Die letzten Stunden vor dem Umzug waren dann doch noch ziemlich hektisch: Eine Haftpflichtversicherung musste noch abgeschlossen, die Ordner eingewiesen und die Technik für die 14 Wagen kontrolliert werden. Wenn sich am Sonnabend um 15 Uhr an der Petersburger Straße in Friedrichshain der „Zug der Liebe“ in Bewegung setzt, muss alles passen.

Jens Schwan ist dafür verantwortlich. Der 43-Jährige ist sozusagen der Zugführer der Liebe. Der Umzug, der über zehn Kilometer durch Friedrichshain, Prenzlauer Berg, Mitte und Kreuzberg bis zur Arena nach Treptow führen soll, war seine Idee. „Mich und ein paar Freunde nervt es seit Jahren, dass viele Leute in Deutschland nur noch an sich denken und dass Menschen, die vor Krieg und Elend zu uns fliehen, hauptsächlich Ressentiments und sogar Hass erfahren.“

„Der ganze kommerzielle Scheiß“

Deshalb meldeten sie Anfang des Jahres eine politische Demonstration an. Deren Ziele sind Mitmenschlichkeit, Mitgefühl und Toleranz. Auf den 14 Wagen sollen zwar Technobässe wummern, aber vor allem sollen dort soziale Vereine wie Gangway, Seawatch oder Tiertafel für ihre Anliegen werben. Dass die Demo wegen der Ähnlichkeit des Namens mit der Love Parade verglichen wird, ärgert Jens Schwan. Dabei war er durchaus ein Fan der Love Parade, allerdings nur für kurze Zeit.

„Der ganze kommerzielle Scheiß, diese Musik-Compilations und der ganze Bullshit mit der politisch verbrämten Abschlusskundgebung waren einfach nur noch geschmacklos“, sagt er.

Jens Schwan stammt aus Eberswalde, er wurde dort 1972 geboren. Die Familie zog nach Ost-Berlin, wo er mit 15 Jahren aus Frust über die DDR-Enge auf dem Schulhof sein FDJ-Hemd verbrannte. Das Abitur war danach für ihn passé. Matrose wollte er werden, in die weite Welt hinaus. Stattdessen wurde er Punk, besetzte 1987 in Falkensee sein erstes Haus, zwei Jahre später noch eines am Senefelderplatz in Prenzlauer Berg. Er wurde DJ, arbeitete im Plattenladen und in Clubs und sagt von sich, dass er in den 90er-Jahren in wohl alle Katakomben der Stadt gekrochen sei, in denen getanzt wurde.

Heute ist er verheiratet und Vater eines Sohnes sowie Angestellter. In seiner Freizeit organisiert er Open-Air-Events und pflegt die Clubmap, den Führer durch das Berliner Nachtleben. Beim „Zug der Liebe“ rechnet er mit 14.000 Mitläufern. Die hoffentlich nicht nur feiern wollen, sondern auch etwas bewegen.