02.10.2014 Autosalon Paris, Zweiter Pressetag, ein Tesla Logo kar001 02 10 2014 Motor Show Paris Second a Tesla emblem kar001

PotsdamBrandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) hält sich angesichts von Bedenken und Protesten gegen die geplante Fabrik von US-Elektroautobauer Tesla vorerst bedeckt. «Die Fragen nach dem Infrastrukturausbau, nach der Wasserversorgung und nach vielem anderen werden beantwortet, aber das braucht auch eine gewisse Zeit», sagte Woidke der Deutschen Presse-Agentur in Potsdam. «Dafür bitte ich um Verständnis.» Der Regierungschef betonte: «Die Entscheidung von Tesla ist gerade elf Wochen alt. Wenn man sieht, was in der Zwischenzeit schon passiert ist, dann ist das gut.»

Tesla will in Grünheide (Kreis Oder-Spree) bei Berlin eine Fabrik bauen, in der ab Juli 2021 bis zu 500.000 Fahrzeuge der Typen Model 3 und Y sowie künftiger Modelle im Jahr vom Band rollen. Das umweltrechtliche Genehmigungsverfahren läuft derzeit. Der Wald auf dem Gelände muss noch gerodet werden.

Bedenken gibt es bei Bürgern, Verbänden und in der Politik auch wegen des erwarteten Gütertransports und der Wasserversorgung. Tesla braucht den Plänen zufolge bis zu 372.000 Liter pro Stunde für das Werk. Tesla-Vertreter hatten bei einer Infoveranstaltung für Bürger laut Teilnehmerangaben erklärt, den Verbrauch senken zu wollen. Wie sie das genau machen würden, gaben sie nicht an. Die Bürger sorgen sich um den Grundwasserspiegel und die Folgen für die Trinkwasserversorgung. 

Der Wasserverband Strausberg-Erkner (WSE) erklärte Mitte Januar, dass gegenwärtig „weder die Trinkwasserversorgung noch die Schmutzwasserentsorgung in dem von Tesla gewünschten Zeitrahmen gewährleistet werden“ könne. Außerdem liege das Baugebiet in einer Trinkwasserschutzzone. „Wir geben zu bedenken, dass eine Genehmigung zur Grundwasserförderung für andere Antragsteller die öffentliche Trinkwasserversorgung gefährdet.“

Dietmar Woidke und Elon Musk betonen nachhaltige Produktion

Der Ministerpräsident zeigte sich zuversichtlich, dass offene Probleme gelöst werden können, sieht aber Herausforderungen für alle Seiten. «Es gibt gute Fortschritte, aber vor allen Beteiligten liegt noch sehr viel Arbeit», sagte Woidke. Er betonte zugleich: «Wir sind in guten Gesprächen mit Tesla.» Am vergangenen Mittwoch habe sich die Task Force, eine Arbeitsgruppe mit Vertretern der Landesregierung, von Tesla und von Kommunen, unter anderem zur notariellen Beurkundung des Kaufvertrags für das Fabrikgelände getroffen.

«Wir sind alle mit gutem Tempo dran», sagte der Regierungschef. Er geht davon aus, dass die E-Auto-Fabrik von Tesla positive Effekte auf das ganze Bundesland haben kann: «Wenn alles klappt, dann entsteht in Grünheide eine Geschichte, von der ganz Brandenburg profitieren wird.» Das Projekt werde auch dem Thema einer klimaneutralen Produktion durch erneuerbare Energien einen Schub geben, sagte er. Woidke sieht großes Interesse in der Industrie, klimaneutral zu produzieren und Öko-Energien von vor Ort direkt zu verbrauchen.

Tesla-Chef Elon Musk hatte sich vor rund einer Woche bei Twitter in die Diskussion um Umweltschutzbedenken eingeschaltet. Er erklärte dort, die Fabrik werde unter dem Gesichtspunkt der Nachhaltigkeit und der Umwelt entwickelt. Der Ministerpräsident beurteilte die Äußerungen positiv. «Es ist durchaus ungewöhnlich, dass sich Tesla-Chef Elon Musk per Twitter zu einer Debatte äußert, die im Land Brandenburg läuft», sagte Woidke. «Das war eine wichtige Klarstellung. Aber das ändert nichts daran, dass alle Beteiligten ihre ganz konkrete Arbeit machen müssen.»