Testphase in Berlin: Paketzusteller sparen mit Lastenfahrrad elf Tonnen Kohlendioxid

Berlin - Es war ein Versuch, und er hat sich gelohnt. Zwölf Monate lang testete die Stadt zusammen mit den fünf größten Paketzustellern des Landes, ob im Innenstadtbereich Lastenfahrräder als Ersatz für die großen Dieseltransporter von DHL, Hermes & Co taugen. Die Antwort liefert Andreas Weber am Mittwoch. Er hatte das Projekt von Anfang an koordiniert, das sich auf ein aus vier Containern bestehendes Mikro-Depot an der Eberswalder Straße in Prenzlauer Berg konzentrierte. „Es funktioniert. Stadtverträglicher Lieferverkehr ist möglich.“

Das Depot am Mauerpark wurde im April vergangenen Jahres eingerichtet. Seitdem wird es von den Paketdiensten beliefert. Der Weitertransport auf der sogenannten letzten Meile erfolgt dann per Lastenfahrrad. Eine Schnittstelle zwischen Diesel und Fahrradkette.

Insgesamt elf Velo-Transporter waren dort in den vergangenen zwölf Monaten im Einsatz und machten die gewohnten Kastenwagen der Paketzusteller im Umkreis von zwei bis drei Kilometern rar. Projektleiter Weber nennt die Zahlen: 160.000 Pakete wurden per Pedal-Transport ausgeliefert. Dafür spulten die Kuriere mit Lastenfahrrädern 38.000 Kilometer ab und konnten so 28.000 Kilometer herkömmlicher Transporter vermeiden.

Legt man zugrunde, dass ein Zustellauto pro Tour in der Stadt etwa 50 Kilometer zurücklegt, dann gab es im Zustellbereich rund um das Test-Depot in den zurückliegenden zwölf Monaten etwa 600 Transporterfahrten weniger. Allein Hermes hatte in dem Gebiet nur noch zwei statt fünf Autos im Einsatz. In jedem Fall sollen so binnen eines Jahres insgesamt elf Tonnen Kohlendioxid eingespart worden sein.

Paketversand wird weiter ansteigen

Weniger Lärm, weniger Abgas, weniger Lieferfahrzeuge, die in der zweiten Spur parken – das sind Argumente, die vor allem im Innenstadtbereich überzeugen. Weber bezeichnet das Projekt an der Eberswalder Straße als einen „ersten Schritt“ und „dauerhaften Baustein“ des Cityverkehrs. Hartmut Weber von der Senatsverkehrsverwaltung wird dann sogar konkret. „Im nächsten Jahr wollen wir drei bis fünf weitere Depots eröffnen“, sagt er. „Wir suchen bereits nach geeigneten Standorten.“ Auch eine Untermiete an Tankstellen oder in Einkaufscentern sei dabei denkbar.

Tatsächlich ist man auch in der Paketbranche dem neuen Transportmittel gegenüber aufgeschlossen. Zwar beteuert man, die Kosten noch nicht berücksichtigt zu haben. Doch wird die Branche kaum an der emissionsfreien, radwegtauglichen und fahrverbotsresistenten Art der Paketzustellung vorbeikommen. Denn der Paketversand wird sicher weiter zunehmen.

Das Beratungsunternehmen Oliver Wyman prognostizierte gerade erst einen Anstieg der Paketversendungen von derzeit etwa 3,5 auf bundesweit neun Milliarden Pakete im Jahr 2028, was zugleich auch annähernd eine Verdreifachung des Lieferverkehrs bedeutet