Berlin - Drei Jahre nach dem Ende des Flugbetriebs in Tempelhof nehmen die Pläne für eine Nachnutzung des denkmalgeschützten Gebäudes langsam Formen an. Im kommenden Jahr soll mit Reparaturarbeiten am Dach die Sanierung des Gebäudes aus den 30er Jahren beginnen, sagte am Montag der Geschäftsführer der Tempelhof Projekt GmbH, Gerhard W. Steindorf. Die landeseigene Gesellschaft ist damit beauftragt, den ehemaligen Flughafen zu einem neuen Stadtquartier zu entwickeln.

Das Dach soll jedoch nicht nur saniert werden. Geplant wird überdies, dass im Bereich neben dem Radarturm der Bundeswehr auf etwa 1.000 bis 1.200 Quadratmetern eine große Dachterrasse mit einem Restaurant und Café entsteht – oberhalb des Hangars 1 und über Teilen des Hangars 2. Dort sollen künftig mehrere hundert Besucher Platz finden. Ein weiteres Dachrestaurant ist oberhalb der Haupthalle mit Blick in Richtung des ehemaligen Rollfeldes geplant. Außerdem soll auf dem Dach ein etwa 750 Meter langer Verbindungsweg entstehen, der vom Hangar 1 bis zum Hangar vier in der Mitte des Airports führt. Inwieweit sich die Dachpläne verwirklichen lassen, ist aber noch offen. Derzeit werde erst geprüft, ob die Pläne machbar sind, sagte Steindorf. „In einem halben Jahr wissen wir mehr.“ Spätestens bis zur Internationalen Gartenbauausstellung (IGA) im Jahr 2017 soll die Dachterrasse samt Restaurant fertig sein, falls der Bau möglich ist. Die Besucher werden dann über das Rollfeld bis zu IGA-Fläche und auf den geplanten Park blicken können.

Sanierungsbedürftige Technik aus den 30er Jahren

Tragfähig müssten die Dachflächen sein. Die Nazis hatten bei der Planung des Airports eine Tribüne für bis zu 85.000 Besucher auf den Dächern des Airports vorgesehen. Die Menschen sollten von dort aus Luftvorführungen über dem Flughafen verfolgen können. Die Tribünen und die Treppenhäuser wurden nie zu Ende gebaut. Sie müssten für eine künftige Nutzung zumindest im Bereich der Dachterrassen fertiggestellt werden.

Insgesamt müssen in Tempelhof verteilt über 15 Jahre mehr als 100 Millionen Euro investiert werden, um das Gebäude in Schuss zu bringen, sagte Gerhard W. Steindorf am Montag. Die Technik, die teilweise aus den 30er Jahren stammt, ist erneuerungsbedürftig, die Bausubstanz ebenfalls. Für das kommende Jahr sind Ausgaben in Höhe von elf Millionen Euro geplant. Zirka vier Millionen Euro davon fließen in die Sanierung von 20.000 Quadratmetern Dachfläche, der Rest wird in den Ausbau von Büro- und Gewerbeflächen investiert.

Alliierten-Museum könnte in Hangar umziehen

So soll das ehemalige Alliierten-Hotel am Platz der Luftbrücke und ein angrenzender Gebäuderiegel für zirka fünf Millionen Euro saniert und an Firmen aus der Kreativwirtschaft vermietet werden, berichtete Christoph Schuster, Leiter des Gebäudemanagements der Tempelhof Projekt GmbH. Bei der Sanierung soll eine Gebäudewand herausgerissen werden, damit mehr Licht in die Räume gelangt. Anzumieten seien Flächen von 50 bis 200 Quadratmeter. Die Kaltmieten sollen zwischen fünf und 12 Euro je Quadratmeter liegen. Im zweiten Halbjahr 2012 sollen bereits die ersten Flächen angeboten werden.

Sollte das Alliierten-Museum von Dahlem nach Tempelhof umziehen, wie es dem Vernehmen nach gerne möchte, dann würde es in den Hangar 7 einziehen. Dieser steht für das Museum bereit, sagte Steindorf. Zwar hat die Modemesse Bread and Butter einen Zehn-Jahres-Vertrag für die Nutzung aller Hangars und der Haupthalle zweimal im Jahr, doch gibt es für den Hangar 7 ein Sonderkündigungsrecht. Dadurch wird die Nutzung durch das Museum möglich. Voraussetzung ist jedoch, dass der Bund grünes Licht dafür gibt. Er ist der Hauptgeldgeber des Alliierten-Museums, hat bisher aber noch keine Entscheidung über einen Umzug getroffen.

Die reinen Bewirtschaftungskosten in Tempelhof belaufen sich derzeit auf rund zehn Millionen Euro jährlich. In etwa so viel kommt auch durch die Vermietung wieder in die Kasse, sagte Steindorf.