Berlin - Knapp drei Jahre nach dem islamistischen Terroranschlag auf dem Berliner Weihnachtsmarkt geht die Bundesanwaltschaft weiterhin davon aus, dass der Attentäter Anis Amri den Anschlag vor Ort alleine verübte. „Die Ermittlungen haben bisher keine Erkenntnisse ergeben, dass Amri in Berlin Helfer bei der Tat hatte“, sagte Bundesanwalt Thomas Beck aus Karlsruhe am Freitag im Untersuchungsausschuss des Abgeordnetenhauses von Berlin.

Mit Blick auf einen sogenannten Mentor der Terrororganisation IS, mit dem Amri über Chats im intensiven Kontakt stand, sagte Beck: „Dass Amri kein Einzeltäter im juristischen Sinn war, da erübrigt sich jedes Wort. Das haben wir auch nie gesagt.“

Beck sagte weiter: „Dass er aber bei der Durchführung des Anschlags weitere Personen zur Hilfe hatte, ist nicht so.“ Das lasse sich gut durch Geo-Daten aus Amris Handy und Aufnahmen aus Überwachungskameras belegen. An den Parkplätzen, wo er am 19. Dezember 2016 den LKW entführte, sei Amri mehrere Tage immer alleine entlang gelaufen und habe einen passenden LKW gesucht. Möglicherweise sei der 19. Dezember ein zufälliger Tag für die Tat gewesen sein, einfach weil er einen geeigneten LKW fand.

Anis Amri habe einen Tag vor dem Anschlag fast alle Chats gelöscht 

Beck räumte ein, dass es weiterhin Wissenslücken gebe. Amri sei kurz vor der Tat eine halbe Stunde in der islamistischen Fussilet-Moschee gewesen. „Was hat er da getan? Denkbar, dass er die Waffe holte.“ Möglicherweise habe er auch in der Moschee jemanden gehabt, der die Pistole für ihn aufbewahrt habe. „Wir wissen es nicht. Wir wissen auch nach wie vor nicht, wie er in den Besitz der Waffe gekommen ist.“

Über ein Video vom Anschlagsort sagte Beck, zwar ähnele eine Person mit blauen Handschuhen dem Freund von Amri, Bilal Ben Ammar, der ihn am Vorabend des Anschlags traf. Aber die Ermittlungen hätten ergeben, Ben Ammar sei nicht diese Person und auch nicht am Tatort gewesen. Ben Ammar wurde am 1. Februar 2017 – sechs Wochen nach dem Anschlag – nach Tunesien abgeschoben.

Zu Amris IS-Kontakt und dem Anschlag sagte Beck: „Wir gehen davon aus, dass er vorher in einem sehr, sehr engen Verhältnis zu diesem Mentor stand.“ Zwar habe Amri fast alle Chats vor dem Tag des Anschlags gelöscht. Man habe aber Reste von Chatverläufen und andere Hinweise gefunden. „Amri war immer in der islamistischen Szene und hatte deren Nähe gesucht.“

Bundesanwalt warnt vor zu viel Spekulationen 

Nach Einschätzung der Bundesanwaltschaft deutet ein kürzlich bekannt gewordenes Foto Amris vom Wohnhaus von Bundeskanzlerin Angela Merkel eher nicht auf eine Anschlagsplanung oder ein Anschlagsziel hin. Beck sagte, auf Amris Handy seien tausende Fotos gefunden worden, auch von vielen „Örtlichkeiten“ in Berlin.

Medien hätten dazu Theorien und Spekulationen entwickelt. Beck nannte das Haus von Merkel nicht, sagte aber: „Ob das tatsächlich schon Anschlagsziele waren, ist weitgehend Spekulation. Ich warne vor zu viel Spekulationen.“

Auf dem Foto, das das ARD-Magazin Kontraste und rbb24-Recherche veröffentlichten, sieht man Amri im Oktober 2016 vor dem Haus in Berlin posieren. Es handelt sich offensichtlich um ein Selfie. Das Bild und andere Fotos aus Berlin fanden die Ermittler später auf dem Handy, das Amri im LKW hatte liegen lassen.

(dpa)