Brandenburg, Grünheide: Ein Arbeiter fährt auf der Baustelle der künftigen Gigafactory Berlin-Brandenburg des amerikanischen Automobilbauers Tesla.
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BerlinRainald Grebe, der Sänger mit der dadaistisch-bösen Zunge, schrieb vor Jahren den Song „China“. In dem Lied wacht Grebe morgens als schwer verkaterter deutscher Michel auf und überall in seiner Wohnung arbeiten fleißige Chinesen. Grebe singt: „Lasst mich bitte ins Bad. Ich bin hier der Exportweltmeister.“ Eine warnende Stimme sagt: „Der Chinese überholt uns noch.“ Grebe singt lapidar: „China, überhol mich doch.“

Nun schwingt sich Deutschland in einem Fall auf, mal China zu überholen. Besser gesagt: nicht Deutschland, sondern der US-Elektroautobauer Tesla. Es könnte sein, dass Firmengründer Elon Musk sein erstes europäisches Werk im brandenburgischen Grünheide schneller fertig hat als die Fabrik in Schanghai.

Das klingt effektiv, das klingt weltmeisterlich. Die Welt staunt, was im überbürokratischen Verzögerungsland Deutschland alles möglich ist. Doch es gibt einen Haken. Die Gigafactory 4 ist derzeit eine Art offiziell geduldeter Schwarzbau. Über den Bauantrag hat die Potsdamer Zulassungsbehörde noch nicht abschließend entschieden. Musk baut also schon mal auf eigene Kosten und eigenes Risiko und lässt Fakten sprechen.

Die Gegner kommen vonseiten des Umweltschutzes. Sie fürchten, dass der enorme Durst der großindustriellen Anlage gravierende Auswirkungen für das nahe Wasserschutzgebiet hat. Die Verhandlungen zu dem Problem laufen. Ausgang offen. Wenn der Bau genehmigt werden sollte, hat Musk seinen Ruf als Macher bewiesen. Wenn er nicht genehmigt wird, hat er Geld verschwendet und müsste die Bauruine wegreißen. Aber es ist schwer vorstellbar, dass sich führende Vertreter der Landesregierung zu dem Tesla-Projekt bekennen und die eigene Behörde den Bau dann komplett verbietet. Es sieht eher nach einer Genehmigung mit Auflagen aus. Auch das wäre ein klarer Sieg für Elon Musk.