Tempelhof-Schöneberg - Lehrer aus Tempelhof-Schöneberg machen in einem sogenannten Brandbrief auf zahlreiche Missstände an ihren Schulen aufmerksam und kritisieren dabei insbesondere die Umsetzung der Inklusion. „Das größte von Senatsseite in Kauf genommene strukturelle Problem an unseren Schulen ist die Umsetzung von Integration und Inklusion“, heißt es in dem Brief des Landeslehrerausschusses Tempelhof-Schöneberg, der der Berliner Zeitung vorliegt.

Inklusion bedeutet, dass eine Schule allen Kinder, ob mit oder ohne Behinderung, gerecht werden soll. Die Lehrer monieren, dass zu wenig Sonderpädagogen verfügbar seien. Und zwar gerade für verhaltensauffällige Schüler.

Zu wenig Personal, Räume unzureichend, Klassen sind zu groß

„Es ist nicht unüblich, dass ein Drittel der Kinder einer Grundschulklasse verhaltensauffällig ist“, schreiben die Lehrer aus Tempelhof-Schöneberg. Die Gründe dafür lägen im Wandel der Kindheit und in veränderten Familienstrukturen. „Es liegt aber sehr wohl in der Verantwortung des Senats, entsprechende Maßnahmen zu ergreifen, um die Beschulbarkeit einer ganzen Schülergeneration zu gewährleisten“, heißt es in dem Brief.

„Unter der unzureichenden personellen und räumlichen Ausstattung, die der Umsetzung der Inklusion nicht gerecht wird, leiden auch die leistungsstärkeren Schüler.“ Die Lehrer weisen auf ein besonderes Problem hin: Die Klassengröße. Sie bleibt trotz vieler Kinder mit Förderbedarf sehr hoch, weil die Schüler eingeschult werden, ohne dass ihr Förderstatus bereits festgestellt worden ist.

Fehlplanung in den vergangenen 20 Jahren

Im Bezirk gab es zuletzt mehrere Grundschulen, die wegen verhaltensauffälliger und mobbender Schüler in die Schlagzeilen gerieten. Es gibt dort aber auch einige Vorzeige-Schulen, die schon seit Jahrzehnten integrativ mit gehandicapten Kindern arbeiten. Diese Schulen seien Vorreiter in dem Bereich gewesen, würden inzwischen aber bestenfalls nur noch durchschnittlich funktionieren.

Darüber hinaus kritisieren die Lehrer auch die bauliche, personelle und technische Ausstattung ihrer Schulen. „Es gibt an vielen Schulen eine unzureichende Anzahl von Computern“, schreiben die Lehrer. Die Ursache für die personelle Unterbesetzung an den Schulen sei die verfehlte Personalplanung in den vergangenen 20 Jahren. „Die Wurzel des Problems ist die Verknappung der Ausbildungskapazitäten an den Berliner Universitäten“, heißt es. Schon damals sei die Pensionierungswelle absehbar gewesen.

Heute würden die Schulleitungen in Verwaltungsarbeit versinken, anstatt sich auf Kernaufgaben zu konzentrieren. Man müsste zudem Quer- und Seiteneinsteiger anleiten. Der Ausschuss fordert deshalb eine nachhaltige Personalpolitik, kleinere Klassen sowie eine bessere technische Ausstattung samt Unterstützungspersonal.