Der Standort der Tesla Gigafabrik: Grünheide. 
Foto: Markus Wächter

PotsdamEs war für Mitte Januar angekündigt worden, dass Tesla den Kaufvertrag für das 302-Hektar-Grundstück für sein erstes europäisches Produktionswerk unterschreibt. Doch die Tage verstrichen. Und das, obwohl der US-Elektroautobauer davor mächtig Druck gemacht hatte, damit der Deal möglichst schnell über die Bühne geht. Nun, am Samstag, hat der Tesla-Vorstand dem Kauf zugestimmt. Das Grundstück gehört derzeit noch dem Land Brandenburg und das Potsdamer Parlament hatte den Verkauf bereits am 9. Januar abgesegnet. Seither wurde auf das Okay aus den USA gewartet.

Am Sonntag erklärte die Potsdamer Staatskanzlei: "Die Ansiedlung der Tesla-Autofabrik im brandenburgischen Grünheide kommt einen entscheidenden Schritt voran: Der Vorstand des US-amerikanischen Automobilkonzerns hat gestern dem Kaufvertrag mit dem Land Brandenburg zum Erwerb des rund 300 Hektar großen Grundstücks zugestimmt." Finanzministerin Katrin Lange (SPD), Umweltminister Axel Vogel (Grüne) und Wirtschaftsminister Jörg Steinbach (SPD) seien „sehr erfreut, dass es jetzt grünes Licht aus Kalifornien gibt.“

Bis zu 500.000 Autos pro Jahr

Tesla will seine weltweit vierte sogenannte "Giga-Factory" bei Grünheide bereits im Juli 2021 in Betrieb nehmen. Das wären nur 18 Monate, nachdem die Pläne bekannt wurden. Und das wäre eine für hiesige Verhältnisse sehr schnelle Bauzeit. Es regen sich nun erste Proteste, weil viele die Zeit für zu knapp halten, um ernsthaft prüfen zu können, ob die Naturschutzauflagen eingehalten werden.

Genaue Daten zu den Plänen hat der Konzern des Milliardärs Elon Musk noch nicht vorgelegt. Aber es ist die Rede davon, dass die Investitionssumme bei etwa vier Milliarden Euro liegen könnte. Von bis zu 9000 Arbeitsplätzen ist die Rede. Am Anfang sollen dann in Grünheide jährlich etwa 150.000 Elektro-Autos des Models 3 und des SUV Model Y vom Band laufen. Nach der vierten und letzten Ausbaustufe sollen es dann 500.000 Fahrzeuge pro Jahr sein.

Verkäufer des Grundstücks an der Abfahrt Freienbrink am östlichen Berliner Ring ist der Landesforstbetrieb. "Der Kaufvertrag sieht vor, die Liegenschaft zum landesintern gutachterlich ermittelten Grundstückswert von vorläufig 40,91 Mio. Euro zu veräußern", teilte Regierungssprecher Florian Engels mit. Der Preis sei deshalb noch vorläufig, weil sich die Vertragsparteien einvernehmlich darauf verständigt haben, noch ein zweites externes Gutachten erstellen zu lassen. "Der endgültige Kaufpreis soll dem Ergebnis dieses zweiten Gutachtens angepasst werden, sofern dieses zu einem abweichenden Grundstückswert kommt", heißt es.

Das künftige Werksgelände befindet sich direkt an der Autobahnabfahrt Freienbrink gegenüber des gleichnamigen Güterverkehrszentrums. Das Areal ist seit 2004 laut Bebauungsplan der Gemeinde Grünheide als Industriefläche vorgesehen. Damals wurde darauf gehofft, dass BMW dort eine Fabrik baut. Doch dann entschied sich dieser Autobauer für einen Standort in Sachsen.

Fällarbeiten beginnen wohl sehr bald

Auf dem nun von Tesla gekauften Gelände bei Grünheide stehen derzeit noch fast 160 Hektar Kiefernforst, die nun wohl sehr schnell gerodet werden sollen. Denn wenn Tesla noch in diesem Jahr mit dem Bau beginnen will, muss die Baufläche von den Bäumen geräumt sein, bevor Anfang März die neue Vegetationsperiode beginnt. Dann wären Fällarbeiten nicht mehr erlaubt. So soll verhindert werden, dass zum Beispiel Brutvögel gestört werden. Der Bau könnte erst ein Jahr später beginnen.

Das als Industriefläche ausgewiesene Areal wird derzeit auf Kampfmittel aus dem Zweiten Weltkrieg untersucht. Alliierte Bomber sind nach Luftangriffen auf Berlin immer wieder über die Region geflogen und hatten in diesem Gebiet ihre restliche Bombenlast abgeworfen, die sie nicht auf Berlin hatten fallen lassen. Auf Luftbildern, die die Alliierten nach ihren Angriffen machten, wurden später 250 Bombentrichter gesichtet. Es wird immer von einer Blindgänger-Quote von zehn Prozent ausgegangen. Deshalb werden noch 25 US-Blindgänger im Boden vermutet. Wegen der Munitionsbergung verfügte die Gemeinde Grünheide ein Betretungsverbot für den Forst.

Demos pro und contra Tesla

Am Sonnabend gab es in Grünheide Demonstrationen pro und contra Tesla. Mit Trillerpfeifen und Transparenten haben nach Polizeiangaben etwa 200 Menschen gegen die Ansiedlung demonstriert. Das waren mehr Teilnehmer, als erwartet. Angemeldet war eine Demo mit bis zu 100 Teilnehmern. „Keine Großfabrik im Wald“ und „Geheim verhandelt – Umwelt verschandelt“ stand auf Plakaten. Die Bürger protestierten damit gegen die Rodung von Wald.

Außerdem befürchten sie, dass die Fabrik so viel Wasser verbrauchen wird, dass dies schwere Folgen für den Grundwasserbestand der gesamten Region haben wird. Das Gelände befindet sich zum Teil in einer Trinkwasserschutzzone. „Warum muss das alles so holterdiepolter gehen“, sagte ein Gegner. Ein anderer sagte: „Da kommt ein Milliardär aus den USA und wedelt mit den Geldscheinen und auf einmal ist in Brandenburg alles möglich.“

An einer zweiten Demo für Tesla nahmen laut Polizei  30 Leute teil. Nach Angaben der Veranstalter waren es 50 Teilnehmer. Auf Transparenten stand „Elon, ich möchte ein Auto von Dir“ oder „Gestalten statt verhindern“. Einige Teilnehmer kamen mit Tesla-Autos. (mit dpa)