Der Terrorverdacht beim Berliner Halbmarathon hat sich nicht bestätigt. Die am Sonntag festgenommenen Männer sind am Montag wieder freigelassen worden. Die Generalstaatsanwaltschaft verzichtete darauf, gegen die sechs mutmaßlichen Islamisten im Alter von 18 bis 21 Jahren Antrag auf Untersuchungshaft zu stellen. Die Beweise gegen die Männer reichten nicht aus.

„Bei den Durchsuchungen der Wohnungen wurden weder Waffen oder Sprengstoff noch andere Gegenstände gefunden, die den Tatverdacht untermauern könnten“, sagte ein Polizeisprecher der Berliner Zeitung. Es habe einen Anfangsverdacht wegen der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat gegeben. Trotz ihrer Freilassung werten Kriminaltechniker die beschlagnahmten Computer und Handys aus.

Abed El-Rahman W. (29), Walid S. (19), Sadik I. (18), Maher El-F. (19), Ahmet Y. (20) sowie ein weiterer Beschuldigter waren am Sonntag um die Mittagszeit von Polizisten festgenommen worden. In allen Fällen stürmten Spezialkräfte die Wohnungen der Verdächtigen. Vor allem Abed El-Rahman W. soll mit Anis Amri, dem Attentäter vom Breitscheidplatz, intensiven Umgang gehabt haben. Er und seine Bekannten besuchten regelmäßig die inzwischen geschlossene Fussilet-Moschee. Die Räume in Moabit, in der auch Amri ein und aus ging, waren ein bekannter Treffpunkt von Salafisten, der vom Verfassungsschutz beobachtet wurde. Nach dem Anschlag vom Breitscheidplatz wurde der Moscheeverein verboten.

"Im Zweifel geht es um die Sicherheit der Bürger"

Ein Polizeisprecher räumt ein, dass es „sehr vage Hinweise“ waren, die zu der Festnahme geführt hätten. Am Vorabend der Sportveranstaltung überprüfte die Polizei, ob es in der Szene der als islamistische Gefährder geführten Personen verdächtige Bewegungen gab. Mindestens Abed El-Rahman W. und Walid S. werden als Gefährder geführt. Sie und die anderen hatten sich am Vorabend des Halbmarathons auffällig für die Laufstrecke interessiert und waren diese zum Teil abgelaufen. Das genügte offenbar als Indiz für eine Festnahme.

Berlins Innensenator Andreas Geisel (SPD) lobte die Festnahme am Montag: „Die Entscheidung war absolut richtig“, sagte er dieser Zeitung. „Im Zweifel geht es um die Sicherheit der Bürger dieser Stadt und ihrer Gäste.“

Lob bekommt er dafür von der Opposition: Der innenpolitische Sprecher der Berliner CDU und Vorsitzende des Amri-Untersuchungsausschusses, Burkard Dregger, ist ebenfalls davon überzeugt, dass die Festnahmen aus Gründen der Gefahrenabwehr gerechtfertigt waren. Er geht davon aus, dass die Polizei ausreichend Anhaltspunkte hatte, dass von den Verdächtigen eine konkrete Gefahr ausging. „Es ist ungeheuer wichtig, dass die Polizei präventiv eingreift, damit es nicht zu Anschlägen kommt“, sagte Dregger der Berliner Zeitung.

Ähnliche präventive Einsätze wegen des „Verdachts der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat“ hatte es in der Vergangenheit in Berlin des Öfteren gegeben. Bereits im Dezember vergangenen Jahres war die Polizei auf Abed El-Rahman W. gestoßen, der am Sonntag im Zusammenhang mit dem Halbmarathon festgenommen worden war. Er und drei weitere mutmaßliche Islamisten wurden verdächtigt, Ausreisen in das Herrschaftsgebiet der Terrormiliz „Islamischer Staat“ unternommen zu haben. Bei der Durchsuchung seiner Charlottenburger Wohnung wurde jedoch nichts Verdächtiges gefunden. Er kam wieder frei.

Mehrere Razzien in den vergangenen Monaten

Einen Monat zuvor durchsuchte die Berliner Polizei bei einer Anti-Terror Razzia vier Orte in den Bezirken Charlottenburg-Wilmersdorf und Reinickendorf. Die Beamten beschlagnahmten unter anderem Revolver, Waffenteile und zwei Sturmgewehre AK47 sowie mehrere Hundert Schuss scharfer Munition bei einem 40-Jährigen türkischer Herkunft.

Seine Besuche in einer Salafisten-Moschee, seine Aggressivität und sein Waffenbesitz veranlassten die Generalstaatsanwaltschaft, gegen den 40-Jährigen vorzugehen. Er hatte offenbar ein Geflecht von Briefkastenfirmen, darunter Immobilien- und Baufirmen. Es besteht der Verdacht, dass sie für Geldwäsche aus kriminellen Geschäften genutzt wurden. Mit den Waffenteilen soll er gehandelt haben. Der Verdacht, dass er terroristische Gruppen finanziell unterstützte, bestätigte sich nicht.

Auch im Mai vergangenen Jahres splitterten in mehreren Berliner Stadtteilen die Wohnungstüren. Polizisten vollstreckten vier Haftbefehle gegen gewaltbereite Islamisten aus dem Irak und Syrien. Die vier Beschuldigten sollen mit Kokain, Haschisch und Ecstasy gehandelt und mit dem Erlös dschihadistische Gruppen unterstützt haben. Der Verdacht konnte bisher nicht erhärtet werden.