Botschaften, die glücklich machen? Das Handy ist für viele ein ständiger Begleiter.
Foto:  Imago

MUTTER: Heute auf dem U-Bahnhof standen etwa 20 Leute. Alle hatten dieselbe Körperhaltung und starrten auf ihr Telefon. Im Bahnhof war es total still. Das war ein eigenartiges Gefühl.

TOCHTER: Wenn ich morgens mit dem Bus zur Schule fahre, sitzen auch immer alle mit ihren Handys da, schreiben oder hören Musik. Die ganze Kommunikation hat sich halt verändert.

Wie meinst du das?

Früher, wenn man verliebt war und jemanden näher kennen lernen wollte, musste man ihn anrufen oder mit ihm reden, wenn man sich gegenübersteht. Heute reicht es, wenn du Nummern austauschst und über WhatsApp schreibst oder über Insta. Und das kommt einem schon so richtig persönlich vor. Auch wenn das ja gar nicht echt ist.

Ich finde das seltsam. Du kannst doch, wenn du schreibst, gar nicht erfassen, meint der das ernst? Ist dieser Satz lustig gemeint oder ironisch?

Na ja, schon. Du musst halt Smileys benutzen, Lachsmileys, wenn es lustig gemeint ist. Aber klar, das Ganze ist sehr viel langsamer als sprechen. Du kannst wochenlang miteinander schreiben, bis man fragt, wollen wir uns mal treffen? Wenn du telefonierst, kommst du viel eher zum Punkt und sagst auch persönlichere Dinge. Es ist selbstverständlich für mich, dass ich mit den Leuten schreibe, auch wenn ich etwas Wichtiges von ihnen brauche, schreibe ich ihnen. Auch wenn es dringend ist. Die Hemmschwelle, jemanden anzurufen, ist viel größer. Ich telefoniere nur noch mit meinen Großeltern und mit meinen Eltern und wenn ein Notfall ist. Meine Freundin rufe ich nicht an, um mit ihr zu quatschen.

Auch wenn das Schreiben viel länger dauert?

Ja, das ist zwar eine Verschwendung von Zeit. Macht aber nichts, es ist ja entspannt, rumzuliegen und zu schreiben und auch lustig. Aber es geht schon viel Zeit verloren, die man effektiver nutzen könnte.

Ich schreibe auch, aber nur um etwas abzusprechen, zum Beispiel, wer was einkauft, aber wenn sich ein Gespräch entwickelt, rufe ich denjenigen dann doch an.

Ich halt nicht. Da ist eine Hemmschwelle, jemanden anzurufen, die hat man bei WhatsApp nicht. Und man kann Dinge so schreiben, dass der andere nicht merkt, was man wirklich denkt.

Aber das ist doch ein Kommunikationsdesaster.

Ich weiß nicht, ob ich das beunruhigend finde. Es verlangsamt vieles. Der andere kann ja auch drei Stunden später erst antworten, weil er erstmal überlegen will, was er schreibt. Dann wartet man. Es gibt aber keinen Zwang. Man kommuniziert neben seinem übrigen Leben.

Aber eine ernsthafte Unterhaltung kann man doch so nicht führen. Für Smalltalk vielleicht, da ist es ganz schön, aber das ist ja kein echtes Gespräch.

Stimmt, es ist ein Pseudogespräch. Manchmal schreibt man wochenlang mit jemandem, den man erst einmal gesehen hat und denkt, wow, wir sind uns voll nah, wir haben schon so krasse Sachen geschrieben, aber in Wirklichkeit kenne ich denjenigen gar nicht. Man hat eine Beziehung, die eigentlich gar nicht existiert. Für mich ist das alltäglich, solche Beziehungen mit hin- und herschreiben zu halten, anstatt denjenigen zu treffen. Das ist bei Erwachsenen halt nicht so. Ihr habt eher wenige Bekanntschaften und dafür vielleicht tiefere Beziehungen. Jugendliche haben extrem viele Leute, mit denen sie immer wieder schreiben, die aber nicht wirklich relevant sind für ihr Leben.

Dann wirst du sie einfach hinter dir lassen, wenn was Wichtigeres passiert, aber das ist dann ja auch nicht schlimm.

Ja, diese Art von Kommunikation macht es einfacher, Beziehungen zu beenden, weil es nicht wehtut. Es ist eine Art von Leichtlebigkeit.

Es ist oberflächlich. Aber man kann es auch einfach wieder lassen. Solange nicht alles so ist, finde ich es nicht schlimm.

Na ja, viele Jugendliche interpretieren schon extrem viel in diese Nachrichten rein. Man kann halt nicht kontrollieren, wie der andere es meint. Man kann sich so auch sehr voneinander entfernen.