Berlin - Gerade erst wurden die Pläne für die Internationale Gartenschau (IGA) auf dem Tempelhofer Feld beerdigt. Nun drohen Kürzungen bei der Gestaltung des einstigen Flughafen-Areals mit Grün. Finanzsenator Ulrich Nußbaum (parteilos, für die SPD) will nach Informationen der Berliner Zeitung die veranschlagten 61,5 Millionen Euro für die Parklandschaft in Tempelhof zusammenstreichen.

Nußbaums Sprecher Jens Metzger bestätigte dies am Mittwoch indirekt. Er sagte auf Anfrage, der Senator habe viel Sympathie dafür, das Tempelhofer Feld so zu belassen wie es ist und nur Toiletten und die benötigten Regenwasserbecken zu errichten. Weniger Sympathie habe Nußbaum für die Anlage einer „künstlichen Parklandschaft“. Wie viel Geld Nußbaum streichen will, sagte der Sprecher der Finanzverwaltung nicht.

Wasserbecken bleiben

Der Geschäftsführer der Grün Berlin GmbH, Christoph Schmidt, hält mögliche Kürzungen für „fatal“. Schon jetzt seien pro Quadratmeter Parklandschaft in Tempelhof nur Ausgaben von 25 Euro geplant. „Das ist verdammt wenig“, sagte Schmidt am Mittwoch. „Da ranzugehen ist höchstgefährlich.“

Das Geld werde benötigt, um neben den Grünflächen auch Wege und Promenaden zu bauen. Zum Vergleich: Für den Park am Gleisdreieck wurden pro Quadratmeter 50 Euro ausgegeben. Und diese Parkanlage ist schon eher spartanisch.

Die Parklandschaft in Tempelhof soll nach dem preisgekrönten Entwurf der britischen Landschaftsplaner gross.max gestaltet werden. Ihr Entwurf sieht eine große Wiese, einige Wasserbecken und einen großen Kletterfelsen vor. Stadtentwicklungssenator Michael Müller (SPD) sagte am Mittwoch vor dem parlamentarischen Stadtentwicklungsausschuss, es müsse eine „Priorisierung“ bei den einzelnen Vorhaben in Tempelhof geben. Die Wasserbecken seien wichtig, ebenso der geplante Radweg. Gebraucht würden ferner Toiletten und Bänke. Über den Kletterfelsen könne man hingegen reden, sagte Müller.

Die Wasserbecken sind wichtig, weil durch sie rund eine halbe Million Euro jährlich an Gebühren für die Ableitung von Regenwasser an die Wasserbetriebe eingespart werden können. Das Regenwasser soll künftig in den Becken gesammelt werden. Im Sommer sollen sich die Besucher des Parks am Rande der Wasserflächen entspannen, im Winter können sie auf den vereisten Flächen Schlittschuhlaufen.

Für die IGA in Tempelhof waren insgesamt Ausgaben in Höhe von 50 Millionen Euro angesetzt. Davon sollten 14 Millionen Euro direkt in die Grüngestaltung fließen. Diese Investitionsmittel sind für Tempelhof mit der geplanten Verlegung der IGA in die Gärten der Welt nach Marzahn weitgehend verloren. Abzüglich der Einnahmen aus Eintrittsgeldern und der Verpachtung von Flächen sollten aus dem Landeshaushalt für die IGA in Tempelhof 13,5 Millionen Euro fließen.

Für die IGA in Marzahn sollen nicht mehr 50 Millionen Euro, sondern nur noch 44 bis 45 Millionen Euro ausgegeben werden, sagte Staatssekretär Christian Gaebler aus der Stadtentwicklungsbehörde am Mittwoch. Der Zuschuss aus dem Landeshaushalt soll auf rund zehn Millionen Euro verringert werden. Stadtentwicklungssenator Müller verteidigte seine Entscheidung für Marzahn. Die Gärten der Welt seien ein „hervorragender Standort“.