Ein Selbstmordattentäter hat sich am Dienstagmorgen im historischen Zentrum von Istanbul mitten in einer deutschen Reisegruppe in die Luft gesprengt und mehrere Menschen mit in den Tod gerissen. Insgesamt gab es nach türkischen Angaben neun getötete Opfer sowie den toten Attentäter und 15 Verletzte, darunter neun Deutsche. Einige Opfer befänden sich in kritischem Zustand.

Berliner und Brandenburger unter den Opfern

Unter den acht deutschen Opfern des Terroranschlags von Istanbul sind mehrere Touristen eines Berliner Reiseunternehmens. Nach Informationen der Berliner Zeitung ist darunter ein Urlauber aus Berlin. Eine Frau aus Berlin wurde schwer, ein weiterer Mann aus Berlin leicht verletzt. Nach Angaben der Potsdamer Landesregierung ist auch ein Ehepaar aus Brandenburg unter den Opfern. Zwei 71 und 73 Jahre alte Eheleute aus Falkensee bei Berlin seien umgekommen, sagte Regierungssprecher Andreas Beese am Dienstagabend der Deutschen Presse-Agentur. Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) zeigte sich zutiefst erschüttert von ihrem Tod. „Hier wurden Unschuldige Opfer sinnlosen Terrors“, sagte Woidke nach Angaben Beeses.

Zudem wurde bekannt, dass zu den Opfern auch zwei Männer und eine Frau aus Rheinland-Pfalz gehören. Dies teilten Ministerpräsidentin Malu Dreyer und Innenminister Roger Lewentz mit. Den Informationen der Sicherheitsbehörden zufolge sei zudem eine weitere Frau aus Rheinland-Pfalz verletzt worden.

„Die schrecklichen Ereignisse des heutigen Tages machen uns tief betroffen“, sagte der Geschäftsführer der Lebenslust Touristik GmbH Berlin, Marco Scherer, am Dienstagabend. Das Unternehmen ist nach eigenen Angaben auf Gruppenreisen für Menschen „in den besten Jahren“ spezialisiert. Zwei Vertreter der Geschäftsführung seien auf dem Weg nach Istanbul zu der Reisegruppe, hieß es. Auch Seelsorger sollten eingesetzt werden. Es gebe zwar einen Kontakt zum Reiseleiter am Ort, aber die Gruppe sei wegen der türkischen Nachrichtensperre abgeschirmt.

Hotline eingerichtet

Unklar blieb zunächst, woher genau die Opfer stammen. Zum Zeitpunkt des Anschlags seien 33 Menschen, davon acht aus Berlin, mit dem Berliner Reiseveranstalter in Istanbul unterwegs gewesen. Die Touristen hatten nach Angaben von Geschäftsführer Scherer eine Pauschalreise gebucht und wollten von Istanbul am Abend weiter nach Abu Dhabi und Dubai. Für Angehörige wurde eine Hotline mit der Nummer 030 880013039 eingerichtet. Kunden, die einen Türkeiaufenthalt mit Beginn bis zum 31. Januar 2016 gebucht haben, könnten die Reise kostenfrei stornieren oder umbuchen.

Augenzeugen berichten von Feuerball

Eine Reporterin von CNN Türk berichtete von schockierten Touristen, die nach der Explosion auf dem Pflaster gesessen hätten. Augenzeugen hätten gesagt, sie hätten einen Feuerball aufsteigen gesehen. Zu der Detonation sei es an dem ägyptischen Obelisken gekommen, der in der Nähe der Hagia Sophia, der Blauen Moschee und des Deutschen Brunnens steht. Die Explosion um 10.15 Uhr (Ortszeit/09.15 MEZ) war noch in einigen Kilometern Entfernung zu hören.

Wer war der Attentäter?

Der 1988 geborene Attentäter habe dem IS angehört, sagte der türkische Ministerpräsident Ahmet Davutoglu. Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan machte einen „Selbstmordattentäter syrischer Herkunft“ für die Tat verantwortlich. Die Nachrichtenagentur DHA berichtete dagegen, der Attentäter stamme aus Saudi-Arabien und sei kürzlich aus Syrien in die Türkei eingereist. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) verurteilte den Anschlag als „mörderischen Akt“. Das Auswärtige Amt in Berlin richtete einen Krisenstab ein. (BLZ/dpa)