Wer gern schneller als erlaubt oder bei Rot durch Berlin fährt, muss bald öfter als heute mit einem Bußgeldbescheid rechnen. Die Polizei will die Zahl ihrer Blitzer in den kommenden beiden Jahren deutlich aufstocken. „Im neuen Doppelhaushalt wurde uns Geld zur Verfügung gestellt, um die Zahl erhöhen zu können. Damit ist es möglich, pro Jahr zehn Anlagen zu kaufen“, teilte Andreas Tschisch, der im Stab von Polizeipräsident Klaus Kandt für den Bereich Verkehr zuständig ist, am Donnerstag mit.

Damit zeichnet sich ab, dass sich die Zahl der Anlagen zur Verkehrsüberwachung bis 2019 verdoppelt. Derzeit gibt es im Berliner Straßennetz 21 stationäre Blitzer. Fünf Anlagen stellen Verstöße gegen Tempolimits fest, vier Geräte blitzen Fahrzeuge, die bei Rot fahren. In zwölf Fällen handelt es sich um kombinierte Geräte, die beides können.

Wo und mit welchen Anlagen wird nun die Zahl der Blitzer in Berlin erhöht? „Wir werden Anfang des neuen Jahres mit den Planungen beginnen“, kündigte Tschisch an. Aller Voraussicht nach werden die neuen Geräte sowohl Tempo- als auch Rotlichtverstöße feststellen. Eine solche Anlage sei für 110.000 bis 120.000 Euro zu haben, hieß es.

Dicker Stahl und Panzerglas

Ob sie außer stationären Blitzern, die fest montiert werden, auch semistationäre Anlagen kauft, muss die Polizei noch entscheiden. Dabei handelt es sich um Blitzer, die auf einem Anhänger befestigt sind und flexibel eingesetzt werden können – „da, wo sie gerade gebraucht werden“, sagte Tschisch. Mobile Blitzer können mehrere Tage lang rund um die Uhr Verkehrsverstöße registrieren – automatisch, das spart Personal. Wenn sie öfter mal umgeparkt werden, lässt sich mit semistationären Blitzern die Gewöhnung verhindern, die sich bei stationären Blitzern einstellt. Viele Autofahrer passen ihr Verhalten an, wenn sie häufig fest montierte Blitzer passieren: Kurz vorher treten sie auf die Bremse, dann wird wieder gerast.

Auch wenn sie fahrbar sind: „Semistationäre Blitzer sind sehr robust“, sagte Tschisch. Dafür sorgen dicker Stahl und Panzerglas, Alarmanlagen geben bei Angriffen Laut.

„Die Geräte sollen dabei helfen, Unfälle zu verhindern. Absehbar ist, dass sie dort aufgestellt werden, wo sich Verkehrsunfälle häufen“, hieß es. „Wir wollen uns nicht dem Vorwurf der Wegelagerei aussetzen.“

Blitzer an Glasfaserleitungen anschließen

Klar ist aber auch, dass solche Geräte ihre Kosten bald einspielen. Im vergangenen Jahr haben die stationären Blitzer in Berlin insgesamt fast 185.000 Tempoverstöße erfasst, teilte die Innenverwaltung mit. Auf Platz 1: die Anlage im Britzer Autobahntunnel. Alle Bußgelder summierten sich auf 3,6 Millionen Euro. Ähnlich sah die Bilanz für die stationären Anlagen aus, die bei Rotlichtfahrern reagieren. Sie lösten 2016 rund 32.900 Mal aus – und bescherten der Bußgeldstelle Einnahmen in Höhe von fast 3,1 Millionen Euro.

Bevor im kommenden Jahr neue Blitzer aufgestellt werden, will die Berliner Polizei ihre bestehende Technik auf Vordermann bringen. So müssten zwei Anlagen noch digitalisiert werden, sagte Tschisch. Geplant sei auch, Blitzer an Glasfaserleitungen anzuschließen – damit sie ihre Daten automatisch übermitteln. Heute müssen bei einigen Anlagen regelmäßig Polizisten vorbeifahren, um Ergebnisse auszulesen.

Fünf Senioren sterben beim Radeln

Wer zu schnell fährt, gefährdet andere. Allerdings ist die Durchschnittsgeschwindigkeit in Berlin, wo der Verkehr oft dicht ist, geringer als in Flächenländern mit vielen leeren Landstraßen. Außerdem ist die Zahl der Tempounfälle rückläufig. Nicht angepasste Geschwindigkeit, wie die Polizei zu schnelles Fahren nennt, führte in Berlin von Anfang Januar bis Ende Oktober 2017 zu 2134 Unfällen.

Im selben Zeitraum des Vorjahres waren es 2338 Unfälle. Auch die Zahl der Rotlichtunfälle sank – von 1048 auf 1009. Am häufigsten kracht es auf Berlins Straßen, weil Fahrer beim Abbiegen Fehler machen oder Vorfahrtsregelungen ignorieren, sagte Tschisch.

„Das Verkehrsklima auf Berlins Straßen hat sich weiter verschlechtert“, stellte er fest. Häufiger als bisher werde aggressiv reagiert, Regeln werden seltener eingehalten. „Früher kam es so gut wie nie vor, dass bei Rot gefahren wurde“ – heute sei das mancherorts „fast normal“.

Fahrzeuge als tödliche Gefahr

Aktuelle Zahlen der Polizei zeigen, dass die Zahl der Unfälle in Berlin weiter angestiegen ist. Im Zeitraum von Anfang Januar bis Ende Oktober 2017 wurden 118.447 Verkehrsunfälle registriert – im selben Zeitraum des vergangenen Jahres waren es 116.034. Dagegen ist die Zahl der Verletzten leicht gesunken – von 14.774 auf 14.740. Die Zahl der Verkehrstoten in Berlin könnte 2017 wie berichtet einen historischen Tiefstand erreichen. Bislang starben in diesem Jahr 34 Menschen im Berliner Straßenverkehr, vergangenes Jahr waren es insgesamt 56.

Eines hat sich aber nicht geändert: Nichtmotorisierte tragen auch weiterhin das größte Risiko. „Bei ihnen haben Unfälle meist schwerere Folgen als bei Autofahrern“, sagte Tschisch. Bislang verunglückten in diesem Jahr 13 Fußgänger tödlich. Neun Radfahrer starben, fünf waren älter als 65. Erneut erwiesen sich abbiegende Fahrzeuge als tödliche Gefahr. Vier Radfahrer wurden von Rechtsabbiegern getötet, ein Radler starb durch einen Linksabbieger.