Terrorschutz für das Humboldt Forum in Berlin: Poller sollen Schlossplatz sichern

Berlin - Wenn es nach der Berliner Polizei geht, sollte der gesamte Schlossplatz mit Pollern gesichert werden, um die Besucher des neuen Schlosses vor Terrorattacken mit Lastwagen zu schützen. Unter den Projektbeteiligten gibt es zwar Zustimmung für schärfere Sicherheitsvorkehrungen, sie mahnen aber zugleich eine gestalterisch anspruchsvolle Lösung an.

„So dezent wie möglich“

„Ich bin natürlich nicht begeistert, aber wenn es der Sicherheit der Menschen dient, muss es sein“, sagt Wilhelm von Boddien, Geschäftsführer des Fördervereins Berliner Schloss. Schließlich würden nach der für Herbst kommenden Jahres vorgesehenen Eröffnung des Schlosses 3,5 Millionen Besucher jährlich erwartet. „Oberstes Gebot“ sollte es aber sein, die Schutzmaßnahmen „so dezent wie möglich“ zu gestalten, „damit der Ort optisch nicht leidet“, rät von Boddien.

Es sollten keine Pollerreihen wie vor der US-Botschaft errichtet werden. Besser wäre es, Hochbeete wie auf dem Lustgarten gegenüber dem Schloss zu errichten, die ebenfalls als Barriere dienen könnten. Denkbar sei auch der Bau von Wasserbecken. „Da bleibt jeder Lkw drin hängen“, sagt von Boddien.

Annette Ahme vom Verein Berliner Historische Mitte findet „durchbrochene Mäuerchen in Sitzhöhe schöner und ansprechender.“ Diese könnten sehr stabil ausfallen und damit ebenfalls als Schutz vor Lkws dienen. „Wenn Poller wirklich unumgänglich sind, könnten sie bepflanzt werden“, so Ahme. Dann sähen sie „nicht so brutal“ aus.

Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben

Noch ist offen, wie der Schlossplatz insgesamt geschützt wird. Die jetzt vom Senat beschlossenen Schutzmaßnahmen beschränken sich zunächst auf die Eingänge des Schlosses (Humboldt Forum). Der Bauherr, die Stiftung Humboldt Forum im Berliner Schloss, erklärte auf Anfrage, er habe sich „entschieden, eine Abpollerung mittels starrer und versenkbarer Hydraulikpoller direkt an der Gebäudegrenze“ als bevorzugte Variante umzusetzen. Diese Variante sei eng mit dem Landeskriminalamt Berlin abgestimmt, sagt Vorstandsmitglied Hans-Dieter Hegner.

Mit Pollern sollen dabei die Portale 1 und 2, 4 und 5 sowie die Wirtschaftseinfahrt des Schlosses geschützt werden. Vor dem Hauptportal 3, das sich unter der Kuppel befindet, sind dagegen keine Poller vorgesehen. Dort gibt es laut Stiftung eine Toranlage, die diese Funktion übernimmt. Die starren Poller sollen laut Hegner in „Steinoptik“ gehalten sein. Das Büro bbz Landschaftsarchitekten, das für die Gestaltung der Freiflächen rund um das Schloss zuständig ist, wurde nach Angaben der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung beauftragt, eine „Machbarkeitsstudie zur Umsetzung der Sicherheitsanforderungen“ zu erarbeiten.

Die Ergebnisse der Machbarkeitsstudie sollen je nach Fertigstellung der einzelnen Baufelder umgesetzt werden, sagt Behördensprecherin Petra Rohland. Sollten fertiggestellte Flächen vor „finaler Umsetzung“ für die Öffentlichkeit freigegeben werden, wären „temporäre Sicherungsmaßnahmen denkbar“. Im Klartext: Gesucht werden zeitlich befristete Provisorien. Auch der Weltkulturerbe-Status der Museumsinsel werde bei der Machbarkeitsstudie zu berücksichtigen sein, so Rohland.

„Es muss nicht immer nur der Poller sein“

Während sich der zusätzliche Schutz am Schloss zunächst auf Poller an den Eingängen beschränkt, fordert Innensenator Andreas Geisel (SPD) mehr. „Konkret zum Humboldt Forum schließt sich der Innensenator den Vorschlägen des LKA an und empfiehlt der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, diese auch umzusetzen“, sagt Geisels Sprecher Martin Pallgen.

Dies gelte sowohl für die „direkte Gebäudesicherung“ als auch für die Einschätzung des LKA zur Sicherung des Freiraumes rund um das Humboldt Forum. „Der Innensenator sieht dies als dringend an, vor allem mit Blick auf die dort zu erwartenden Besucherströme“, sagt Pallgen.

Der Schlossplatz gilt wie andere Plätze als mögliches Ziel von Terroristen. Anschläge wie auf dem Breitscheidplatz, in Nizza, London oder Stockholm belegten „die dringende Notwendigkeit des Schutzes öffentlicher Räume“ vor sogenannten „Überfahrtaten“, hatte Geisel auf der Innenministerkonferenz im Juni erklärt. Seine Kollegen folgten ihm. In dem Beschluss wurde festgelegt, „den Schutz öffentlicher Räume zu verbessern.“ Eine Bund-Länder-Arbeitsgruppe soll Vorschläge dazu erarbeiten. Pallgen zeigt sich bei der Art der Schutzmaßnahmen offen: „Es muss nicht immer nur der Poller sein.“