Forderungen nach dem Tempolimit 30 in der Innenstadt wurden bisher noch nicht durchgesetzt.
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BerlinIn diesen Tagen musste ich öfter an den schrecklichen Unfall denken, der sich Anfang September in der Invalidenstraße ereignete. SUV müssten abgeschafft werden, hieß es damals, diese rollenden Panzer seien potenzielle Mordwerkzeuge. In der Innenstadt sollte die Geschwindigkeit auf Tempo 30 limitiert werden, wurde gefordert.

Schnelle Rufe nach Konsequenzen sind eine logische Reaktion, um nach einem Unfall mit vier Todesopfern nicht untätig zu bleiben. Der Alltag verdeutlicht derweil, dass es auch andere Gefahrenstellen gibt.
Auf der Danziger Straße in Richtung Friedrichshain sind die Fahrstreifen vor einigen Monaten geändert worden, die dritte Spur rechts endet nun kurz hinter der Landsberger Allee zugunsten eines breiteren Radwegs.

Seitdem spielen sich wahre Rennszenen ab, wenn Autofahrer mit durchgedrücktem Gaspedal von der Ampel starten, um bis zum beginnenden Radweg noch vor dem Auto auf der Nebenspur einscheren zu können. Mitten in diesem Chaos hält momentan auch noch ein Bus des Schienenersatzverkehrs, was vor ein paar Tagen dazu führte, dass eine Frau, die hinter dem Bus hervorlugte, nur haarscharf nicht von einem Raser erfasst wurde.

Autofahrer halten sich nicht an Tempolimits

Auch auf Mittelstreifen von Hauptstraßen kann es einem mulmig werden, wenn die Kolonnen direkt auf die dort wartenden Fußgänger zusteuern, ehe der Spurverlauf eine leichte Krümmung nimmt und von ihnen weg führt. Wie viel fehlt in solchen Momenten zur Katastrophe? Und wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass Autofahrer, die schon 50 nicht einhalten, plötzlich einen deutlich langsameren Höchstwert akzeptieren? In Nebenstraßen, die als Abkürzung genutzt werden, lassen sich jedenfalls nur wenige auf Tempo 30 ein.

Wer sich das durch den Kopf gehen lässt, kann sich nur wundern, dass es in unserem Straßenverkehr nicht viel mehr Tote gibt – egal, ob durch einen schweren SUV verursacht oder einen rostigen, alten Kleinwagen, gewerbliche Transporter oder neue Elektroautos.
Die Zahl der in Berlin zugelassenen Autos hat übrigens zuletzt von 2008 auf 2009 abgenommen, seitdem ist sie kontinuierlich gestiegen, 2018 knackte sie zum ersten Mal die Marke von 1,2 Millionen Fahrzeugen. Eine Masse, deren Nutzung wohl auch nicht besser kontrolliert werden könnte, wenn sie langsamer durch die Stadt rollte.

Nichtsdestotrotz gilt an der Invalidenstraße inzwischen Tempo 30.