Tesla hatte angekündigt sich im Umkreis von Berlin ansiedeln zu wollen.
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PotsdamMit dem Tempo, das die Planer der Tesla-Elektroautofabrik vorlegen, halten die Brandenburger Verkehrsplaner nicht Schritt. Das war Kritik, die sich Minister Guido Beermann (CDU) am Donnerstag während der Sitzung des Landtagsausschusses für Infrastruktur und Landesplanung anhören musste. 

„Schon in wenigen Wochen werden wir im Bereich der Gigafactory einen umfangreichen Baustellenbetrieb haben“, sagte Christian Görke (Linke). Bereits im kommenden Jahr sollen mehrere Tausend Menschen in der Tesla-Fabrik bei Grünheide arbeiten. „Es geht um ernsthafte Fragen. Und wir erwarten ernsthafte Antworten“, sagte Görke. Der Infrastrukturminister müsse bei diesem Thema bald sprechfähig sei.

Wie die Infrastruktur derzeit beschaffen sei, könnte sie den Anforderungen nicht gewachsen sein, hieß es. Derzeit hält der Regionalexpress RE1 auf dem Abschnitt zwischen Berlin und Frankfurt (Oder) nur alle 60 Minuten im Bahnhof Fangschleuse, der dem Werksgelände am nächsten liegt. Erst ab Ende 2022 sollen die Züge zwischen Brandenburg, Berlin und Frankfurt alle 20 Minuten verkehren, sagte Görke.

Bahnstrecken jetzt schon stark überlastet

„Wir müssen ernsthaft überlegen, ob wir diese Taktverdichtung vorziehen können.“ Außerdem müsse der Bahnhof Fangschleuse rasch ausgebaut werden, damit längere Züge halten können. Bedenken gab es auch, ob die Bahnstrecke genug Kapazität hat. Erwartet wird, dass täglich mehrere Züge von und zum Tesla-Werk verkehren werden – von sechs Fahrten pro Tag ist die Rede. Schon jetzt sei die Bahnstrecke stark belastet, hieß es.

„Der RE1 soll alle 20 Minuten fahren, Tesla-Güterzüge kommen hinzu – ist das realisierbar?“, frage Görkes Fraktionskollegin Isabelle Vandre. Der Straßenverkehr werde ebenfalls zunehmen, sagte Christian Görke. Von täglich 450 Lkw-Fahrten vom und zum Tesla-Standort sei die Rede. Philip Zeschmann (BVB/ Freie Wähler) bezweifelte, dass sich der vorgeschlagene Busverkehr schnell realisieren lässt.

„Das neue Netz muss geplant und bestellt werden. Dann ist ein neuer Verkehrsvertrag mit dem Busverkehr Oder-Spree abzuschließen“, so der Abgeordnete. „Normalerweise dauert so etwas mehrere Jahre. Ich bin gespannt, ob das bis 2021 klappt.“ „Das ist ein wichtiges Projekt. Brandenburg wird es können“, entgegnete Infrastrukturminister Beermann. Über die Verkehrsanbindung des Tesla-Standorts werde schon seit Längerem gesprochen.

Verlängerung der S-Bahn über Erkner hinaus

„Wir haben mit Tesla Voraussetzungen für die Mobilität definiert“, so der CDU-Politiker. Dazu gehöre die Entwicklung der Bahnanlagen. Das Gelände wird durch Gütergleise der Deutschen Regionaleisenbahn erschlossen – hier sprach Beermann von Elektrifizierung. Auf der Themenliste stünde auch, den Bahnhof Fangschleuse zu erweitern und näher ans Tesla-Werk heranzurücken, sagte er.

Was den Fahrplantakt auf der RE1 anbelangt, werde überlegt, ob die Züge schon von diesem oder kommenden Jahr an öfter in Fangschleuse halten können, so Beermann weiter. Die Überprüfung des Busliniennetzes und die Verlängerung der S-Bahn über Erkner hinaus seien weitere Themen. In den Arbeitsgruppen, die sich mit der Mobilität befassen, gehe es auch um den Straßenverkehr.

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Diskutiert werde unter anderem die Erweiterung der Anschlussstelle Freienbrink (A10) und der Bau einer weiteren Ausfahrt am Berliner Ring. Der Neubau einer Verbindungsstraße entlang der Bahn sowie der vierstreifige Ausbau der Landesstraße L38 seien weitere Themen.