Teddy Award: Drama mit Happy End

Berlin - Dieter Kosslick brachte es mit seiner unnachahmlichen Kalauerei mal wieder auf den Punkt: Die Macho-Männer auf dem Balkan sind so homophob, weil sie so viel Fleisch essen. Das war die Botschaft, die der Berlinale-Chef und bekennende Vegetarier zur Verleihung der Teddy Awards mitbrachte. Ihm würde es ja nie einfallen, so feixte er, diese wichtige Veranstaltung des schwulen und lesbischen Film zu schwänzen, während Klaus Wowereit (sonst Stammgast dieser Veranstaltung) es diesmal ja vorziehe, seine Zeit mit Benedikt in Rom zu verbringen.

Der Hintergrund: Der Regierende Bürgermeister begleitete am Wochenende den Berliner Erzbischof Wölki zur Erhebung in den Kardinalsstand durch den Papst. Was in der proppenvollen Haupthalle des Flughafens Tempelhof natürlich nicht so gut ankam, denn die katholische Kirche hat sich als Gralshüterin des queeren Lebens bekanntlich noch keinen Namen gemacht.

Dafür vertrat Dilek Kolat ziemlich witzig ihren schwulen Chef: „Ich bin heute Klaus“, verkündete sie und unterstrich, dass sie als Senatorin für Arbeit, Integration und Integration für den „Bereich Queer“ zuständig sei und dieser ihr sehr am Herzen liege. Toll, wie sie dabei den Anglizismus für alle Abweichler vom heterosexuellen Mainstream-Sex eindeutschte und wie „quer“ aussprach – ziemlich innovativ, die Vorzeige-Migrantin aus Klaus’ Regierungsmannschaft.

Krächzende Brüste

Kurz zuvor hatte Peaches, Berlins kanadische Electroclash-Queen, schon ihre erste exaltierte Performance hingelegt. Sie trug gefühlte zwanzig baumelnde Brüste am Oberkörper und krächzte ihre Angebetete an: „Talk to me!“ Doch die dachte gar nicht daran, mit ihr zu sprechen, sondern rannte am Ende vor der liebestollen Peaches davon, quer (oder: queer?) durch den Saal und ab ins draußen wartende Taxi.

Auch bei der Berlin-Französin Françoise Cactus, die mit ihrem köstlichem Electropop-Gekrähe die Gala eröffnete, ging es darum, wie man eine lästig gewordene Beziehung zum Teufel jagt: „Zeig mir deinen Rücken. Am schönsten bist du, wenn du gehen musst.“ Oder: „Zeig, wie du aussiehst, wenn du nicht mehr bist.“ Die Welt ist eben ruppig und grausam, darum ging es auch in fast allen der prämierten Filme. Wobei auf die eingangs erwähnte Balkan-Fleisch-Homophobie-These von Dieter Kosslick zurückzukommen wäre. Denn ihn hatte die serbische Komödie „Parada“, die ihrerseits auf herrliche Weise mit den Klischees nur so um sich wirft, zu dieser Slapstick-Schlussfolgerung inspiriert.

In „Parada“ lassen sich die ständig bedrohten und überfallenen Schwulenaktivisten ausgerechnet von einer Horde übler Machos und Kriegsveteranen gegen Geld beschützen, und so tingelt dieser bunte Haufen in einer burlesken Odyssee durch die ex-jugoslawischen Länder.