Berlin - Nun ist klar, dass sich die endgültige Entscheidung über die Baugenehmigung für die erste europäische Produktionsstätte des US-Elektroautobauers Tesla noch erheblich hinauszögern wird. Ursprünglich wollte Tesla-Chef Elon Musk, dass im ostbrandenburgischen Grünheide ab Juli Tausende Elektroautos vom Band rollen. Er lässt das neue Werk – eine Milliarden-Investition – auf eigenes Risiko bauen. Die Genehmigungsbehörde prüfte derweil den Bauantrag. Nun hat Tesla diesen Bauantrag erheblich erweitert. Das teilte das zuständige Potsdamer Umweltministerium am Donnerstagnachmittag mit.

Es handelt sich nicht um einen neuen Bauantrag, sondern um eine Änderung und Erweiterung, die am Donnerstag beim zuständigen Landesamt für Umwelt eingereicht worden sei. Solche Änderungen sind erlaubt und durchaus üblich.

Es soll auch ein Batteriewerk gebaut werden

Ursprünglich sollten in Grünheide „nur“ die Fahrzeuge hergestellt werden. Nun heißt es: „Die Herstellung von Batteriezellen soll nunmehr auch vor Ort erfolgen – hierfür wird eine entsprechende Nebeneinrichtung zur Fahrzeugherstellung beantragt.“ Außerdem enthalte der Antrag auch eine Erweiterung des Presswerks durch zwei weitere Presslinien. Der Karosseriebau wird auf eine Fertigungslinie reduziert.

Neben den bereits stehenden Hallen soll also auch noch ein Batteriewerk entstehen. Es soll sich um eines der größten der Welt handeln. Tesla hat sich um Förderung bei der EU beworben und soll für die Batterieproduktion eine Förderung von bis zu einer Milliarde Euro erhalten.

Tesla will nicht mehr Wasser verbrauchen

Offenbar reagiert der Konzern des US-Milliardärs Musk auch auf die Kritik von Umweltschützern und von Anwohnern. Einige Bürgerinitiativen wenden sich gegen die Errichtung des Werkes, weil es so viel Wasser verbrauchen soll wie eine Kleinstadt. Das Werksgelände befindet sich zu einem erheblichen Teil in einem Trinkwasserschutzgebiet. Die Kritiker befürchten, dass durch den enormen Verbrauch der gesamte Wasserhaushalt in der Region zwischen Berlin und Frankfurt (Oder) massiv beeinträchtigt wird.

Nun teilt das Potsdamer Umweltministerium mit, dass Tesla in den Unterlagen verschiedene Maßnahmen „zur Reduzierung des Wasserverbrauchs“ vorsehe, „so dass trotz der Erweiterung der Anlage der Wasserverbrauch weiterhin voraussichtlich bei rund 1,4 Millionen Kubikmeter pro Jahr und die zu erwartende Abwassermenge bei rund 925.000 Kubikmeter pro Jahr liegen werden“. Weiter heißt es: „Diese Mengen sind vom Vertrag mit dem öffentlichen Versorgungsunternehmen gedeckt.“

Mehr als 1000 neue Pfähle im Boden

Der Plan sieht auch eine Änderung der Niederschlagswasserversickerung vor. „Für die Erweiterung des Presswerks werden weitere zirka 1180 Gründungspfähle eingebracht werden müssen“, heißt es. Solche Pfähle im Boden hatten bereits dafür gesorgt, dass Umweltverbände protestiert hatten. Ursprünglich sollten 15.000 Pfähle bis zu zwölf Meter tief in den Boden gerammt werden. Kritiker befürchteten, dass dies das Grundwasser beeinträchtigen könnte. Tesla reduzierte nach Protesten die Zahl auf 500 Pfähle.

Dazu teilte Ende April die Ökologisch-Demokratische Partei (ÖDP) mit: „Tesla hat an die 500 Pfähle für die Bodenplatte in den Sand getrieben, auch das ohne Genehmigung. Das ist unumkehrbar, diese Baumaßnahme kann nicht mehr rückgebaut werden, ohne dabei das Grundwasser zu gefährden.“

Bürgerbeteiligung wird geprüft

Nun prüft die Potsdamer Genehmigungsbehörde, wie die Öffentlichkeit am Genehmigungsverfahren beteiligt werden soll. Die Entscheidung über die Art der Beteiligung erfolgt in den nächsten Tagen. Das Ministerium geht davon aus, dass die Tesla-Unterlagen wahrscheinlich erneut öffentlich ausgelegt werden müssen.  „Wann eine gegebenenfalls erforderliche Öffentlichkeitsbeteiligung beginnen wird, kann derzeit noch nicht eingeschätzt werden“, teilte das Ministerium mit.

Es klingt also eher so, dass die endgültige Entscheidung über die Baugenehmigung der ersten europäischen „Gigafactory“ nicht in ein paar Wochen erfolgt, sondern wohl eher in einigen Monaten.