich bin gekommen, um mir einen von denen anzusehen, die den guten Ruf unseres Gewerbes in den Dreck treten“, sagte der 73-Jährige, der schon in Chicago und Paris Taxi gefahren ist.

„Wir fühlen uns alleingelassen“

„Die Dunkelziffer ist groß, auch heute sind Betrüger unterwegs“, sagte Roland Bahr von der Taxi-Innung. Die Zuschauer erzählten von „Asterix“ und „Obelix“, die Touristen abzockten. Und von „Richard“, der keine Konzession hatte, aber trotzdem Taxi fuhr. Wer sich in Tegel laut über die Fahrer mokiert, die abseits des Taxistands auf Kundschaft warten, werde von ihnen bedroht, einer fuhr einer Frau vom Amt über den Fuß. Dabei wagen sich Behörden selten nach Tegel, sagte Boto Töpfer vom Taxi Verband: „Wir fühlen uns alleingelassen.“ Ausrede sei, dass Personal fehle. In Wahrheit wäre es so, dass zu viel Arbeit warte.

Die Taxifahrer finden es gut, dass ein mutmaßlicher Betrüger vor Gericht steht. Die Opfer hätten die Taten angezeigt (was nicht oft vorkomme), die Polizei sei dem nachgegangen, es wurde angeklagt. „Solche Verfahren gibt es zu selten“, so Bahr. Kriminelle Taxifahrer seien „katastrophal für Berlin als Touristenmetropole“. Doch wie das Urteil ausfällt, ist noch nicht absehbar. Ein anderes Verfahren ging mit einem Freispruch aus, der Betrug war nicht nachweisbar. Für den 16. Januar sind die nächsten Zeugen geladen.