Der Urlaub war schön, der Flug pünktlich. Doch am Taxihalteplatz des Flughafens Schönefeld ist der Stress oft gleich wieder da. Denn dort kommt es immer wieder vor, dass Taxifahrer die Fahrt nach Berlin ablehnen, wenn die Strecke ihrer Meinung nach zu kurz und damit zu wenig lukrativ ist. „Wir bekommen immer häufiger Beschwerden von Fahrgästen, denen in Schönefeld die Beförderung nach Berlin verweigert wurde“, sagte Uwe Gawehn, Erster Vorsitzender der Innung des Berliner Taxigewerbes, am Montag. Der Taxi Verband Berlin Brandenburg (TVB) hat jetzt einen erbosten Brief an die Politiker geschrieben.

Ein typischer Fall: Ein Berliner traf aus Djerba in Tunesien in Schönefeld ein. „Ich wurde gleich von drei Taxifahrern abgewiesen, als sie hörten, dass die Fahrt nach Köpenick/ Spindlersfeld geht“, schrieb er dem TVB. Diese Berliner Stadtteile sind nur wenige Kilometer vom Flughafen entfernt. „Ich konnte es gar nicht glauben, dass so etwas möglich ist. Ein junger Fahrer hat sich dann meiner erbarmt.“

Berliner Taxen müssen vorbestellt sein

Doch nicht nur Fahrtablehnungen verärgern die Kundschaft. In seinem Brief zitiert der Taxi-Verband auch aus der Beschwerde einer Wilmersdorfer Familie. Sie kam nach einem Urlaub in Antalya (Türkei) gegen drei Uhr in Schönefeld an. Mit 40 anderen Reisenden wartete sie auf ein Taxi, aber lange vergeblich. Zwar erschienen Berliner Taxen, doch deren Chauffeure erklärten, dass sie nur Fahrgäste aufnehmen dürften, von denen sie bestellt worden seien – was richtig ist. „Brandenburger Taxen waren nicht in Sicht oder nur spärlich“, so die Familie. Erst nach anderthalb Stunden fand sie ein Taxi.

„Die Zustände sind vollkommen untragbar“, so der TVB. Eine Reaktion auf den Brief gab es jedoch bislang nicht – auch nicht von den Brandenburger Politikern, an die er ebenfalls adressiert ist. Dabei liegt das Problem auf ihrem Gebiet.

Brandenburger Taxen dürfen Berlin-Fahrten ablehnen

Schönefeld gehört zum Landkreis Dahme-Spreewald (LDS), und dessen Verwaltung hat ein Bereithalteverbot für auswärtige Taxen verhängt. Das heißt: In Schönefeld dürfen seit Januar nur noch Taxenunternehmen mit Sitz in LDS Fahrgäste aufnehmen. Lediglich vorbestellte Fahrten sind ausgenommen. Wenn die Taxibetreiber aus LDS lieber schlafen, als Urlauber nach Hause zu bringen, ist das rechtlich okay.

„Sie dürfen auch Fahrten nach Berlin ablehnen, denn Berlin gehört nicht zu ihrem Pflichtfahrgebiet“, sagte Gawehn. Pech für die Fahrgäste – und ein Schaden für den Ruf der Hauptstadt. Die Lage werde sich verschärfen, wenn der BER offen ist.

Große Teile der Taxibranche liegen mit der Politik bei einer weiteren Frage über Kreuz. Denn die Fahrpreiserhöhung, die zum Ausgleich der Kostensteigerungen nötig sei, verzögert sich. Jetzt sei von Anfang 2014 die Rede, so Gawehn. Die Senatsvorlage sei noch nicht fertig. Die Tarife für die mittlerweile mehr als 7600 Taxis sind seit 2009 stabil.

Tarife in Berlin sollen steigen

Wie berichtet soll der Grundpreis von 3,20 auf 3,40 Euro angehoben werden. Geplant ist auch, dass der Kilometertarif für die ersten sieben Kilometer von 1,65 auf 1,79 Euro steigt. Dagegen soll der Tarif ab sieben Kilometern bei 1,28 Euro bleiben. Auch der Kurzstreckentarif ändert sich nicht. Wer ein fahrendes Taxi herbeiwinkt und zwei Kilometer mitfährt, zahlt weiter vier Euro.

Auch nach der Erhöhung wäre Taxifahren in Berlin immer noch billiger als in München oder Hamburg. Die Innung, der TVB und Taxi Deutschland hatten 2012 eine noch spürbarere Verteuerung verlangt.