Ein 31-jähriger Islamist soll einen Terroranschlag geplant haben. Beamte von Spezialeinheiten verhafteten am Mittwoch im Pankower Ortsteil Buch den 31-jährigen Magomed-Ali C. Die Bundesanwaltschaft hält den Mann für dringend verdächtig, zusammen mit einem Komplizen „eine schwere staatsgefährdende Gewalttat sowie ein Explosionsverbrechen vorbereitet zu haben“. 

Nach Informationen der Berliner Zeitung wohnte er nördlich des Schlossparks Buch in einem sechsgeschossigen tristen Plattenbau. Magomed-Ali C. wurde in der Stadt Agidel in der russischen Teilrepublik Baschkirien geboren. Sein Asylantrag in Deutschland wurde entsprechend dem Paragraf 25 des Aufenthaltsgesetzes abgelehnt.

Dass er als abgelehnter Asylbewerber, den die Polizei zudem als "islamistischer Gefährder" führte, nicht abgeschoben wurde, wie es der Paragraf 25 des Aufenthaltsgesetzes ermöglicht, liegt nach Informationen dieser Zeitung an "Abschiebungshindernissen", die die Ausländerbehörde geltend machte. Magomed-Ali C. legte ein Attest über eine angebliche psychische Erkrankung vor. Deshalb gewährte ihm die Ausländerbehörde im vergangenen Dezember eine Duldung bis zum 6. Dezember 2019.

In seiner Wohnung, die am Morgen von Beamten der GSG9 und des SEK gestürmt wurde, soll er zwischenzeitlich größere Mengen Sprengstoff aufbewahrt haben. Den Verdächtigen kannten die Sicherheitsbehörden seit längerem. Nach Angaben von Ermittlern stand er auf der Liste islamistischer Gefährder. Die Wohnung des Beschuldigten wurde von den Polizisten durchsucht.

Die Festnahme geht auf Ermittlungen gegen den 25-jährigen Clément B. zurück, der am 18. April vergangenen Jahres im französischen Marseille, kurz vor der französischen Präsidentschaftswahl, wegen mutmaßlicher Anschlagspläne festgenommen wurde.

Hochexplosiver TATP-Sprengstoff

Bei seiner Festnahme fanden Polizisten bei ihm mehrere Schusswaffen und drei Kilogramm des hochexplosiven Sprengstoffs TATP (Triacetontriperoxid). Dieser Sprengstoff wurde unter anderem bei den Anschlägen 2015 in Paris verwendet.

Clément B. hatte die Substanz zusammen mit einem weiteren Komplizen in Frankreich hergestellt. „Im Zuge der französischen Ermittlungen haben sich dann Verdachtsmomente gegen Magomed-Ali C. ergeben, die im weiteren Verlauf verdichtet werden konnten und schließlich zur heutigen Festnahme führten“, sagte eine Sprecherin der Bundesanwaltschaft.

Zeitpunkt und Ort des geplanten Anschlages sind laut Bundesanwaltschaft nicht bekannt. Die Ermittler wissen, dass Magomed-Ali C.   am 26. Oktober 2016 in seiner Wohnung in Buch eine erhebliche Menge TATP aufbewahrt hatte. „Damit wollte der radikal-islamisch gesinnte Beschuldigte gemeinsam mit dem zwischenzeitlich inhaftierten Mitbeschuldigten Clément B. einen Sprengsatz herstellen“, erklärte die Bundesanwaltschaft. Dieser sollte zu einem nicht bekannten Zeitpunkt an einem unbekannten Ort in Deutschland gezündet werden, "um eine möglichst große Anzahl an Menschen zu töten und zu verletzen“.

Schon im Oktober 2016 hatten Polizisten Magomed-Ali C. zu Hause aufgesucht für eine sogenannte „Gefährderansprache“.   Er und Clément B.  befürchtetn  die Entdeckung des Sprengstoffs, und sie trennten sich. Magomed-Ali C. blieb in Berlin, Clément B. reiste  nach Frankreich. 

Sprengstoff ist verschwunden

Der Bundesgerichtshof erließ am 9. August einen Haftbefehl gegen Magomed Ali-C. Der Polizeieinsatz in Berlin-Buch diente nicht nur der Festnahme sondern auch dazu, den Verbleib des Sprengstoffes aufzuklären, den Magomed-Ali C. in der Wohnung aufbewahrt hatte. Die Substanz ist bis heute verschwunden. Der 31-Jährige soll an diesem Donnerstag dem Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofs vorgeführt werden. 

Magomed-Ali C. soll sich nach Angaben von Ermittlern in der Szene russisch-tschetschenischer Islamisten bewegt haben. Einer der Haupttreffpunkte ist ist die Dagestan-Moschee in Wedding. Treff dieser Szene war auch die Fussilet-Moschee  in Moabit, in der neben Islamisten aus dem Kaukasus auch der Breitscheidplatz-Attentäter Anis Amri verkehrte. Diese Moschee war nach dessen Terroranschlag geschlossen worden.