Ich fahre gern und viel mit dem Taxi. Man sitzt bequem, hört Musik und kann, wenn man will, ein wenig mit dem Fahrer plaudern. Und es riecht nicht so streng wie in Bussen und Bahnen. Das dachte ich jedenfalls bis vor einigen Tagen.

Da holte mich Akin von zu Hause ab, ein Mann, den ich bereits kenne. Er ist nicht sehr groß, freundlich und stammt aus der Türkei. Irgendwann war er mit seiner Frau nach Berlin gekommen und geblieben. Er spricht gut Deutsch, sein Stolz sind die Kinder. Die Tochter studiert erfolgreich irgendetwas mit Verwaltung. Ihr jüngerer Bruder geht noch zur Schule. Akin fühlt sich wohl in Berlin, ist glücklich und sagt es auch.

Sie stieg aus dem Taxi aus, der frische Geruch blieb

Ich stieg jedenfalls am Vormittag in sein Auto ein und machte es mir auf der Rückbank, soweit das möglich war, bequem. Doch im Fahrzeug roch es anders als sonst. Es war ein Mix aus Parfüm, Haarlack und Frische. Der Geruch war nicht unangenehm. Er glich dem beim Friseur.

Akin fiel auf, dass mir der Duft gefiel. Er lächelte. Kurz darauf erzählte er, dass er vor meiner Tour von einer älteren Dame geordert worden war. Sie wollte vom Friseur zurück in ihr Hotel gebracht werden. Sie stieg aus, ihr Duft blieb.

Drei Tage später reagierte Akin auf meine Bestellung über den Taxiruf wieder als erster. Ich kam aus dem Büro und wollte nach Hause. Wir freuten uns, als wir uns sahen und begannen sofort über die Familie zu reden. Aber die Frische im Auto war verflogen. Nun roch es streng, nach Fisch. Akin war es peinlich.

Die Fischhändler stiegen aus dem Taxi, der miefige Geruch blieb

Er erzählte, dass er kurz zuvor zwei Fischhändler aus Mecklenburg-Vorpommern chauffiert hatte, die ihre Ware auf einem Markt erfolgreich feil geboten hatten. Geduscht hatten sie nicht. Der Mief stand wie eine Mauer im Auto.

Ich schlug Akin spaßeshalber vor, dass er doch von nun an einfach nur noch Fischhändler oder Angler mit ihrem Fang kutschieren sollte. Immerhin sind 4000 Angler im Verband Berlin-Brandenburg organisiert.

Die Idee fand Akin aber doof und wollte sich nicht darauf einlassen. Er überlegte, ob er vielleicht doch noch zu einer Tankstelle fahren wolle, um dort einen kleinen bunten Pappbaum zu erwerben. Eigentlich mag er den industriellen Duft dieser Bäume überhaupt nicht. Aber er sehe keine andere Chance, die Geruchsbelastung zu unterbinden. Er müsse sich wohl im Interesse der Kundschaft fügen.

Der Taxifahrer will noch keinen Duftbaum, lieber friert er

Doch dann sah er eine Werbung – und wollte versuchen, das Problem später auf der Fruit Logistica in den Messehallen am Funkturm zu lösen. Die Fachmesse findet noch bis zum Freitag statt. Zur größten europäischen Exponatenschau auf diesem Gebiet werde es wohl Fahrgäste geben, die keinen Fisch, sondern duftendes Obst verkaufen und anschließend dessen Geruch mit sich tragen.

Bei der nächsten Fahrt war klar zu riechen, dass er noch keinen Fruchthändler erwischt hatte. Fischgeruch hält sich sehr lange. Für Akin heißt es nun weiterhin: Fahren mit offenem Fenster. Denn noch will Akin keinen Duftbaum. Lieber friert er.