Ein Leben hinter Gittern macht offenbar erfinderisch. Da werden Drogen in Pralinenschachteln ins Gefängnis geschmuggelt oder die Absätze von Schuhen abmontiert, um darin Handys in den Strafvollzug zu schaffen. Im Männergefängnis in Moabit mit derzeit 877 Insassen ist das nicht anders. Allein in den vergangenen fünf Jahren wurden knapp 700 Handys gefunden, die dort verboten sind. Das geht aus der Antwort auf eine parlamentarische Antwort hervor. Allein in den ersten sechs Monaten dieses Jahres waren es 104 Telefone.

Im selben Zeitraum, also von Anfang 2010 bis Juni dieses Jahres, fanden die Justizvollzugsbediensteten zudem 267 Mal Drogen. In 67 Fällen wurden demnach Besucher beim Drogenschmuggel erwischt.

„Ich bin davon überzeugt, dass es sich nur um die Spitze des Eisbergs handelt“, sagt der Verfasser der parlamentarischen Anfrage, der SPD-Abgeordnete Tom Schreiber. Er ist davon überzeugt, dass die Mitarbeiter in dem Gefängnis ihr bestes geben. Doch offenbar sei mehr Personal und auch bessere Technik notwendig, um das Problem in den Griff zu bekommen. „Wenn Straftäter aus ihrem Haftraum heraus telefonieren und so vielleicht Zeugen eines Prozesses beeinflussen, so ist das brandgefährlich für den Rechtsstaat“, erklärt Schreiber. Eine Justizvollzugsanstalt (JVA) sei nun mal kein Hostel, dort müssten klare Linien gezogen und der Besitz von Drogen oder Handys hart bestraft werden. Schreiber plädiert auch dafür, den Kontrolldruck in den Gefängnissen zu erhöhen.

In der Justizverwaltung sieht man das Problem durchaus. „Wir haben aber nicht den Eindruck, dass es in den Gefängnissen Jahr für Jahr mehr Drogen oder Handys gibt“, sagt Claudia Engfeld, die Sprecherin der Senatsverwaltung für Justiz. Trotzdem sei aber jedes Handy, das gefunden werde, eines zu viel. Häufig sind es nach ihren Angaben Besucher, die heimlich Handys oder Drogen in die JVA brächten. „Wir können aber bei den Kontrollen auch nicht von jedem Gast verlangen, sich nackt auszuziehen.“

In Berlins neuer Justizvollzugsanstalt Heidering im brandenburgischen Großbeeren etwa sei allein durch die Lage ein „potenzieller Schmuggelpunkt“ ausgeschlossen: die Würfe von Handys oder Drogen über den Zaun. „Drumherum ist nichts, da fällt jeder auf, der am Zaun spazieren geht“, erläutert Claudia Engfeld. Zudem habe sich das Pilotprojekt des Handyblockers in der Jugendstrafanstalt in Charlottenburg, das im Herbst 2012 gestartet wurde, bewährt. Damit kann in der dortigen Anstalt nicht mehr mit einem Handy – egal ob illegal oder legal – telefoniert werden.

Im nächsten Jahr soll der Handy-Blocker auch in Moabit eingeführt werden. Die Haushaltsmittel dafür seien bereits bewilligt, sagt Claudia Engfeld. Damit werde dann auch endlich dort Funkstille bis zu den Gefängnismauern herrschen.