Das Tesla-Gelände ist etwa 300 Hektar groß. Auf dem größten Teil standen zuvor Kiefern.
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GrünheideEs war einmal ein Wald – und innerhalb weniger Wochen steht dort eine Fabrik. So könnten die vergangenen Monate eines Kiefernforstes am östlichen Berliner Ring zusammengefasst werden. In einem Gewerbegebiet bei Grünheide im Landkreis Oder-Spree hatte der US-Elektroautobauer Tesla für 40 Millionen Euro 300 Hektar gekauft, massenhaft Bäume fällen lassen und mit dem Bau der ersten europäischen Gigafactory begonnen. Tesla hatte insgesamt fünf Anträge gestellt, um vorzeitig und ohne Baugenehmigung mit dem Bau beginnen zu können. Am Montag wurde nun der fünfte Antrag vom Landesumweltamt abgesegnet.

Inzwischen stehen unzählige Betonpfeiler. Die Ausmaße der Hallen sind erkennbar. Es wird auch schon an Dachkonstruktionen gearbeitet. Ein Tesla-Sprecher sagte, das Unternehmen sei zuversichtlich, dass der Bauzeit-Rekord beim Tesla-Werk in Schanghai gebrochen werden könne. Der Vorteil in Grünheide sei, dass viel mehr vorgefertigte Bauteile verbaut werden und dass das Material nicht wie in China mit Lastwagen angeliefert wird, sondern per Bahn.

Dabei liegt für den Bauantrag von Tesla noch gar keine Genehmigung vor. „Das Ziel ist, dass im Herbst eine Entscheidung fallen soll“, sagte Frauke Zelt, Sprecherin des zuständigen Potsdamer Umweltministeriums. Die Unterlagen wurden zwei Mal öffentlich ausgelegt. Einmal gab es 373 Einwendungen, beim zweien Mal liegt die Zahl im niedrigen zweistelligen Bereich. Bis 3. September können die Unterlagen eingesehen werden. Dann soll es am 23. September einen öffentlichen Erörterungstermin geben, beim dem alle, die zuvor schriftlich etwas einzuwenden hatten, ihre Ansicht erläutern können. „Alles wird gründlich geprüft, eine Genehmigung wird nicht vor dem Erörterungstermin erfolgen“, sagte Zelt.

So sah das heutige Tesla-Gelände im November 2019 aus.
Foto: dpa/Patrick Pleul

Von Anfang an protestieren Umweltschützer gegen das Großprojekt, weil sich ein Teil des Geländes in einem Trinkwasserschutzgebiet befindet. Die Gegner fürchten massive Auswirkungen für die Wasserversorgung der Region zwischen Berlin und Frankfurt (Oder).

Neben dem enormen Wasserverbrauch wird die Bauweise kritisiert. Tesla hatte geplant, die Fundamente mit 15.000 Betonpfählen abzusichern, die tief in den Boden reichen. Dagegen protestierten Umweltschützer. So sagte Thomas Löb, Landeschef der Ökologisch Demokratischen Partei: „Dies hätte unumkehrbare Auswirkungen. Da nur unzureichende Probebohrungen und Untersuchungen vorgenommen worden sind, ist nicht abschätzbar, ob und in welchem Umfang das umliegende Grundwasser durch das Vorhaben beeinträchtigt wird.“

Nun hat Tesla seine Pläne geändert und will mit 500 bis 550 Pfählen auskommen. Dem ÖDP-Chef reicht das nicht. „Das ist nur Kosmetik. Ob ein Pfahl oder 5000, ist egal“, behauptet er. „Jeder Pfeiler ist eine Gefahr.“ Denn vor Ort gebe es aus der Eiszeit noch viele natürliche unterirdische Wasserleiter, von denen einige salzhaltiges Wasser führten. Manche seien nur in geringer Tiefe unter der Oberfläche. „Wenn die angebohrt werden und auch noch ein Trinkwasserleiter getroffen wird, sind die Folgen unabschätzbar“, sagte Löb. „Wir haben eine Eingabe bei der EU-Kommission eingereicht wegen Verstößen gegen die EU-Wasserrichtlinie.“

Am Montag wurde bekannt, dass Tesla nun doch am Donnerstag im Infrastrukturausschuss des Landtags sein betriebliches Mobilitätskonzept vorstellen will. Zuvor hatte die Linke protestiert, dass Tesla die Teilnahme abgesagt hatte.

Dabei wird es wohl auch um die Zahl der produzierten Autos gehen. Bislang war von 500.000 Autos die Rede. Dann berichtete der Focus, dass bis zu zwei Millionen E-Autos möglich wären.

„Wir benötigen endlich klare Prognosen und klare betriebswirtschaftliche Kennzahlen“, sagte Christian Görke, der ehemalige Brandenburger Finanzminister von der Linken, der Berliner Zeitung. „Das, was Tesla bislang an Informationen liefert, ist sehr neblig.“ Das Unternehmen habe eine Bringpflicht. Es gehe nicht nur um das benötige Wasser, sondern auch um die Verkehrsströme für das Material und die bis zu 10.000 Beschäftigten. „Es ist die größte Industrieansiedlung im Osten. Wir begrüßen sie.“ Damit es ein Erfolg werde, müssen alle Unsicherheiten ausgeräumt werden. „Wir wollen keine Geheimniskrämerei.“ (mit dpa)