Noch sind sie verhüllt. Am Donnerstag gegen 15 Uhr sollen die Planen entfernt werden. Verkehrssenatorin Regine Günther und Florian Schmidt, Baustadtrat in Friedrichshain-Kreuzberg, kommen in die Bergmannstraße, um zwei „Parklets“ freizugeben. Wo bis vor kurzem noch vier Autos parken konnten, stehen Holzpodeste, die den Platz für Fußgänger und Radfahrer erweitern. Mehr Raum für umweltfreundliche Verkehrsarten, etwas weniger für den motorisierten Verkehr – so lautet das Motto, das in der Nachbarschaft aber nicht nur auf Beifall stößt.

Und das ist denn auch der Grund dafür, warum in der künftigen Begegnungszone Bergmannstraße erst einmal Gestaltungselemente erprobt werden, die bei Nichtgefallen wieder weggeräumt werden können. Mit der Enthüllung der beiden Parklets beginnt die erste Testphase für die geplante Neuorganisation des Verkehrs. Später im Jahr sollen weitere Elemente dazu kommen – unter anderem Stellplätze für Fahrräder und Fahrbahnquerungen für Fußgänger. Ein Jahr lang soll getestet werden, wie sich dies auf die verschiedenen Verkehrsarten und die Lebensqualität im Kiez auswirkt.

Bergmannkiez-Anwohner brauchen künftig Parkausweis

Im Oktober 2018 soll im Bergmannkiez zudem die Parkraumbewirtschaftung eingeführt werden. Anwohner können für ihr Auto einen Parkausweis beantragen, der 20,40 Euro kostet und bis zu zwei Jahre gilt. Andere Parkplatznutzer zahlen zu festgelegten Zeiten eine Parkgebühr, die in der Regel ein Euro pro Stunde beträgt. Die Parkgebührenpflicht soll dazu führen, dass die Nachfrage nach Stellplätzen sinkt und sich die Situation entspannt. Wie berichtet, sollen von den fast 100 Parkplätzen in der Bergmannstraße westlich der Zossener Straße zwei Drittel entfallen, wenn der Abschnitt nach der Maaßenstraße in Schöneberg zur zweiten Berliner Begegnungszone umgestaltet wird – zu einem Schonraum für Fußgänger mit Tempo 20.

Autofahrer ärgern sich, dass so viele Parkplätze verschwinden sollen. Befürworter entgegnen, dass die Parklets mehr „Flächengerechtigkeit“ schaffen, Autos beanspruchen überproportional viel Platz.

Parklets für Schönhauser Allee geplant

Auch in der Schönhauser Allee sollen Parklets aufgestellt werden. Auch dort verzögerte sich der Aufbau – die Ausschreibung musste wiederholt werden, weil zunächst keine Angebot eintrafen, bei einem Zulieferer gab es Verzögerungen. Nun sollen die Holzpodeste zu Beginn des zweiten Quartals 2018 platziert werden, teilte Staatssekretär Jens-Holger Kirchner (Grüne) auf eine Anfrage des FDP-Abgeordneten Florian Swyter mit. Im September sollen die Seitenbereiche der Schönhauser Allee rund um den U- und S-Bahnhof verbreitert werden.

Zunächst werden Baustellenzäune aufgestellt, ab Sommer 2019 gebe es dann dauerhafte Lösungen. Anfangs sollte auch geprüft werden, ob der Fahrzeugverkehr auf der westlichen Fahrbahn konzentriert werden kann. Eine Verschwenkung sei nun nicht mehr geplant, hieß es.

Das „temporäre Modellprojekt klimaneutraler Mobilität in der Schönhauser Allee in Berlin“ (TEMPOrär) kostet 550.000 Euro. Das Land Berlin zahlt 165.000 Euro, der Bund kommt für die restlichen Kosten auf.