Die gängigen Fahrdienste UBER und herkömmliche Taxis.
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Berlin Eine meiner großen Freuden ist das Fahren mit einem Taxi – also als Gast, nicht am Steuer. Ich ertrage es kaum in voll besetzten Bussen und übelriechenden Bahnen die knapp vier Kilometer zur Arbeit zu fahren. Einige meiner Kollegen verstehen das, anderen wäre das zu teuer. Und der Rest liebt das Radeln. Mir ist das schnuppe. Ich tue es einfach und mir bereitet es Freude. Auch deshalb, weil man als Gast viel erlebt.

Ich sitze wie wahrscheinlich die meisten Fahrgäste auch immer auf der rechten Seite der Hinterbank. Da ist es bequem, man sieht gut und unterhalten kann man sich auch. Vor einigen Tagen wäre es aber besser gewesen, wenn ich vorn neben dem Fahrer Platz genommen hätte. Ich habe nämlich eine Premiere erlebt.

Der erste Eindruck meines Taxifahrers

Wie üblich hatte ich mir per Handy einen Wagen bestellt. Als der Taxifahrer kurz darauf in meine Straße einbog, ahnte ich nicht, was mich erwartet. Also der Fahrer hielt nicht vor meiner Haustür, sondern vor der übernächsten. Irgendwann bemerkte er mich und fuhr rückwärts zu mir. Es war ein kleiner, dicklicher Mann. Das sah man, weil er ausstieg, um mir die Tür aufzuhalten. Sensationell war das.

Ich schätzte den Mann auf etwa 40 Jahre. Wie ich bald erfuhr, war er nicht nur neu in dieser Stadt, sondern auch im Land. Noch bis zum Sommer hatte er in der Türkei einen Obst-und Gemüseladen betrieben. Als sich dieser nicht mehr rechnete, zog er nach Berlin, erzählte mir der Mann, der nun schräg vor mir am Lenkrad eines Taxis saß, um eine Fahrt zu beginnen, die ich lange nicht vergessen werde. Ich war sein erster Fahrgast.

Die Tour begann damit, dass er nicht so recht wusste, wo der Taxameter im Rückspiegel eingeschaltet wird, was für mich noch okay war.  Als er es aber herausgefunden hatte, stauten sich hinter uns fünf Autos. Ungeduldige Fahrer hupten bereits. Das Eingeben des Ziels in sein Navigationssystem wollte auch nicht so recht gelingen. Er ließ die Finger davon. Ich versprach, ihn zu lotsen. Dann ging es los.

Wenn der Fahrgast gefragt ist

Die Straße, in die ich wollte, kannte er nicht. Lediglich von der Leipziger Straße hatte er schon einmal was gehört. Aber wie er die erreichen würde, das wusste er nicht. In solchen Situationen ist eben der Fahrgast gefragt. Ich beschrieb ihm die Strecke. Er fuhr also am Märchenbrunnen vorbei, die Greifswalder Straße hinunter, überquerte die Mollstraße und quälte sich durch den Alextunnel. Dann passierte er das Rote Rathaus und schlägelte sich über die Fischerinsel nach Kreuzberg.  

Wir waren etwa 20 Minuten unterwegs trotz der vielen unsäglichen Baustellen. Am Berliner Verlag in der Alten Jakobstraße war die Fahrt zu Ende. Sein Dank für meine Hilfe war groß. Er schrieb mir dafür fünf Euro gut. Ich freue mich auf ein Wiedersehen. Es muss dann aber keine Fahrt nach Friedenau sein. Denn eigentlich will ich einfach nur bequem und ungestört von A nach B kommen und nicht immerzu reden müssen.