Sie stehen mit ihren Klemmbrettern und Kugelschreibern an den Eingängen zum Tempelhofer Feld und vor den Kinos, in den Straßen und am Alexanderplatz, eigentlich überall dort, wo viele Menschen unterwegs sind: Die Unterschriften-Sammler der Initiative "100 Prozent Tempelhofer Feld". Sie setzen sich dafür ein, dass der ehemalige Flughafen Tempelhofer Feld so erhalten bleibt, wie er jetzt ist - komplett unbebaut. Die Gegner sind der Meinung, dass es in Berlin ausreichend freie Flächen für den Bau neuer Wohnungen gebe und dass die Erschließung des Tempelhofer Feldes zu teuer sei.

Viele befürworten Bebauung

Am 14. Januar 2014 müssen rund 173 000 gültige Unterschriften vorliegen, dann ist das Volksbegehren erfolgreich, und es kann zu einem Volksentscheid kommen – wenn das Abgeordnetenhaus dem Volksbegehren der Bürgerinitiative nicht nachkommen sollte. Der letzte Termin, um seine Stimme für das Volksbegehren und damit gegen die Bebauung des Feldes abgeben zu können, ist der 13. Januar 2014.

Am Mittwochabend veröffentlichte die Initiative auf ihrer Homepage und Facebookseite "100 Prozent Tempelhofer Feld" den aktuellen Stand. Bisher sind 120 700 Unterschriften zusammengekommen, es fehlen also noch etwa 52 300 Unterzeichner für einen Erfolg des Volksbegehrens.

„Es sind noch tausende Listen in Berlin unterwegs, wir sind zuversichtlich! “, kommentieren die Verantwortlichen auf ihrer Facebookseite. „Wenn alle, die unterschreiben, auch nur noch eine einzige Unterschrift bringen, schaffen wir das locker.“ Die Bürgerinitiative hatte sich im Jahr 2011 gegründet und sich das Ziel gesetzt, das Tempelhofer Feld als kulturhistorisches Denkmal zu schützen.

Im September 2013 startete die Unterschriftenaktion. Mitte Dezember, also vor knapp drei Wochen, hatten die Initiatoren gerade mal 90 000 Unterschriften zusammen. Seitdem wurden noch einmal alle Kräfte mobilisiert und die Berliner zum Beispiel auf Weihnachtsmärkten, vor dem Olympiastadion und an Unis angesprochen.

Umdenken bei den Berlinern spürbar

Inzwischen scheint jedoch ein Umdenken bei den Berlinern stattgefunden zu haben. Zuletzt sprachen sich 59 Prozent der Hauptstädter für eine Randbebauung des Feldes aus. Die Mehrheit möchte, dass neue Wohnungen entstehen, wie die repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa im Auftrag der Berliner Zeitung Ende November herausfand. Nur 38 Prozent der 1001 befragten Berliner stimmten dagegen. Ein halbes Jahr zuvor wollten 57 Prozent der Berliner das Tempelhofer Feld noch so belassen wie es jetzt ist.

Das aktuelle Stimmungsbild wird dem Berliner Senat gefallen. Denn dieser plant, auf dem Tempelhofer Feld rund 4 700 Wohnungen zu errichten, dazu kommen Gewerbeflächen und ein Wasserspeicher. Rund 7 000 Arbeitsplätze sollen geschaffen werden. In einem ersten Bauabschnitt sollen am Tempelhofer Damm 1 700 Wohnungen entstehen, die Hälfte davon mit einer Kaltmiete von 6 bis 8 Euro pro Quadratmeter monatlich.

Auch die Zentral- und Landesbibliothek (ZLB) wird in einem neuen Stadtquartier am südöstlichen Rand gebaut. 230 Hektar des gesamten Geländes will der Senat jedoch weiterhin unbebaut lassen – eine Fläche, größer als der Große Tiergarten in Mitte.

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