Berlin - Die Technische Universität Berlin (TU) hat den Senat aufgefordert, die bisherigen Planungen für die City West am Bahnhof Zoo nicht infrage zu stellen und die Erweiterung der Uni zu ermöglichen. „Man kann Dinge totanalysieren und damit auf die lange Bank schieben“, sagte TU-Präsident Jörg Steinbach am Montag. Geschehe das, könnten sich die Neubauvorhaben der TU um weitere zwei Jahre verzögern. „Die TU wird nicht auf dem wissenschaftlichen Stand bleiben, den sie erreicht hat“, befürchtet Steinbach.

Der TU-Präsident kritisierte damit erneut die Planung des Berliner Architekten Jan Kleihues, der für das Gelände zwischen Hardenbergstraße und Müller-Breslau-Straße vor einer Woche ein Konzept vorgelegt und den Bau von mehreren Hochhäusern und Wohntürmen vorgeschlagen hatte. Dabei seien die derzeitigen Planungen der TU ignoriert worden, so Steinbach. Vielmehr verweist er auf ein Wettbewerbsverfahren der Stadtentwicklungsverwaltung, das 2011 in einen Masterplan für das Gelände zwischen Hertzallee und Müller-Breslau-Straße mündete und mit der BVG, dem Zoo und der Universität der Künste (UdK) abgestimmt ist.

30 Millionen Euro für neues Forschungsgebäude

Wie Martin Schwacke, der Leiter der TU-Bauabteilung, sagt, ist auf dem Erweiterungsgelände zum Beispiel ein großer Neubau für das Mathematik-Institut vorgesehen, weil das alte Institut sanierungsbedürftig ist. Geplant ist, den 81 Millionen Euro teuren Neubau in die Investitionsplanung des Landes für die Jahre 2014 bis 2017 aufzunehmen.

Zudem will das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt für 30 Millionen Euro ein neues Forschungsgebäude errichten, in dem auch für den Vorstand eine Etage reserviert ist. Die Finanzierung übernimmt zur Hälfte der Bund. Laut Schwacke hat die TU bereits mehrere Millionen Euro in die Sanierung von Forschungseinrichtungen auf dem Gelände investiert. Weitere Erweiterungsbauten könnten errichtet werden, um teure Mietobjekte aufzugeben und so die Mietflächen um die Hälfte zu reduzieren.

Sechs Hochhäuser, ein Wolkenkratzer

Der Masterplan sieht zudem vor, dass der Busbahnhof an die S-Bahntrasse verlegt wird und auf dem Areal wissenschaftsnahe Einrichtungen, ein Tagungshotel sowie Gebäude für studentisches Wohnen entstehen. „Dieses Planungsrecht stellt Herr Kleihues jetzt infrage und greift ohne ein erkennbares Mandat in einen Wettbewerb ein“, sagt Schwacke. Offen ist allerdings noch, ob das Land die Brachfläche, auf der ursprünglich ein Riesenrad geplant war, zurückkauft.

Kleihues hatte ohne Auftrag sein Konzept für ein neues Stadtquartier vorgelegt: Sechs Hochhäuser sollen entstehen, in denen 800 Wohnungen geplant sind. Ein Wolkenkratzer soll 161 Meter hoch werden. Stadtentwicklungssenator Michael Müller (SPD) hat Interesse an dem Entwurf bekundet. Wie seine Sprecherin Daniela Augenstein am Montag bekräftigt, sei „der Masterplan weiter gültig. Kleihues versucht darüber hinaus das Gesamtareal städtebaulich neu und sinnvoll zu ordnen und schlägt auch Wohnungsbau vor. Dass die TU-Pläne dabei ihren Raum haben, ist doch klar“. Im März soll es Gespräche zwischen Senat, TU und Kleihues geben.