Berlin - Eine Badewanne mit der Aufschrift „Pfand“ ist randvoll mit Flaschen, an den Häusern, die einst britische und US-Geheimdienste als Horchposten in den Osten nutzten, zieren Graffiti die Wände, manche sind richtige Kunstwerke. Die Planen der markanten Türme auf dem Teufelsberg sind zerrissen, sie flattern im Wind. Schon seit dem Abzug der Militärs im Jahr 1992 wird über eine neue Zukunft für den 114,7 Meter hohen Berg diskutiert, es gab viele Pläne, alle zerschlugen sich. Doch nun soll sich endlich etwas bewegen. Der Senat und der Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf wollen alle Interessenten an einen Runden Tisch Teufelsberg holen, um Möglichkeiten für eine Entwicklung des Geländes auszuloten.

„Realistische Möglichkeiten“, betont Ephraim Gothe, Staatssekretär in der Stadtentwicklungsverwaltung, bei einem Symposium am Dienstagabend im Ökowerk Teufelssee. Der 48-jährige Sozialdemokrat, Stadtplaner, ehemaliger Baustadtrat von Mitte, ist in der Senatsverwaltung für das Thema zuständig. Im City-Bezirk habe er viel mit strittigen Themen zu tun gehabt, mit Bürgerinitiativen und Investoren, mit Abstimmungen zwischen Senat und Bezirk, mit Kompromissen. Und um einen Kompromiss werde es wohl auch beim Teufelsberg gehen müssen, sagt Gothe.

Denn es gibt mehrere Interessengruppen, die ganz unterschiedliche Vorstellungen von der Zukunft des Berges haben. Da ist eine Investorengruppe, die einst Luxuswohnungen plante. Doch noch ehe diese entstehen konnten, ging ihr das Geld aus. 2004 hob dann der Senat den Vorhaben- und Erschließungsplan auf, danach wurde auch der Flächennutzungsplan geändert – das Gelände ist nun offiziell wieder Wald. Ein Aktionsbündnis Teufelsberg, darunter sind auch Naturschützer und Anwohner, will deshalb, dass der Berg renaturiert wird und nur einige Relikte der Bebauung erhalten bleiben. Doch die Investoren wollen immer noch bauen – irgendwann. Ein Hotel war im Gespräch, Wohnungen, Gastronomie, ein Museum. Laut Gothe waren alle ihre bisherigen Vorhaben nicht genehmigungsfähig.

Inzwischen gibt es aber auch einen ganz neuen Vorschlag: Der Teufelsberg soll als Zeugnis des Kalten Krieges erhalten werden. Das Bezirksparlament von Charlottenburg-Wilmersdorf hat deshalb gefordert, die Gebäude unter Denkmalschutz zu stellen. Laut Gothe wird das derzeit noch vom Landesdenkmalamt geprüft. „Das Interesse, solche Orte zu erhalten, ist erst in den letzten Jahren gewachsen“, sagt der Staatssekretär. „Man merkt das an der aktuellen Debatte um die East Side Gallery.“

Vorbild Schöneberger Südgelände

Auch diejenigen, die den Spionage-Berg schon jetzt erobert haben, Künstler, Historiker, Stadtführer, wollen keine Renaturierung. Fatima Njai (30), Klangkünstlerin, sagt: „Nur Relikte dort zu lassen, wäre der falsche Weg. Man kann schließlich in Hohenschönhausen auch das ganze Stasi-Museum besichtigen und nicht nur eine Zelle.“ Landschaftsplaner Detlef Dahlmann, der wie viele Kreative in der Initiative Teufelsberg mitarbeitet, die den Erinnerungsort bewahren will, hat einst den Naturpark Schöneberger Südgelände mitgeplant. Dort durfte die Natur die Industriebauten eines früheren Rangierbahnhofs wiedererobern, es gibt Veranstaltungen und es darf auch gesprüht werden – ganz offiziell. Etwas Ähnliches könne er sich auch für den Teufelsberg vorstellen, sagt Dahlmann.