Berlin - An den Berliner Flughäfen Tegel und Schönefeld streikt am Freitag erneut das Bodenpersonal. Es drohen massive Flugausfälle und Verspätungen. Laut der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi werden die 2000 Beschäftigten zum Betriebsbeginn um 4 Uhr die Arbeit niederlegen. Der Streik soll zunächst 24 Stunden dauern.

In einer Urabstimmung hatten sich die Gewerkschaftsmitglieder in der vergangenen Woche mit großer Mehrheit für einen Streik ausgesprochen.

Viele ITB-Besucher wären vom Streik betroffen

Auch viele internationale Gäste der ITB sind von dem neuen Streik betroffen. In den kommenden Messetagen rechnen die Veranstalter mit mehr als 100.000 Besuchern. Bis Freitag ist die Tourismus-Messe Fachbesuchern vorbehalten, am Wochenende öffnet sie dann für alle Interessierten.

Angesichts des Streiks an den Flughäfen bietet die Messe Berlin auf ihrer Homepage ein Servicepaket an, damit die Gäste trotzdem ihr Reiseziel erreichen können. Aktuelle Streikinformationen werden auch auf der Internetseite der Berliner Flughäfen veröffentlicht.

Warum das Bodenpersonal streiken will

Hintergrund ist der Tarifkonflikt für die rund 2000 Beschäftigten. Das Bodenpersonal trägt entscheidend dazu bei, dass Jahr für Jahr viele Millionen Berliner sicher in den Urlaub fliegen. Es gibt Bordkarten aus, verlädt das Gepäck, stellt Treppen ans Flugzeug, sodass die Passagiere aussteigen können. Die Männer und Frauen machen es möglich, dass so viele Touristen nach Berlin fliegen – und tragen so zu einem großen Teil zur Wirtschaftsleistung dieser Stadt bei.

In der Bezahlung spiegelt sich das allerdings nicht wider. Zurzeit erhält ein Beschäftigter in diesem Bereich rund elf Euro brutto pro Stunde, teilte Verdi mit. Die Gewerkschaft fordert bei einer Vertragslaufzeit von zwölf Monaten ein Euro mehr pro Stunde.

Gewerkschaft: "Streik unausweichlich"

"Leider ist ein Streik unausweichlich geworden, weil die Arbeitgeberseite bislang immer noch kein verhandlungsfähiges Angebot vorgelegt hat und eine Einigung auf dem Verhandlungsweg derzeit nicht möglich zu sein scheint. Für uns ist diese Haltung der Berliner Arbeitgeber nicht nachvollziehbar, zumal es für die Bodenverkehrsdienste an den Flughäfen Köln, Düsseldorf und Hamburg bereits wegweisende und faire Tarifabschlüsse gegeben hat", sagte Verdi-Verhandlungsführer Enrico Rümker am Donnerstag.

Die Arbeitgeber hätten zuletzt ein "Volumen von acht Prozent" angeboten, das über drei Jahre gestreckt werden solle.

Air Berlin: "Streik überflüssig"

Air Berlin als größter Kunde der Berliner Flughäfen hat kein Verständnis für den angekündigten Streik während der Reisemesse ITB. "Die ganze Welt blickt auf Berlin. Da ist dieser Streik überflüssig", sagte Sprecher Ralf Kunkel. "Wir erwarten eine Lösung am Verhandlungstisch, nicht auf dem Rücken der Passagiere." Air Berlin werde die Passagier-Informationen kurzfristig anpassen. (BLZ/dpa)