Der Flughafen Tempelhof soll künftig sehr viel stärker kulturell genutzt werden. Im Gespräch ist nach Informationen der Berliner Zeitung, dass sowohl die Neue Nationalgalerie, deren Haupthaus im Kulturforum bis 2019 saniert wird, als auch die Volksbühne vom Rosa-Luxemburg-Platz den stillgelegten Airport bespielen. Außerdem soll das Gebäude für Touristen interessanter werden.

Welche Flächen von der Volksbühne genutzt werden können, „ist derzeit in der Prüfung“, sagte Holger Lippmann, Geschäftsführer der Tempelhof Projekt GmbH, die den Airport managt. Der künftige Intendant der Volksbühne Chris Dercon habe sich bereits bei der Vorstellung seines Konzepts für die Nutzung des Flughafens Tempelhof ausgesprochen. Natürlich sei Tempelhof aber auch für die Bildende Kunst „ein sehr reizvoller Ort“, sagte Lippmann. Erste Gespräche mit den Verantwortlichen der Nationalgalerie, wie man Werke der Neuen Nationalgalerie während der Sanierung des Haupthauses der Öffentlichkeit zugänglich machen könne, hat es bereits gegeben.

Die neuen Überlegungen sollen in ein geändertes Konzept für den Flughafen Tempelhof einfließen. „Bis Ende des Jahres sollen für den Standort im Rahmen eines Profilbildungsprozesses die Schwerpunkte für eine zukünftige Nutzung erarbeitet werden“, sagte die Sprecherin der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Petra Rohland, der Berliner Zeitung.

Geld für neue Schilder

„Dabei sollen mehr als bisher kulturelle Nutzungen im Vordergrund stehen“, bestätigte sie. Darüber hinaus ist geplant, historisch und touristisch interessante Bereiche zugänglich zu machen.
Als Startschuss für eine stärkere touristische Nutzung übergab Wirtschafts-Staatssekretär Henner Bunde (CDU) am Freitag einen Bewilligungsbescheid über 882 000 Euro an die Tempelhof Projekt GmbH. Mit dem Geld soll bis Ende 2016 ein Wegeleitsystem mit 177 Schildern eingerichtet werden – damit sich die Besucher besser zurecht finden. Insgesamt stehen bis zu 20 Millionen Euro bereit, um den Airport Touristen-tauglich zu machen. Bis 2020 soll auf dem mehr als einen Kilometer langen Dach eine begehbare Geschichtsgalerie eingerichtet werden. Im ehemaligen Offiziershotel der US-Army am Platz der Luftbrücke ist ein Besucherzentrum geplant.

Das Problem in Tempelhof: Eine dauerhafte Nutzung der sieben Hangars, des überdachten Vorfeldes und der Haupthalle des Airports ist zurzeit nicht möglich, weil die Modemesse Bread & Butter die Flächen seit 2009 für jeweils zwei Veranstaltungen im Jahr gemietet hat. Hangars und Haupthalle können nur in der Zeit zwischen den Messen anderweitig genutzt werden. Deswegen hat sich über die Jahre eine reine Veranstaltungsnutzung herausgebildet. Der Vertrag mit der Modemesse läuft bis 2019 und kann sogar noch um zehn Jahre verlängert werden. Lediglich für den Hangar 7 hat das Land Berlin ein Sonderkündigungsrecht: Dort soll das Alliiertenmuseum aus Dahlem einziehen. Ein Datum für den Umzug gibt es aber noch nicht.

Nun bietet sich allerdings die Chance, dass Berlin über neue Nutzungen verhandelt. Denn der Online-Versandhändler Zalando will die insolvente Modemesse Bread & Butter übernehmen. Die Sprecherin der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung bestätigte, dass es Kontakte zu Zalando gibt.

Zalando ist gesprächsbereit

Zwar werde die Modemesse in Tempelhof nicht in Frage gestellt, doch solle das Konzept „besser auf das neue Profil des Standortes zugeschnitten sein“, sagte Petra Rohland. Denkbar wäre unter anderem, dass die Messe zu veränderten Zeiten stattfinde. Auch die Öffnung der Messe für ein breites Publikum komme in Betracht.

Zalando-Sprecherin Anja-Maria Kattner gibt sich offen: „Wir sind derzeit mit verschiedenen Ansprechpartnern in Gesprächen, um ein tragfähiges Konzept zu entwickeln“, sagte sie. „Es gibt viele Ideen und wir sehen das Potenzial, ein für den Standort Berlin passendes Konzept auf die Beine zu stellen.“ Dieses neue Konzept werde Zalando allerdings erst im Herbst öffentlich bekannt machen.