Berlin - Ein paar Backsteinhäuser mit Wohnungen und Werkstätten, dazwischen liebevoll angelegte Gärten und ein kleines Wäldchen: auf dem Gelände des alten Wasserwerks an der Trettachzeile in Tegel lässt es sich gut leben. Heinz-Jürgen Korte, 49, betreibt hier eine Motorradwerkstatt, er wohnt hier und hat einen idyllischen Mietergarten. Doch vor einiger Zeit wurde bekannt, dass die Deutsche Wohnen, das Areal, verkaufen möchte und dort Wohnungen entstehen sollen.

Seitdem fürchtet Korte, dass die 13 Mietparteien, davon vier Gewerbemieter, vertrieben werden. Und dass die denkmalgeschützten Gebäude sowie das Wäldchen mit einem alten Eiskeller einem Luxus- Projekt weichen müssen.

Korte und die anderen Mieter haben die „Bürgerinitiative Altes Wasserwerk Tegel“ gegründet. Ihr Protest schlägt mittlerweile hohe Wellen. Denn der Fall könnte exemplarisch dafür sein, wie in der Boom-Stadt Berlin mit Altmietern umgegangen wird und wie Investoren angestammte Bürger vertreiben. Und da will sich – zumal im Wahlkampf – keine Partei Untätigkeit vorwerfen lassen. In Reinickendorf gibt es bereits die Siedlung am Steinberg, wo Mieter nach einer Luxusmodernisierung gegen Verdrängung kämpfen. Die Trettachzeile 15 könnte auch so ein Fall werden, denken manche.

Thema in der BVV

Derzeit bekommen Korte und die Mieter viel Unterstützung zugesagt. Diese Woche kam Finanzsenator Matthias Kollatz-Ahnen in die Trettachzeile, bei der Veranstaltung der SPD zeigten aber auch Grüne, Linke und Piraten Flagge. Am Tag danach, bei der letzten Bezirksverordnetenversammlung vor der Wahl, stand das Thema dann gleich dreimal auf der Tagesordnung.

Dabei war offenbar keinem Redner bekannt, dass die Deutsche Wohnen das Areal schon Ende August an die Project Immobilien verkauft hat. Beide Seiten bestätigen dies auf Anfrage.

Die Project Immobilien macht kein Geheimnis aus ihren Plänen für das 13.600 Quadratmeter große Gelände. Sie will hier 94 „gehobene Eigentumswohnungen“ und 44 Tiefgaragenplätze bauen. Es soll acht Wohnhäuser mit drei Vollgeschossen und einem Staffelgeschoss geben. Ein Viertel der Wohnung soll im geförderten Wohnungsbau entstehen – gemäß den gesetzlichen Vorgaben.

Von fünf Gebäuden sollen drei erhalten werden, heißt es weiter. Man werde sie in Abstimmung mit dem Denkmalschutz renovieren. Die jetzigen Mietwohnungen sollen „erheblich aufgewertet“ werden. Der frühere Eiskeller könne ein Spielplatz werden, der alte Baumbestand solle möglichst erhalten bleiben. Insgesamt rechne man mit drei bis vier Jahren, bis alles realisiert sei.

Bisher sind das aber nur Pläne. Was daraus wird, hängt auch vom Bezirk ab. Denn der muss zunächst den Bebauungsplan ändern und das Gebiet als Wohngebiet ausweisen. Bisher habe man dem Investor keinerlei Zusagen gemacht, betonte Baustadtrat Martin Lambert (CDU) in der BVV. Man habe bei Vorgesprächen nur mitgeteilt, dass der Bezirk sich prinzipiell an dieser Stelle Wohnungsneubau vorstellen könne. Denn: „Wir brauchen Wohnungen im Bezirk.“ Alles Weitere müsse im Zuge der Bebauungsplanänderung diskutiert werden. Erfahrungsgemäß dauert das Verfahren ein Jahr.

Einig war man sich in der BVV, dass dabei die jetzigen Mieter einbezogen werden sollen. Die denkmalgeschützten Teile des Areals müssten erhalten bleiben. Wo es Konflikte gibt, wurde ebenfalls sichtbar: Die SPD will, dass auf dem Gelände nur sozialer Wohnungsbau erlaubt wird. Teure Eigentumswohnungen würden schon genug gebaut. Die CDU stimmte dagegen. Nach der Wahl wird weiter diskutiert.