Von einem Berliner Taxi-Streik ist die Rede. Und davon, dass Taxifahrer aus der Hauptstadt den Flughafen Berlin Brandenburg (BER) boykottieren werden. So viel steht fest: Der jüngste Vorschlag zur künftigen Regelung des Taxiverkehrs am neuen Schönefelder Airport hat die Berliner Taxibranche in Aufregung versetzt. „Er sieht vor, dass Taxifahrten vom Flughafen nach Berlin in jedem Fall teurer wären als in der Gegenrichtung. Streit mit unseren Kunden ist da programmiert“, sagte Detlev Freutel, der Vorsitzende des Taxiverbands Berlin Brandenburg. Außerdem sollen Taxis aus dem Landkreis Dahme-Spreewald (LDS), in dem Schönefeld liegt, an Berliner Taxiständen Fahrgäste aufnehmen dürfen – weshalb die Berliner nun Konkurrenz und eine Aufweichung ihrer Qualitätsstandards befürchten. „Diesen Blödsinn werden wir nicht mitmachen“, versprach Stephan Berndt von Taxi Deutschland.

Die Zeit drängt. Schon seit vielen Monaten verhandelt die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung mit der Lübbener Kreisverwaltung über den Taxiverkehr am künftigen Flughafen – immer noch ohne Ergebnis. Der „Sachstand der Verhandlungen“, den der Senat am vergangenen Mittwoch bekannt gab, verursacht in der Behörde heftige Bauchschmerzen. „Die Brandenburger haben uns mit Maximalforderungen konfrontiert“, hieß es dort intern. Offiziell versuchte Petra Rohland, die Sprecherin des neuen Stadtentwicklungssenators Michael Müller (SPD), zu beschwichtigen: „Es gibt jetzt einen Vorschlag, aber keine Vereinbarung. Wir sind noch mitten in den Verhandlungen.“

„Betrügereien“ befürchtet

Was sieht der „Sachstand“ vom 14. Dezember vor? Jede Taxifahrt, die am neuen Airport beginnt, soll stets nach dem LDS-Tarif abgerechnet werden. Er sieht nicht nur Zuschläge für die Nächte sowie Sonn- und Feiertage vor, sondern für längere Touren auch höhere Kilometertarife. Das Warten vor Ampeln und im Stau kostet nach diesem Tarif ebenfalls Geld: 40 Cent pro Minute.

Am jetzigen Schönefelder Flughafen dürfen die Fahrgäste noch wählen, ob sie mit einem B-Taxi zum Berliner Tarif oder mit einem LDS-Taxi zum höheren LDS-Tarif in die Stadt fahren. Wer sich in ein Umland-Taxi setzt, zahlt ins Zentrum fünf bis sieben Euro mehr. „Schon die Wartezeit vor der schlecht geschalteten Ampel an der Auffahrt zur Autobahn 113 kann die Kunden ein bis zwei Euro kosten. Nach dem Berliner Tarif würde dafür kein einziger Cent fällig“, so ein Chauffeur.

Nicht nur, dass Taxifahrer ihren Berliner Fahrgästen künftig erklären müssten, warum die Rückfahrt teurer ist als die Hinfahrt: „Massiven Betrügereien“ würde Tür und Tor geöffnet, befürchtete Freutel. Denn nur Eingeweihte können erkennen, ob das Taxameter den Preis gerade nach dem Berliner oder dem Brandenburger Tarif berechnet. „Der Fahrer könnte immer den einträglicheren Tarif einschalten. Das wäre kundenfeindlich“, sagte Berndt. „Zudem würde ein zusätzlicher Tarif das Aus für unsere beliebte Kurzstrecke in Berlin bedeuten, weil dafür in älteren Taxametern die Speicherkapazität nicht mehr reicht.“

"Keinen Kniefall vor den Brandenburgern"

Berlins Taxibranche ärgert sich auch darüber, dass laut „Sachstand“ LDS-Taxis an Berliner Taxiständen Fahrgäste aufnehmen dürfen. Zum einen würde das Beförderungs- und Laderecht dazu führen, dass das schon jetzt unter Überkapazitäten leidende Gewerbe weitere Konkurrenz verkraften müsste. Zum anderen soll die Ortskunde von Fahrern aus dem Landkreis dort und nicht in Berlin geprüft werden. „Damit würden wir die Kontrolle darüber, ob sich alle Fahrer in Berlin gut auskennen, aus der Hand geben. Unsere Bemühungen, mehr Qualität zu bieten, würden zunichte gemachte“, sagte Berndt. „LDS könnte steuern, wie schwer oder wie leicht die Prüfung zu bestehen ist. Der Kreis könnte Berlin mit Taxifahrern überschwemmen, wenn er das will.“

Aus Brandenburg waren bislang offiziell nur einsilbige Erklärungen zu bekommen – zum Beispiel, dass es darum gehe, zu einer „vernünftigen Regelung“ zu kommen. Beobachter wissen, dass der Landkreis am längeren Hebel sitzt. Schönefeld liegt nun einmal nicht in Berlin.

Das Taxigewerbe fordert vom neuen Senator Müller, den Berliner Standpunkt offensiv zu vertreten. „Es darf keinen Kniefall vor den Brandenburgern geben“, so Freutel. Der Flughafen müsse in den Berliner Tarif integriert werden. Ansonsten sei mit „Streik“ zu rechnen. Stephan Berndt würde seine Mitstreiter dazu aufrufen, sich in BER nicht an den Taxistand zu stellen. „Wir würden dann unsere Kapazitäten am Südkreuz und am Hauptbahnhof ausbauen“ – dorthin gelangen die Fluggäste bequem mit dem Zug.