Der geplante Neubau für die Zentral- und Landesbibliothek (ZLB) auf dem Tempelhofer Feld soll nicht irgendein Haus, sondern ein möglichst außergewöhnliches Gebäude werden. Dafür hat sich Bausenator Michael Müller (SPD) am Freitag ausgesprochen. „Ich finde, an einen spektakulären Ort gehört ein spektakulärer Bau“, sagte Müller und ergriff damit Partei für den Entwurf der Stuttgarter Architekten Regina Kohlmayer und Jens Oberst.

Sie waren mit einem futuristischen Entwurf vor gut drei Wochen beim Architektenwettbewerb für die ZLB zum Sieger gekürt worden, mussten sich den Platz aber mit den Züricher Architekten Sarah Miebach und Rico Oberholzer teilen, die ein gläsernes Gebäude entwarfen.

Welcher der beiden erstplatzierten Entwürfe am Ende realisiert wird, soll nach einer Überarbeitung entschieden werden. Mit Müllers Festlegung ist nun eine wichtige Vorentscheidung zu Gunsten des futuristischen Entwurfs der Stuttgarter Architekten gefallen.

Ihr Gebäude soll etwa 250 bis 260 Meter lang werden und rund 30 Meter in die Höhe ragen. Merkmal des Entwurfs ist ein breites Betonband, das den Baukörper umgibt. Müller sagte, beide preisgekrönten Arbeiten seien herausragende Entwürfe. Er wolle jedoch nicht drum herum reden. Gerade das, was viele als Raumschiff bezeichneten, finde er wirklich spektakulär.

Das langgestreckte Gebäude scheine fast zu schweben und füge sich in die geplante Bebauung ein, weil es diese nicht überrage, erläuterte der Senator. Der andere Entwurf der Züricher Architekten sieht hingegen ein mit 50 Metern deutlich höheres Gebäude vor. Die Weite des Tempelhofer Feldes werde bei dem Entwurf der Stuttgarter Architekten sowohl im Äußeren als auch im Inneren aufgenommen, sagte Müller. Deswegen habe ihn dieser Entwurf überzeugt.

Die ZLB soll in einem neuen Stadtquartier auf der südwestlichen Seite des ehemaligen Flugfeldes am Tempelhofer Damm errichtet werden. Neben der Bibliothek sollen dort bis zu 1700 Wohnungen und Gewerbeflächen entstehen. Insgesamt sind am Rand des Tempelhofer Feldes in mehreren Quartieren 4700 Wohnungen und Gewerbeflächen für rund 7000 Arbeitsplätze vorgesehen. Eine 230 Hektar große Fläche in der Mitte des Areals soll frei bleiben.

Wenn man die letzten Umfragen zu Grunde lege, scheine es eine Mehrheit für die geplante Bebauung des Tempelhofer Feldes zu geben, sagte Müller. Doch nicht alle sind dafür. Eine Bürgerinitiative sammelt derzeit Unterschriften für ein Volksbegehren und einen Volksentscheid, um die geplante Bebauung zu verhindern. Damit ein Volksentscheid ermöglicht wird, müssen bis zum kommenden Montag rund 174 000 gültige Unterschriften eingereicht werden.

Am Freitag vermeldete die Initiative auf ihrer Internetseite, dass mit Stand vom Donnerstag 150.000 Unterschriften gesammelt worden seien. Unterstützer riefen für diesen Sonnabend zu einer Abschlussveranstaltung um 15 Uhr auf dem Tempelhofer Feld auf.

Fast genauso umstritten wie die Zukunft des Tempelhofer Feldes war zuletzt die Gestaltung der historischen Mitte Berlins. Während in Kreisen der SPD und in der CDU-Fraktion mit einer Bebauung des Rathausforums zwischen Bahnhof Alexanderplatz und Marx-Engels-Forum sympathisiert wird, die sich an der historischen Gestaltung orientiert, steht man in der Senatsverwaltung für Stadtverwaltung solchen Ideen kritisch gegenüber.

In einem städtebaulichen Wettbewerb soll ab 2015 geklärt werden, wie das Areal aussehen soll. Kurz zuvor wird jedoch ab diesem Jahr die Fläche um die Marienkirche für rund 4,3 Millionen Euro umgestaltet, kündigte Senator Müller an. Dabei wird unter anderem die Zugänglichkeit zur Kirche verbessert und die ehemalige Bebauung am Boden sichtbar gemacht.

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