Die Planungen zum Tempelhofer Feld sind offenbar schon weiter, als bisher bekannt war. Unabhängig vom Ausgang des Volksentscheids zum Tempelhofer Feld am Sonntag hat das Land Berlin bereits Architekten mit der Erarbeitung städtebaulicher Konzepte beauftragt. Sechs Architekturbüros sollten für das geplante Wohngebiet am Tempelhofer Damm mit 1700 Wohnungen Gestaltungsvorschläge erarbeiten, bestätige am Donnerstag die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung.

Noch vor dem Volksentscheid sei ein kleiner Kreis von Architekten um Vorschläge für das erste neue Stadtquartier gebeten worden, so die Sprecherin der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Daniela Augenstein. Es sei dabei um eine „Konkretisierung des Masterplans“ gegangen. Die sechs Büros sollten im Rahmen eines „kooperativen Gutachterverfahrens“ Vorschläge machen.

Kritik an „Planungskultur“

Der Masterplan der Stadtentwicklungsbehörde sieht vor, dass am Rande des Tempelhofer Feldes in drei Stadtquartieren insgesamt 4700 Wohnungen sowie Gewerbeflächen für bis zu 8000 Arbeitsplätze und ein Neubau für die Zentral- und Landesbibliothek (ZLB) entstehen. Im ersten neuen Stadtquartier am Tempelhofer Damm sind 1700 Wohnungen und die ZLB geplant.

Die Berliner Architektenkammer kritisierte das Vorgehen der Senatsverwaltung scharf. Die Präsidentin der Kammer, Christine Edmaier, sagte zur Berliner Zeitung: „Wir sind über die Planungen zum Tempelhofer Feld ernsthaft verärgert.“ Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung habe für die Baufelder nur einen Workshop „mit einem kleinen Kreis handverlesener Architekturbüros“ durchgeführt. Der angekündigte städtebauliche Wettbewerb sei wegen angeblichen Zeitdrucks abgesagt worden. „Das ist für uns nicht akzeptabel.“

„Es geht nicht, eine so wichtige Planung wie auf dem Tempelhofer Feld hinter verschlossenen Türen durchzuführen. Wir fordern transparente Planungsprozesse, an denen sich interessierte Büros beteiligen können“, sagte Edmaier. Das bisherige Verfahren entspreche nicht den Anforderungen an eine zeitgemäße Planungskultur“, sagte die Präsidentin der Kammer. „Egal, wie die Abstimmung am Sonntag ausgeht – aus unserer Sicht sollte eine neue Planung für das gesamte Gelände beginnen.“

Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung verteidigte ihr Vorgehen. „Dass wir weitere Schritte machen, ist doch klar“, sagte Behördensprecherin Augenstein. Die Entwürfe der sechs Büros lägen vor und würden intern geprüft. Jetzt warte die Behörde den Volksentscheid am 25. Mai ab, danach solle über die Entwürfe diskutiert werden. Dass es keinen städtebaulichen Wettbewerb gegeben habe, wird in der Stadtentwicklungsbehörde damit begründet, dass für das erste Quartier zwischenzeitlich bereits die Bauherren festgelegt wurden. In einer Absichtserklärung (offiziell: Letter of Intent) vom September 2013 verpflichteten sich die landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften Degewo und Stadt und Land, dass sie die ersten 1700 Wohnungen mit der Baugenossenschaft Ideal errichten wollen.

Wettbewerbe angekündigt

Danach habe man gesehen, dass die Planungen besser in Absprache zwischen den Architekturbüros und den Wohnungsunternehmen vorangetrieben werden, heißt es. In dem Verfahren sollte unter anderem geklärt werden, wie die Wohnungen aus Gründen des Lärms vom Tempelhofer Damm angeordnet werden müssen. Für die Gestaltung der Häuser soll es später aber Realisierungswettbewerbe geben, heißt es.

Unterstützung bekam die Stadtentwicklungsbehörde von der CDU. Fraktionsvize Stefan Evers bezeichnete die Beauftragung der Architekten als „städtebauliches Handwerk“. Dies sei nötig, um in mehreren Varianten denken zu können. Er habe jedoch darum gebeten, dass die Diskussion über die Entwürfe „breit und öffentlich“ geführt werde, sagte Evers.