Als am Flughafen Tegel noch etwas los war... Ein BIld aus früheren Tagen.
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BerlinDer Betrieb auf dem Flughafen Tegel könnte bereits in der nächsten Woche vorerst eingestellt werden. Das erfuhr die Berliner Zeitung am Donnerstag. Im Zeichen der Coronakrise ist die Zahl der Passagiere unter fünf Prozent des bisherigen Werts geschrumpft, hieß es. Die zuvor oft überlastete Anlage, die im vergangenen Jahr von mehr als 24 Millionen Fluggästen genutzt worden ist, sei inzwischen fast völlig leer. Es kämen kaum noch Einnahmen herein, um die Betriebskosten des Flughafens, die sich monatlich auf einen zweistelligen Millionenbetrag summieren, annähernd zu decken. Auf die Lage soll nun "kurzfristig" reagiert werden, war weiter zu erfahren Angestrebt werde eine Schließung für bis zu zwei Monate.

Wenn sich die Gesellschafterversammlung der Flughafengesellschaft FBB am kommenden Montag (30. März) zu ihrer nächsten routinemäßigen Sitzung trifft, wird es auch um Tegel gehen. Spätestens nach dem Treffen soll die vorübergehende Entbindung von der Betriebspflicht beantragt werden. Je nachdem, wie die in der Senatsverkehrsverwaltung angesiedelte Luftfahrtbehörde des Landes Berlin entscheidet, würden in TXL ziemlich bald die Lichter ausgehen.

Bund hat derzeit noch Bedenken

Noch am vergangenen Donnerstag (19. März) hatte Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup betont, dass beide Berliner Flughäfen als "kritische Infrastruktur" weiterhin benötigt würden. Tegel und Schönefeld sollten offen bleiben, sagte er. Zum damaligen Zeitpunkt war der Luftverkehr in Berlin aber "nur" auf 25 Prozent geschrumpft. Inzwischen hat sich die Talfahrt jedoch massiv fortgesetzt. Am Mittwoch gab es in Tegel und Schönefeld nur noch 3500 Passagiere, weniger als fünf Prozent.

Im Senat wird seit deshalb einigen Tagen überlegt, den Flughafen im Nordwesten Berlins vorübergehend vom Netz zu nehmen. Es wäre „Irrsinn“, hohe Beträge aufzuwenden, um den Betrieb aufrechtzuerhalten, sagte Finanzsenator Matthias Kollatz (SPD) am Mittwoch im Hauptausschuss. Er betonte, dass es sich in jedem Fall eine temporäre Schließung handeln würde.  

Flughafenmanager wollen auf Teil des Gehalts verzichten

FBB-Sprecher Hannes Hönemann wollte zu dem Thema keine Stellung nehmen. In Flughafenkreisen wurde aber bekräftigt, dass Tegel verhältnismäßig schnell wieder eröffnet werden könnte, falls der Verkehr zunehme, hieß es. Best-Case-Szenario sei, dass Ende April die jetzigen Maßnahmen gelockert werden und der Luftverkehr im Mai wieder zunimmt. Tegel biete sich deshalb für eine temporäre Betriebseinstellung an, weil der Frachtverkehr vor allem in Schönefeld stattfindet. Jetzt gehe es aber darum, ein großen Teil der Betriebskosten zu sparen. Entlassungen werde es nicht geben.

Wie berichtet hat die FBB für ihre Beschäftigten Kurzarbeitergeld beantragt, das aus eigenen Mitteln auf 80 Prozent aufgestockt werden soll. Wie ebenfalls berichtet wollen Lütke Daldrup und andere leitende Mitarbeiter als Zeichen der Solidarität mit dem Personal freiwillig auf einen Teil ihres Gehalts verzichten. Aufs Jahr gerechnet könnte das Minus zehn bis 15 Prozent erreichen.

Der Bund als weiterer FBB-Gesellschafter hat aber große Vorbehalte gegen eine mögliche vorübergehende Betriebseinstellung. Wie die Deutsche Presse-Agentur am Donnerstag aus Regierungskreisen erfuhr, drängt er darauf, sowohl Schönefeld als auch Tegel offen zu halten. Die Infrastruktur müsse grundsätzlich funktionsfähig bleiben, vor allem auch für Frachtflüge und Urlaubsrückkehrer. Dem Bund gehören 26 Prozent der Anteile an der Flughafengesellschaft FBB, während Berlin und Brandenburg jeweils 37 Prozent halten.

Opposition lehnt Stilllegung von TXL vehement ab

Im Abgeordnetenhaus wurde die erwogene Stilllegung Tegels am Donnerstag kontrovers diskutiert. Georg Pazderski (AfD) bemängelte, dass die Coronakrise dazu missbraucht werden soll, den für Berlin wichtigen Flughafen dauerhaft zu schließen.

In den vergangenen Tagen hatten auch die beiden anderen Oppositionsparteien Kritik geäußert. "Die von der Flughafengesellschaft vorangetriebene vorgezogene Stilllegung des Flughafens Tegel wäre ohne einen betriebsfähigen Großflughafen BER ein immenses Risiko für den Luftverkehrsstandort Berlin, auch ein fatales Zeichen für den Tourismus- und Messestandort für die Zeit nach der Krise", sagten Christian Gräff und Oliver Friederici von der CDU. 

"Mit solchen Vorstößen droht Berlin direkt auf eine Kapazitätskrise zuzusteuern, dessen wirtschaftliche Folgen für die Region noch nicht absehbar sind", so FDP-Fraktionschef Sebastian Czaja. "Sollte der  Senat die jetzige Situation nutzen wollen, um den Flughafen Tegel schrittweise vom Netz zu nehmen, ist das aber nicht nur politisch absolut instinktlos, sondern auch hochgradig verantwortungslos. Unter den aktuellen gesundheitlichen Herausforderungen ist es einmal mehr wichtig, Bewusstsein dafür zu schaffen, dass Flughäfen eben nicht nur dem Tourismus dienen, sondern gerade jetzt eine infrastrukturelle Daseinsvorsorge erfüllen, wie etwa der logistischen Versorgung für Krankenhäuser und der Bevölkerung.“

Paris-Orly wird am 1. April geschlossen

In Flughafenkreisen wurde allerdings bekräftigt, dass es jetzt nicht um eine dauerhafte Einstellung des Betriebs in Tegel ginge, sondern wie gesagt um eine temporäre Schließung als Reaktion auf enorme Ertragsrückgänge. Eine endgültige Stilllegung wäre juristisch auch gar nicht möglich, hieß es. Die Coronakrise habe an der Rechtslage nichts geändert. Danach dürfe der Betrieb in TXL erst dann dauerhaft eingestellt werden, wenn beide Start- und Landebahnen am BER in Schönefeld in voller Länge in Betrieb genommen worden sind. Nach den bisherigen Planungen der FBB sollte in Tegel am 8. November 2020 die letzten Flugbewegungen stattfinden - wenige Tage, nachdem mit der Inbetriebnahme des BER begonnen wurde.

In der französischen Hauptstadt ist bereits die vorübergehende Stillegung eines Flughafens beschlossen worden. Paris-Orly wird wegen des Coronavirus ab dem 1. April geschlossen, hieß e. Ab dem 31. März 2020 um 23.30 Uhr und bis auf Weiteres würden alle Flüge, die in Paris-Orly durchgeführt werden, auf den Pariser Flughafen Charles de Gaulle verlegt, teilte der Flughafenbetreiber am Donnerstag auf seiner Webseite mit. Bis dahin werden alle Flüge am Terminal 3 abgewickelt, Terminal 1,2 und 4 sind bereits geschlossen. (mit dpa)