Online zum Arzt? Durch das Coronavirus erlebt die Telemedizin einen Aufschwung.
Foto: dpa/Monika Skolimowska

BerlinWer vermutet, sich mit dem Coronavirus angesteckt zu haben, soll keine Praxis aufsuchen. Das raten gerade viele Ärzte ihren Patienten. Um die anderen Patienten und auch das medizinische Personal nicht mit einer Ansteckung zu gefährden, wird empfohlen erst einmal zum Telefonhörer zu greifen. Eine Praxis, die sich ohnehin auf Fernbehandlung via Videosprechstunde spezialisiert hat, ist Kry. Das schwedische Start-up ist seit Dezember 2019 mit einer Tochtergesellschaft in Berlin vertreten.

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Auch bei ihnen hat sich die Zunahme der Patientenanfragen zu Corona und Influenza in den vergangenen Wochen bemerkbar gemacht. Zwar gebe es für Deutschland allein noch keine verlässlichen Daten, teilt Kry mit, über alle Standorte hinweg habe es jedoch pro Woche einen Anstieg von 41 Prozent im Hinblick auf begleitende Symptome wie Erkältungsanzeichen, Husten und Fieber gegeben. Neben Schweden und Deutschland ist Kry in Norwegen, Frankreich und Großbritannien aktiv.

Ärztepool im zweistelligen Bereich

Telemedizinangebote erleben außerdem einen Aufschwung, seit die Regelungen für Ärzte und Versicherte gesetzlich gelockert wurden. Mediziner dürfen Videosprechstunden mittlerweile regulär abrechnen. Auch ist eine Erstbehandlung über Videotelefonie seit Oktober letzten Jahres erlaubt. Natürlich könne nicht jede Erkrankung über Videotelefonie behandelt werden, aber „Ärzte können durchaus auch über Videoverbindung in den Rachen gucken, das geht am Telefon nicht“, sagt Daniel Schneider, Geschäftsführer von Kry in Deutschland.

Kry beschäftigt Mediziner, die seit mindestens fünf Jahren im Beruf tätig sind und nebenbei noch Patientenkontakt in einer eigenen Praxis oder im Anstellungsverhältnis haben. Ein Ärztepool im zweistelligen Bereich sei derzeit für das Unternehmen in Deutschland tätig.

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Dennoch gibt es noch Hürden, vor denen auch Kry steht. Beispielsweise haben Online-Ärzte in Deutschland noch keine Kassenzulassung. Heißt, wer die digitale Praxis nutzt, muss entweder privat versichert sein oder die Kosten selber tragen. „Wir befinden uns im Zertifizierungsprozess und gehen davon aus, dass wir bis Ende des zweiten Quartals erstattungsfähig für alle Versicherten sein können“, so Schneider. Mitte des Jahres solle es so weit sein. Wer heute über die Kry-App eine Video-Sprechstunde als gesetzlich Versicherter erhält, bekommt anschließend eine Rechnung zugeschickt. Unter der Woche zahlt der Patient um die 30 Euro, bei einer Krankschreibung fallen zusätzlich 5,36 Euro an. Die Wochenend- und Feierabendpreise liegen etwas höher. Ob tatsächlich zur Jahresmitte die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten übernehmen, steht aber noch in den Sternen.