Berlin - Gegen Proteste hat die ehemalige rot-schwarze Regierung vor mehr als einem Jahr das Tempelhofer-Feld-Gesetz geändert. Danach dürfen Flüchtlingsunterkünfte zeitlich befristet am Rand des ehemaligen Flugfeldes entstehen. Jetzt wird die erste Containerstadt gebaut. Das Problem: Sie soll länger stehen als versprochen, doch ist die Nutzung dennoch so kurz, dass die kalkulierten Kosten von 16,2 Millionen unverhältnismäßig hoch sind. Schon gibt es Kritik.

„Es macht aus meiner Sicht mehr Sinn, die Wohn-Container an einem anderen Standort zu errichten“, sagt Tilmann Heuser, Landesgeschäftsführer des Bundes für Umwelt und Naturschutz in Deutschland (BUND). „Auf dem Tempelhofer Feld sind sie zu sehr isoliert vom städtischen Leben.“ Flüchtlingsunterkünfte sollten dort nur im Notfall entstehen, so Heuser.

Stadt in der Stadt

In Tempelhof ist Berlins bisher größte Containerunterkunft geplant. Im Behördendeutsch heißen die Container Tempohomes. In der Nähe des Columbiadamms sollen 976 Container für bis zu 1120 Menschen entstehen. Bis zum Juli soll die Stadt in der Stadt fertig sein. Von den 16,2 Millionen Euro Kosten entfallen nach Angaben der Berliner Immobilienmanagement GmbH (BIM) 7,2 Millionen Euro auf die Anschaffung der Container. Weitere rund neun Millionen Euro werden unter anderem für die Ausstattung der Container, für die Erschließung des Standortes sowie für die Gestaltung der Außenanlagen einkalkuliert. Welche Ausgaben tatsächlich anfallen, lässt sich laut BIM derzeit noch nicht sagen. Das hänge von den Ergebnissen der Auftragsausschreibung ab, erklärte die BIM auf Anfrage dieser Zeitung. Zum Vergleich: Für 16,2 Millionen Euro könnten bei Baukosten von 3000 Euro je Quadratmeter 100 Zweizimmerwohnungen mit 54 Quadratmetern errichtet werden.

Klar ist: Die teuren Container werden auf dem Tempelhofer Feld nur sehr kurz genutzt. Grund dafür ist das geänderte Tempelhof-Gesetz. Darin steht, dass die Errichtung der Container „auf längstens drei Jahre zu befristen“ ist. In dieser Zeit müssen die Container allerdings auch noch auf- und wieder abgebaut werden. Pikant: Die Fläche für das Containerdorf soll nach jüngsten Planungen nicht nur bis Ende 2019, sondern bis Anfang 2020 genutzt werden. Das steht im Widerspruch zu Äußerungen des Senats aus dem Jahr 2015. Der damalige Stadtentwicklungssenator Andreas Geisel (SPD) hatte am 26. November 2015 für die Landesregierung in der Abgeordnetenhaussitzung zur Begründung der geplanten Gesetzesänderung noch erklärt: „Es geht um die befristete Unterbringung von Menschen, längstens bis zum 31. Dezember 2019.“ Im geänderten Gesetz wurde dann zwar festgeschrieben, dass „bis zum 31. Dezember 2019“ mobile Unterkünfte zur Unterbringung von Flüchtlingen und Asylbegehrenden geschaffen werden dürfen.“ Doch wurde in dem Gesetz mit dem Zusatz, dass die Errichtung „auf längstens drei Jahre zu befristen“ sei, eine Hintertür für eine Nutzung über 2019 hinaus geschaffen.

Adäquaten Wohnraum gefordert

Die BIM beruft sich denn auch nun darauf, dass die Bauvorbereitung für die Container am 13. Februar 2017 begonnen hat. Wenn dies als Start der Errichtung auszulegen sei, „enden die drei Jahre am 12.02.2020“, heißt es in einem Schreiben der BIM an diese Zeitung.

BUND-Landesgeschäftsführer Tilmann Heuser wirbt für eine nachhaltigere Lösung. Die Entscheidung, die Tempohomes in Tempelhof zu errichten, sei vor einem Jahr in einer ganz anderen Situation gefallen. „Damals war unklar, wie viele Menschen in Berlin Zuflucht suchen. Heute wissen wir, dass sich die Situation mehr und mehr entspannt“, argumentiert Heuser. „Statt 16,2 Millionen Euro für eine dreijährige Nutzung von Wohn-Containern auszugeben, sollte das Geld aber ganz sicher besser in die Schaffung adäquaten Wohnraums investiert werden.“